Kapitalismus-Kritik

Köhler kritisiert Weltfinanzsystem als „Monster“

Bundespräsident Horst Köhler gilt vielen als eine Autorität in Sachen Wirtschaft. Jetzt hat sich der ehemalige Sparkassenpräsident und spätere Chef des Internationalen Währungsfonds in scharfen Worten zur Finanzkrise geäußert. Auch die Landesbanken blieben nicht verschont.

Lesermeinungen zum Beitrag

15. Mai 2008 18:55

Köhler und seine Vergangenheit beim intrnationalen Währungsfond (IWF)

jose Bonetti (josebonetti)

Leider wissen zu Wenige, dass Horst Köhler in den Jahren 2000-2001 den Posten des Verwaltungsdirektors des IWF inne hatte. In diesen Jahren fiel Argentinien in die größte Rezession ihrer Geschichte. Auslgelöst wurde dies aufgrund der Bedingungen zur Hausaltskonsolidierung die der Internationale Währungsfond, mit Wissen und Einverständnis unseres heutigen Bundespräsidenten, der genannten Nation auferlegt wurden. Herr Köhler liegt mit seinen heutigen Äußerungen richtig, vergisst dabei aber seine eigene Vergangenheit in ähnlichen Angelegenheiten zu erwähnen.

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15. Mai 2008 18:31

@ Herrn Maibach

Paul Rabe (heidelpaul)

Art. 14 II GG ist eine wichtige Norm im GG welche die von Köhler implizit geforderte Kontrolle des privaten Eigentums durch den Gesetzgeber gebietet. Der Gesetzgeber ist nicht nur berechtigt sondern auch verpflichtet(!) die einfachen Gesetze so zu gestalten, daß Art. 14 II GG beachtet wird. Köhler nimmt als anerkannter Experte für das Gebiet hier sehr explizit Stellung was ich sehr begrüße. Ohne staatliche Hilfe der Zentralbanken wäre es jetzt zu einer Weltwirtschaftskrise gekommen, darin sind sich Experten aller Länder sehr einig gewesen. Über die Folgen einer solchen Krise kann man natürlich nur spekulieren, daß diese aber nicht dem Gemeinwohl förderlich gewesen wäre steht außer Zweifel. Zweifelsfrei wären bei einer solchen Wirtschaftskrise auch Millionen von Bürgern zu Schaden gekommen (z.B. durch Arbeitslosigkeit) welche gar nichts(!) mit den privaten Geschäften dieser Banken zu tun gehabt hätten. Ein System bei dem "Private" ohne weiteres zum Schaden von Dritten handeln, kann nicht im Sinne der Gesellschaft sein. Deswegen muss der Staat, dort wo viele Unbeteiligte in Mitleidenschaft gezogen werden, das Recht auf Eigentum zu Gunsten dieser Unbeteiligten einschränken. Und genau das ist der Kern hinter Köhlers scharfen Worten

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15. Mai 2008 18:09

Köhler's Kritik am internationalen Finanzmarkt - Klage des Zauberlehrlings ?

Karl-Joachim Schmelz (prof-dr-schmelz)

Seht, da kommt er schleppend wieder! Wie ich mich nur auf dich werfe, Gleich, o Kobold, liegst du nieder; Krachend trifft die glatte Schärfe. Wahrlich! brav getroffen! Seht, er ist entzwei! Und nun kann ich hoffen, Und ich atme frei! Wehe! wehe! Beide Teile Stehn in Eile Schon als Knechte Völlig fertig in die Höhe! Helft mir, ach! ihr hohen Mächte! Und sie laufen! Naß und nässer Wird‘s im Saal und auf den Stufen. Welch entsetzliches Gewässer! Herr und Meister! hör mich rufen! - Ach, da kommt der Meister! Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister, Werd ich nun nicht los.

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15. Mai 2008 16:27

mea culpa !

Markus Teuber (arathorn)

Von Politikern hört man ja auch nie ein : "Ich bin schuld! ! Warum also sollte man so etwas dann von anderen (aus der Wirtschaft) hören ? Und wer saß bzw sitzt denn bei der IKB im Vorstand bzw Aufsichtsrat ? Genau,(abgehalfterte) Politiker oder von Politikern Begünstigte und (GANZ WICHTIG!)auch die -sonst so marktschreierisch aufspielenden-Gewerkschaftler ! Und wer sitzt denn in den AUfsichtsräten der diversen Landesbanken ? Genau,Leute wie zB bei der BayernLB der Herr Finanzminister Faltlhauser (noch dazu ein Volkswirtschaftler!)! DAS sollte der Herr Bundespräsident erst einmal in den Griff kriegen,dann kann er auch schlaue Parolen unters Volk werfen wie Perlen vor die Säue ...."auf dass sie dieselbigen nicht zertreten mit ihren Füßen und sich wenden und euch zerreißen."

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15. Mai 2008 15:28

Ich kenne nicht den ...

