16. Mai 2003 Weltbank und IWF erwarten extrem gute Leistungen und Sprachkenntnisse
Wer die Weltbank in Washington betritt, erfährt gleich in der Eingangshalle, was deren Ziel ist: "Our Dream is a World Free of Poverty" ("Unser Traum ist eine Welt ohne Armut") steht dort in großen Lettern geschrieben. Für viele junge Akademiker geht ein Traum in Erfüllung, wenn sie die Chance bekommen, bei der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, wie die Weltbank offiziell heißt, zu arbeiten. Ähnlich glücklich schätzen sich junge Ökonomen, deren Bewerbung beim Internationalen Währungsfonds (IWF) Erfolg hat, der nur einen Häuserblock von der Weltbank entfernt liegt. Weltbank und IWF sind ein Mekka für jene, die auf dem Gebiet globaler Wirtschafts- und Entwicklungsfragen mit Spitzenleuten in internationalem Umfeld arbeiten wollen. Die Weltbank leistet Entwicklungshilfe durch wirtschaftliche Beratung, finanzielle Beteiligungen und langfristige Kreditvergabe für Projekte in Schwellen- und Entwicklungsländern. Ihre Mitarbeiter kommen von allen Kontinenten und aus ganz verschiedenen Fachgebieten, aus den Sozial- und Geisteswissenschaften ebenso wie aus den Natur- und Ingenieurswissenschaften. Im Berufseinsteigerprogramm der Weltbank seien mittlerweile allerdings mehr als zwei Drittel der erfolgreichen Bewerber Volkswirtschaftler, heißt es in Washington.
Für junge Spitzenökonomen, die international arbeiten wollen, kommt außerdem eine Bewerbung beim IWF in Frage. Dessen Aufgabenschwerpunkt ist neben der Prüfung der Wirtschafts-, Währungs- und Finanzsituation der 184 Mitgliedsländer die Ausarbeitung von Weltwirtschaftsprognosen sowie die Unterstützung von Entwicklungs- und Schwellenländern bei der Bewältigung von Schuldendienst- und Zahlungsbilanzschwierigkeiten.
Sowohl der IWF als auch die Weltbank bieten Praktika und verschiedene Einsteigerprogramme für junge Wissenschaftler an. Für Studenten, die noch keinen Studienabschluß haben, kommt allerdings nur das sogenannte "Knowledge Intern Program" bei der Weltbank in Frage. Es bietet die Möglichkeit, sich in einer Abteilung, die Praktikanten für Rechercheaufgaben oder die Aufbereitung von Informationen benötigt, mit der Arbeit der Weltbank vertraut zu machen. Geld gibt es dafür freilich nicht. Bezahlte Praktika vergeben Weltbank und IWF nur an Bewerber mit Studienabschluß. Der IWF bietet jeden Sommer bis zu 40 jungen Ökonomen, die bereits an ihrer Doktorarbeit schreiben, für 10 bis 13 Wochen die Möglichkeit wissenschaftlicher Mitarbeit. Bei der Weltbank können sich theoretisch auch Absolventen, die noch nicht mit ihrer Doktorarbeit begonnen haben, für das sogenannte "Bank Internship Program" bewerben, das zweimal im Jahr angeboten wird. Aber wegen der hohen Bewerberzahl haben Doktoranden natürlich bessere Chancen. Gesucht werden typischerweise junge Ökonomen, Sozial- und Agrarwissenschaftler, Anthropologen, Ernährungs- und Bevölkerungswissenschaftler, die für die Dauer von vier Wochen bis drei Monaten bei der Weltbank mitarbeiten wollen.
Nicola Fuchs-Schündeln hat im Sommer 2001 für zehn Wochen ein Praktikum beim IWF absolviert. Sie studierte in Köln Volkswirtschaftslehre und Regionalwissenschaften mit dem Schwerpunkt Lateinamerika. Vor dem Praktikum beim IWF hatte sie bereits Praktika bei verschiedenen Wirtschaftsforschungsinstituten sowie bei der OSZE in Paris absolviert. Gegenwärtig arbeitet sie an ihrer Promotion an der Universität Yale. Dort wurde die 30 Jahre alte Doktorandin auch auf das Praktikumsprogramm des IWF aufmerksam. "Total gut" sei das Praktikum gewesen, sagt sie. Die Ressourcen seien enorm, was sich manche Praktikanten auch für ihre Doktorarbeit zunutze machten, und die Mitarbeiter beim IWF seien sehr aufgeschlossen und hilfsbereit. "Ich war rundherum zufrieden", sagt Nicola Fuchs-Schündeln. Schwerpunktmäßig arbeitete sie an einem Forschungsprojekt zum Thema Börsenliberalisierung, zu dem dann auch ein Arbeitspapier veröffentlicht wurde. Ein bißchen Glück gehört allerdings schon dazu, damit man sein Praktikum mit einem "working paper" abschließen kann. Bei großangelegten Forschungsprojekten, die längere Zeit dauern, ist das nicht so leicht möglich.
