Finanzminister Henry Paulson

Finanzkrise

Amerika schmiedet Rettungsplan

Die Regierung will für Hunderte Milliarden Dollar faule Kredite von Finanzinstituten kaufen. Es wäre der größte Eingriff in den Markt seit der Großen Depression der dreißiger Jahre. Von Claus Tigges und Carsten Knop

Lesermeinungen zum Beitrag

20. September 2008 09:58

Das Weltfinanzsystem hängt am Tropf

Ingo Lendorf (Lendorf)

Letztendlich werden die US-amerikanischen Rettungsversuche den Systemkollaps ins nächsten Jahrzehnt verschieben, aber er wird zwangsläufig kommen ! Das Grundübel ist und bleibt die hoffnungslose Überschuldung der westlichen Hemisphäre und die damit verbundene, in Geiselhaft genommene, Zinspolitik der G8 Zentralbanken ! Es ist schon erstaunlich, dass sich das Geldmengenwachstum ( M3 ), ob in der Eurozone oder den USA, seit Jahren im zweistelligen Prozentbereich bewegt ! Auch hier müsste solangsam der US Notenbankchef mit offenen Karten spielen. Die Konsequenzen werden wir in den kommenden Jahrzehnten schmerzlich tragen müssen. Für den Normalbürger wird es bedeuten: " Wohlstand ade " und hoffentlich nicht mehr !

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19. September 2008 23:22

Deutsche Aufgeregtheit!

Andreas Grünebaum (shorafix)

Der Staat (USA) kauft nun also effektiv Anleihen, die zur Zeit nur einen geringen Marktwert haben "teuer" ein. Sagen wir einmal, die Vereinigten Staaten (und damit ihre Steuerzahler) kaufen diese Anleihen für zur Zeit sagenhafte 50% des ursprünglichen Wertes und halten damit das Steppenfeuer auf. Danach gibt es sicher irgendwann einen erneuten "run" auf Grundstücke und Häuser. Die "Werte" steigen auf realistische 75% des ursprünglichen "Wertes" und der Staat und seine Steuerzahler machen Kasse. Was ist passiert? Das Geld ging von einer Tasche in die andere, aber die Wirtschaft hat sich gefangen. Der Steuerzahler profitiert spätestens nach der Privatisierung der Gewinne. Soviel zum Thema "Sozialisierung der Verluste".

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19. September 2008 21:33

Wirklich alles seinen Lauf lassen?

Dagny Taggert (DTaggert)

Diejenigen, die jetzt hier frohlocken, dass es dem kapitalistischen System endlich an den Kragen geht, oder sich darueber beklagen, dass hier weitere Milliarden an Steuergeldern ausgegeben werden, haben den Ernst der Situation nicht erkannt. Es geht hier um mehr als die Rettung einiger Manager, die es nicht besser verdient haben. Wuerde die Regierung nicht massiv eingreifen und eine Auffanggesellschaft gruenden, wuerden sich die Finanzierungsengpaesse wie ein Lauffeuer ausbreiten und schwer- sowie langwierige Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Wir leben in den USA, aber ich gebe lieber heute meine Steuergelder her als morgen meinen Job. Diejenigen, die das kapitalistische System anprangern, sollten wissen dass die Hypothekenkrise auch dadurch ausgeloest wurde, weil die Banken hier in den USA gesetzlich verpflichtet sind, einen gewissen Prozentsatz ihrer Hypotheken an Leute zu vergeben, die eigentlich nicht dafuer qualifizieren, da sie nicht einmal das Geld fuer eine Anzahlung haben. Das diese gerne das Geld nahmen, um am Haeuserboom zu profitieren, und auf dem Antragsformular das Einkommen ein bisschen schoenten, sich aber umdrehten, sobald die Preise fielen, sollte nicht ueberraschen.

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19. September 2008 19:44

Sozialistisches Know How

Friedrich Lorenz (LOCONS)

Es ist schon höchst bedenklich, dass zur Rettung des kapitalistischen Finanzsystems im grossen Stil sozialistisch-kommunistische Techniken und Gewohnheiten eingesetzt werden müssen. Fast schon eine ungewollte Rehabilitation der dunkelroten Modelle.

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19. September 2008 19:22

Krise? Ende des „Kapitalismus’“? Weltuntergang?

Sönke Peters (soenkepeters)

In gewissen Bereichen bedarf es jetzt einer Regulation bestimmter Finanzgeschäfte. Zwar brüsten sich viele heute damit, dass sie schon immer diese Regularien wollten, aber die „bösen Neoliberalen“ ja nicht auf sie gehört hätten ... Diese sich brüstenden haben aber auch nur „spekuliert“, dass sie einst (heute) Recht bekommen sollten. Wissen konnte das indes keiner, schon gar nicht Genosse „LaFo“; die meisten „Mahner“, die beständig nach irgendwelchen Beschränkungen schreien, liegen erwiesener Maßen zumeist fürchterlich falsch. Das Wesen der Marktwirtschaft ist nun mal ihre Freiheit und die Innovation. Auch in Finanzgeschäften ist beides unabdingbar. Sinnvolle Regeln kann man aber erst aufgrund von Erfahrungen aufstellen und damit das bunte, erfolgreiche, menschliche Treiben in Bahnen lenken. Regelungen, die nicht auf Erfahrungen beruhen, können nur diktatorisch und damit bestenfalls hemmend sein. Regulierung NACH Erfahrung, beinhaltet aber leider auch solche Beben und Stützen, wie sie jetzt stattfinden. Diese notwendigen Eingriffe haben aber ebenso wenig mit „Sozialisierung von Verlusten“ zu tun, wie Roosevelts „New Deal“ den Sozialismus eingeläutet hätte.

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19. September 2008 18:55

In der Tat, es geht nicht anders, wenn es auch bedauerlich ist.

Karl-Heinz Andresen (khaproperty)

Die Herstellung eines Ersatzmarktes staatlicherseits, der wenn auch zu wohl erheblichen Abschlägen die gegenwärtig unhandelbaren Forderungen fungibel macht, ist unausweichlich geworden, nachdem die Vernetzung des Systems den Virus subprime in nahezu jeden Winkel übertragen hat. Wie soll es noch gehen, wenn die Versicherungen der Versicherungen und deren Versicherungen faul werden und die Volumina ausgerichtet sind auf Schadensquoten, die in der Vergangenheit stets ausreichten, nun aber nicht mehr. Dann steht der Systemzusammenbruch bevor, es sei denn, man ändert die Bilanzregeln. Da man das dann für alle machen muß und schließlich global, was so schnell nicht geht, bleibt nur, die Regeln für eine einzige, die Auffanggesellschaft, zu ändern. Das kann Amerika wegen des konzentrierten Sachverstandes im Lande in der Tat sehr schnell machen, womit es anderen überlegen ist. Poulson hat Recht, wenn er so an die Wurzel der Probleme zu gehen versucht. Hoffentlich reicht es aus - auch für den Rest der Welt. Als Ergebnis kann unter glücklichen Umständen für den Steuerzahler nach Jahren der Abwicklung durchaus ein Vorteil bleiben, wenn denn die Abschläge hoch genug sind. Das Finanzsystem wird jedoch zu Recht ganz erheblich leiden müssen.

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