Altersvorsorge

Deutsche Männer gehen immer später in Rente

25. November 2004 Die rot-grünen Renten- und Arbeitsmarktreformen lassen eine Frühverrentung zunehmend unattraktiv erscheinen. Um hohe finanzielle Einbußen zu vermeiden, schieben Arbeitnehmer den Rentenbeginn daher wieder hinaus. Dies allerdings belastet den Arbeitsmarkt zu Lasten jüngerer Beschäftigter: Bis 2008 stünden dem Arbeitsmarkt etwa 560 000 ältere Arbeitnehmer zusätzlich zur Verfügung, die bisher früher in Ruhestand gegangen seien, berichtete das Deutsche Institut für Altersvorsorge (Dia) unter Hinweis auf eine neue Studie am Mittwoch in Berlin.

Deswegen werde die Arbeitslosigkeit vor allem unter den bisherigen „Nachrückern“ zunehmen und sich unter den Erwerbslosen verfestigen. Das „Ende der Frührente“ fordere somit ein Umdenken von Arbeitnehmern, Arbeitgebern und Politikern, die aus der bisherigen Konstellation zu Lasten der Rentenkassen Nutzen gezogen haben.

Bei Frauen stieg der Altersrentenbeginn von 62,8 auf 63,3 Jahre

Das durchschnittliche Rentenzugangsalter hat sich jüngst, nachdem es drei Jahrzehnte stetig gesunken war, erhöht. Dennoch beginnt der Ruhestand für die meisten immer noch vor dem 65. Geburtstag. Nach Angaben des Verbandes der Deutschen Rentenversicherungsträger (VDR) sind Männer in Westdeutschland 2003 im Schnitt mit 63,1 Jahren in Rente gegangen. 1997 hatte das durchschnittliche Zugangsalter für die Altersrente noch bei 62,3 Jahren gelegen. Berücksichtigt man auch die Erwerbsminderungsrenten, vermindert sich das Durchschnittsalter auf 61,1 Jahre. Bei den Frauen stieg der Altersrentenbeginn zwischen 1997 und 2003 von 62,8 auf 63,3 Jahre.

VDR-Geschäftsführer Franz Ruland verwies darauf, daß diese Zahlen nur eine Tendenz belegen könnten. Der Anstieg sei zu mehr als der Hälfte demographisch begründet, denn derzeit erreichten geburtenstarke Jahrgänge das gesetzliche Rentenalter von 65 Jahren. Außerdem sei unsicher, ob jene, die den Rentenbeginn derzeit aufschöben, ihren Arbeitsplatz tatsächlich bis zum Beginn der abschlagsfreien Rente behielten. Ruland forderte, die Rahmenbedingungen zu verbessern, damit ältere Arbeitnehmer tatsächlich länger erwerbstätig bleiben könnten. Im Westen Deutschlands waren gut 21 Prozent der Neurentner vorher erwerbstätig, 14 Prozent bezogen Leistungen wegen Arbeitslosigkeit, 10 Prozent kamen aus der Altersteilzeit. Im Osten bezogen dagegen mehr als 44 Prozent der Neurentner vorher Leistungen wegen Arbeitslosigkeit.

Neue Veränderungen der politischen Rahmenbedingungen

Ursache für den späteren Rentenbeginn sind vor allem die finanziellen Abschläge, die Rentner sonst hinnehmen müssen. Von 1973 an konnten Arbeitnehmer zunächst ohne Abschläge vorzeitig in den Ruhestand gehen. 2003 mußte aber nach VDR-Angaben schon fast die Hälfte der Neurentner Abschläge von 0,3 Prozent je Monat hinnehmen. Nach Abzug der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge verfügen diese Rentner bei einem Abschlagssatz von 14,3 Prozent für 48 Monate nur noch über eine Rente von 960 Euro. Wer 2003 mit 60 Jahren wegen Arbeitslosigkeit in den Ruhestand ging, mußte 18 Prozent Abschlag hinnehmen. Für den „Modellrentner“ mit 45 Versicherungsjahren werden 1130 Euro Durchschnittsrente angegeben.

Die Rentenversicherer beobachten unterdessen neue Veränderungen der politischen Rahmenbedingungen, die eine Frühverrentung fördern könnten. Ruland betonte, die Verkürzung der Bezugsdauer beim Arbeitslosengeld könnte ältere Arbeitslose dazu zwingen, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen, zumal wenn sie der Vermögensprüfung für das neue Arbeitslosengeld II entgehen wollten.

Text: enn. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2004, Nr. 276 / Seite 15
Bildmaterial: F.A.Z.

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