Wem ein Praktikum beim IWF oder der Weltbank zu kurz erscheint, der kann es auch mit einer Bewerbung für das Zweijahresprogramm versuchen, das beide Organisationen anbieten. Bei der Weltbank heißt das Programm für wissenschaftliche Mitarbeiter "Junior Professional Associates Program" (JPA) und beim IWF "Research Assistants Program". Mindestvoraussetzung dafür ist jeweils der Bachelor's-Abschluß. "Aber die meisten JPAs haben einen Master's-Abschluß", erläutert Nina Heinsohn, die in Schottland internationale Beziehungen und Spanisch studierte und anschließend an der London School of Economics einen Master's-Abschluß in Politikwissenschaften erwarb, bevor sie im vergangenen November für das JPA-Programm zur Weltbank kam. Dort wurde sie aus dem Bewerberpool von einer Abteilung ausgewählt, die sich mit Empowerment-Aktivitäten beschäftigt, die auf mehr Gestaltungs- und Entscheidungsmacht benachteiligter Bevölkerungsgruppen zielen. "Die Arbeit könnte nicht besser sein - intellektuell anspruchsvoll, in einem internationalen Team mit netten Leuten", lobt die 27 Jahre alte Politikwissenschaftlerin. Man müsse allerdings schon Spaß an sehr speziellen Themen haben. Zugleich gebe es aber durchaus die Möglichkeit, über die Mitarbeiter anderer Abteilungen verschiedene Arbeitsgebiete in der Weltbank kennenzulernen.
Friederike Köhler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin beim IWF. Die 25 Jahre alte Volkswirtin, die an der Universität St. Gallen Volkswirtschaft studierte, mit Austauschsemestern in Paris sowie an der Business School der Universität Michigan, ist allerdings nicht in ein "Research Assistants Program" eingebunden. Vielmehr kam sie als Stipendiatin des Carlo- Schmid-Programms (angeboten vom Deutschen Akademischen Austauschdiens (DAAD) und der Studienstiftung des Deutschen Volkes) zum IWF und hat deshalb einen gewissen Sonderstatus. So ist sie auch nicht für zwei Jahre, sondern nur für neun Monate beim IWF. Aber auch in dieser Zeit könne man "wahnsinnig viel lernen", sagt die gebürtige Bonnerin. "In den ersten Tagen bin ich nur mit großen Augen herumgelaufen, da hier zahlreiche Ökonomen arbeiten, die ich sonst nur von ihren Publikationen kannte." Gemeinsam mit hervorragenden Wissenschaftlern an aktuellen Themen zu forschen sei eine "Riesenchance". Außerdem biete die wissenschaftliche Mitarbeit beim IWF die Möglichkeit, sich über "heiße" Forschungsthemen zu orientieren, was "sehr inspirierend" für eine spätere Doktorarbeit sei. Friederike Köhler kann sich jedenfalls gut vorstellen, später, nach einem Graduierten- oder PhD-Studium, wieder zum IWF zurückzukehren.
Wer eine Festanstellung beim IWF oder bei der Weltbank anstrebt, für den ist es auf jeden Fall von Vorteil, dort schon als Praktikant oder im Rahmen des Zweijahrsprogramms gearbeitet zu haben. Auch Wolfgang Köhling, der seit September 2001 im "Young Professionals"-Programm der Weltbank ist, hat als Praktikant bei der Organisation angefangen. Jetzt ist er mit Weltbank-Projekten auf den pazifischen Inseln betraut. Wenn er dafür nach Samoa und auf die Fidschi-Inseln reisen muß, hört sich das natürlich traumhaft an. Aber meist sitzen die Weltbank-Mitarbeiter während ihrer Missionen in Konferenzzimmern und Büros. Für private Ausflüge bleibt oft keine Zeit.
Um in den kleinen Kreis der "Young Professionals" aufgenommen zu werden, deren zweijährige Tätigkeit gewöhnlich in das Angebot einer Festanstellung mündet, muß man freilich nicht nur extrem gute Leistungen und Sprachkenntnisse vorweisen können, sondern sich auch frühzeitig durch entsprechende Studienschwerpunkte, Praktika und einschlägige Berufserfahrung auf eine Karriere in internationaler Entwicklungsarbeit vorbereitet haben. Ähnlich zielstrebig müssen Studenten vorgehen, die in das "Economist Program" des IWF aufgenommen werden wollen, das den Weg zu einer Festanstellung beim Währungsfonds ebnet.
Deutschen, die bei der Weltbank arbeiten möchten, bietet sich außerdem noch die Chance, dieses Ziel über das "Junior Professional Officers"-Programm (JPO) zu erreichen, welches die Bundesregierung finanziert, um den Anteil deutscher Mitarbeiter in der Organisation zu erhöhen. Ausgewählt werden die JPOs - durchschnittlich vier im Jahr - vom Büro Führungskräfte zu Internationalen Organisationen in Bonn. Das heißt freilich nicht, daß die JPOs dann in der Weltbank nur mit Deutschen zusammenarbeiten. Auch ihnen stehen bei der Organisation je nach Personalbedarf alle Abteilungen offen.
Nähere Informationen über die Programme des IWF gibt es unter www.imf.org/external/np/adm/rec/vacancy.htm. Die Weltbank informiert unter "jobs and opportunities" auf der Internetseite www.worldbank.org. Eigene Nachwuchsprogramme bietet der Zweig der Weltbank an, der private Investitionen in Entwicklungsländern fördert, "International Finance Corporation". Informationen dazu unter www.ifc.org/careers. Über das speziell auf Deutsche zugeschnittene JPO-Programm bei der Weltbank (Programm Beigeordnete Sachverständige) gibt es Informationen beim Büro Führungskräfte zu Internationalen Organisationen (BFIO), Villemombler St. 76, 53123 Bonn, Telefon: 0228/713-1313, Fax 0228/713-1036, www.arbeitsamt.de/zav/international/bfio. Ansprechpartnerin ist Brigitte Schmieg, E-Mail brigitte.schmieg§arbeitsamt.de. (gel.)
Bildmaterial: dpa
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