Reinhold Eysel (Eysel)

kompletten exakten Wortlaut der Rede, aber so wie sie hier wiedergegeben wird beugt sich der Bundespräsident der "Diktatur der Political Correctness", wie es Dohnany formulierte. Das WÄRE eines Bundespräsidenten absolut unwürdig. Oder ist die Gesinnungsdiktatur inzwischen etwa so mächtig, dass ein Bundespräsident sich ihr unterwirft??? Oder hat der Autor des Artikels die Rede verfälschend wiedergegeben????

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15. Mai 2008 13:39

Mein Respekt vor Köhler ...

Reinhold Eysel (Eysel)

... geht den Bach runter ... und auch der vor der FAZ ! !.) Zweifelsfrei zählt Herr K zu den Experten, ist KEIN Linker. Wie kann man sich nur als BUNDESPRÄSIDENT dermassen populistischer Kritik hingeben?!?! Damit "Klein Fritzchens" billigen Stammtisch-Klischees Vorschub leisten. 2.) Und die FAZ "entblödet" sich nicht, das alles auch noch "journalistisch" durch überspitzende Formulierungen zu verstärken! Ich bestreite keine Sekunde, dass Kritik an Bankenverhalten angebracht ist; an Ratingagenturen. ( Siehe Müller Interview Commerzbank. ) Ein Bundespräsident allerdings sollte linkem Gedankengut keinen Vorschub leisten; man sollte ihm nicht sagen müssen, dass absolut NICHTS auf der Welt perfekt ist. Dass sachliche Kritik angebracht ist, aber keine - noch so unterschellige oder hinein interpretierbare -Ideologisierung!

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15. Mai 2008 10:21

@ Paul Rabe

Steve Lutzmann (TomderAffe)

Natürlich, nun sind die bösen Banken auch noch an Hitler und dem WK II schuld. Wie obrigkeitsgläubig muss man eigentlich für so eine Darstellung sein? Das System H. konnte sich nur etablieren, weil es auf unmündige, unfreie Menschen traf. Menschen, die immer nach Papa Staat ("der Kaiser unser grosser Held", "die da in Berlin") riefen. Der Basler Historiker Adolf Gasser brachte es in einer historischen Analyse mal auf den Punkt: je zentralistischer und obrigkeitsgläubiger ein Staat, desto höher die Anfälligkeit für Ideologien und damit auch Kriegen. Von daher ist die Entmündigung der Bürger (nichts anderes ist Regulierung), Schritt in die Unselbständigkeit. Wer Krieg verhindern will, braucht mündige Bürger.

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15. Mai 2008 09:15

Das Wort Monster führt uns zurück ins Mittelalter.

Guenther Derstroff (derstroff)

Das Wort Monster lässt uns spüren wie ohnmächtig wir dem Finanzsystem ausgesetzt sind. Die Ohmacht der Bürger sollte für einen Bundespräsidenten jedoch kein Ziel sein. Hier versagt Herr Köhler auf ganzer Linie. Angebracht wäre eine rationale Beurteilung der Krise. Die Finanzindustrie ist eben auch nur eine Industrie die noch recht jung ist und auf diesem Weg Fehler macht. So wie die ersten Brücken und Flugzeuge wegen konstruktiver Mängel ein- und abstürzten sind im Finanzsystem eben auch einige schwerwiegende Konstruktionsfehler aufgetaucht die zu Katastrophen führten. Die Finanzindustrie wird aus diesen Fehlern lernen und Fortschritte machen. Und wenn der Staat hier was beitragen will: Forschung und Lehre! Das Wort Monster führt uns jedoch zurück ins Mittelalter.

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15. Mai 2008 01:56

„Monster“

Ernst W. Thomas (EWT)

JAA: Respekt - der Bundespräsident ist Insider genug, um zu wissen, was er sagt!! Wenn er zu solch deutlichen Worten findet, dann ist es in der Tat an der Zeit, einiges zu überdenken ud anders zu machen in Zukunft ! Hoffetnlich bleibt er uns noch weitere 4 Jahre erhalten - - ein Glücksfall, wenn nicht die willenlose Politikerriege im höchsten Amtz aitzt, sondern jemand, der Kompetenz, Integrität und Mut vereint. "Politikern" wie Nahles sollten sie Ohren klingen !!

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15. Mai 2008 00:57

Köhler weiß von was er spricht, im Gegensatz..

Wolfgang Sandner (Glhf)

..zu einigen Besserwisser-Kommentaren: Ich arbeite im Bankenumfeld und der Trend der Meinungen ist, dass die komplexen Bankprodukte von kaum mehr Leuten unterhalb der Expertise verstanden werden. Das kann man vereinfacht auch Monster nennen. Dass in Amerika die Kreditprüfungen nicht das Gelbe vom Ei sind und nach dem deutschen Vorsichtsprinzip hier überhaupt nicht möglich wären - ist allen Marktteilnehmern bewusst. Strukturierte Finanzprodukte, die (durchaus bewusst!) vorgaukeln Risiken vermeintlich durch Absicherungsgeschäfte beliebig riskanter Geschäfte fast vollständig kompensieren zu können, sind zu regelmentieren. Das ist nötig, denn dieses Absichern funktionieren nur, so lange alle daran „glauben“ und der Hebel nicht den Boden – sein Grundgeschäft – unter den Füßen verliert. zu Wolf Doleys (Karneades) und ihrer Auffassung, dass die Regulierung diese Krise nur verstärkt und sie daher höher ist: Wenn Geschäfte außerhalb der Bilanz geführt werden und Verluste dann irgendwann eben doch aktiviert (werden müssen), dann ist Regulierung nicht Ursache sondern nützlicher Kondensator. Die Effizienz der Kapitalmärkte ist nicht die ganze Wahrheit, die nötige Effektivität/langfristige Perspektive ist nur durch Regeln zu "bändigen".

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14. Mai 2008 23:37

@Herr Rabe - Eigentum ist sicher nicht der Grund zweier Weltkriege

Carsten Maybach (der_kapitalist)

Herr Rabe, danke für die weiteren Anmerkungen. Der Art. 14 II GG, der mir bekannt ist, ist keine Generalvorschrift, die sich vor einem deutschen Gericht einklagen lässt (von Politikern ggü. Banken bspw.), sondern ist vielmehr ein Zusatz für gesetzgeberische Maßgaben. Insbesondere kann keine individuelle Verpflichtung daraus hergeleitet werden. Der Grund zweiter Weltkriege ist in diesem kurzen Format nicht diskutierbar, jedoch hatte die Finanzkrise auch viele Länder außer Deutschland getroffen, die keinen Weltkrieg angestachelt haben. Garant für Frieden ist gerade das Privateigentum, da es keinem Eigentümer liegt, dasselbe durch einen Krieg zu verlieren. Nur eine enteignete Bevölkerung hat einen Vorteil durch einen Krieg, indem es weitere Bevölkerungen enteignet und dieses Vermögen der eigenen Masse einverleibt. Dies wird auch von den donnerstäglichen (oder war es freitags?) Demonstranten vor der Deutsche Bank-Zentrale gerne übersehen. Abschließend: Nur privates Eigentum und ergo privates Risiko fördert verantwortungsvolles Handeln. Jegliche Drangsalierung in Form von Bevormundung oder Enteignung lähmt das persönliche Interessen und öffnet ein Individuum für totalitäre Ideen.

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14. Mai 2008 21:01

Undemokratisch

Hans-J. Sauer (Wertpapierportfolio)

Bundespräsident und andere sollen bitte damit aufhören, den Anlegern vorschreiben zu wollen, wie sie zu investieren haben. Seine Denkweise halte ich für höchst undemokratisch. Finanzmärkte lassen sich nicht gerne in die Normalverteilung pressen. Allerdings hätten das auch die Monster-Banken wissen müssen. Ihr VaR-Modell ist insofern sehr verbesserungswürdig. Ideen, es besser zu machen, hätte ich. Aber niemand fragt danach.

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14. Mai 2008 19:11

Übertrieben und peinlich

Alex Merck (AlexM3)

Herr Köhler hat sich hier ausnahmsweise sehr übertrieben und peinlich geäussert - was vielleicht auch an den Gesprächspartnern lag. In einer Hinsicht hat er recht - das heutige Geldsystem ist mit vielen Innovationen der letzten 10 Jahre im Bereich der Wertpapiere für viele Menschen schwer verständlich. Die Vorgänge und die heutigen strukturierten festverzinslichen Wertpapiere, die im Kern des Problems stehen, sind in vieler Hinsicht aber auch eine wichtige Hilfe dafür gewesen, den Boom der letzten Jahre zu finanzieren und eine Erholung aus der Katastrophe der Internet-Blase der späten 90er zu erreichen. Leider sind die Techniken offensichtlich aber auch vielen deutschen Beamten-Bankern (bei IKB, Sparkassen etc.) nicht verständlich (gewesen?) - neue Regeln sollten da nur sehr vorsichtig eingesetzt werden. Rettungen von schlecht gemanagten Firmen durch Steuergelder sind aber mMn auch nicht akzeptabel.

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14. Mai 2008 18:48

Kapitalismus-Kritik des Bundespräsidenten Horst Köhler

Hans-Joachim Seelmaecker (Seelmaecker)

Man muß jedes Wort unterschreiben, vor allem, daß ein "mea culpa" fehlt. Anscheinend gibt es bei der Internationalen Banken-Hochfinanz so etwas wie ein Herden-Verhalten, Massenmensch-Konformität. Dr. Hans-Joachim Seelmaecker, sen. Rechtsanwalt in Hamburg

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14. Mai 2008 18:07

Kohl, Waigel und Köhler als Autoritäten in Sachen Wirtschaft

Sophia Orti (rum)

Die große Leistung: vielen als eine Autorität in Sachen Wirtschaft zu gelten. Eine Leistung in Sachen Wirtschaft?

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