Starke Gewinne nach Zinsentscheid

Amerikanische Notenbank senkt Zins um 75 Basispunkte

19. März 2008 Die amerikanischen Währungshüter haben angesichts der Turbulenzen auf den Finanzmärkten und aus Sorge um die schwache Wirtschaft den Leitzins abermals kräftig gesenkt. Der geldpolitische Rat der Federal Reserve (Fed) unter Führung seines Vorsitzenden Ben Bernanke beschloss am Dienstag, den Zielzinssatz für Tagesgeld um 0,75 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent zu verringern. Es ist die sechste Zinssenkung seit Herbst vergangenen Jahres und womöglich nicht die letzte, denn der Rat stellte in seiner schriftlichen Begründung eine weitere Lockerung der Geldpolitik für den Fall in Aussicht, dass sich die Konjunkturperspektiven weiter eintrüben.

Die Fed bestätigte mit dem Beschluss die Erwartungen vieler Bankvolkswirte, von denen einige allerdings auch eine Zinssenkung um einen ganzen Prozentpunkt für möglich gehalten hatten. Die New Yorker Börse reagierte auf die Senkung mit einem lebhaften Höhenflug und hat zum Handelsschluss mehr als 3,5 Prozent zugelegt. Der Dow Jones kletterte um 420,21 Punkte und schloss bei 12.391,52 Punkten. Der Nasdaq machte seine Verluste vom Vortag wett und legte um mehr als 4,1 Prozent zu.

Entscheidung fiel nicht einstimmig

Ben Bernanke und die Fed haben ihre Entscheidung getroffen

Ben Bernanke und die Fed haben ihre Entscheidung getroffen

Wie aus der schriftlichen Begründung der Fed hervorgeht, wurde die Entscheidung nicht einstimmig getroffen. Zwei Mitglieder des Rates, der Präsident der Fed von Dallas und Charles Plosser, Präsident der Fed von Philadelphia, plädierten gegen ihre übrigen acht Kollegen für einen kleineren Zinsschritt.

Der Rat äußert die Einschätzung, dass sich die Konjunkturaussichten zuletzt weiter verschlechtert haben, unter anderem wegen der Verschärfung der Häuserkrise, der Spannungen auf den Finanzmärkten und der Schwäche des Arbeitsmarktes. Weitere Risiken für das Wachstum bestünden fort, auch nach den jüngsten geldpolitischen Beschlüssen, einschließlich der Liquiditätsspritzen für Banken und Wertpapierhändler. Allerdings sei auch die Ungewissheit bezüglich der Inflationsentwicklung größer geworden. Darum müsse die Preisentwicklung genau beobachtet werden, meint der Rat.

Auch Regierung zu Hilfsmaßnahmen bereit

Unterdessen wächst in Regierung und Kongress in Washington die Bereitschaft zu weiteren Hilfsmaßnahmen für die daniederliegende Wirtschaft. Neben möglichen Rettungsaktionen für Banken wird über Mittel und Wege zur Unterstützung von Hausbesitzern diskutiert, aber auch über die Notwendigkeit einer strengeren Regulierung des Hypothekenmarktes.

Wie es heißt, erwägt das Weiße Haus eine mittelbare Hilfe für Hausbesitzer durch eine Lockerung jener Vorschriften, an die die beiden staatlich geförderten Immobilienfinanzierungsgesellschaften Freddie Mac und Fannie Mae gebunden sind. Die beiden Unternehmen vergeben zwar nicht selbst Hypothekendarlehen, sie kaufen diese aber von traditionellen Banken auf, bündeln sie und benutzen sie als Sicherheit für Wertpapiere, die dann auf dem Kapitalmarkt verkauft werden. Auf diese Weise versetzen sie die Banken in die Lage, zusätzliche Kredite zu günstigeren Konditionen an Haushalte zu vergeben.

In den vergangenen Jahren sind die Eigenkapitalvorschriften für Freddie Mac und Fannie Mae deutlich verschärft worden, nachdem es dort zu Bilanzskandalen gekommen war. Nun plant die Regierung offenbar eine Verringerung des notwendigen Eigenkapitals, damit Freddie Mac und Fannie Mae weitere Darlehen von Banken erwerben können und ihnen zu der dringend benötigten Liquidität verhelfen.

Offenbar Verringerung des notwendigen Eigenkapitals geplant

Darüber hinaus denkt die Regierung offenbar daran, Hausbesitzern in finanziellen Schwierigkeiten durch die staatliche Federal Housing Administration (FHA) direkt zu helfen und zu verhindern, dass es zu Zwangsversteigerungen kommt. Der Wirkungskreis der FHA, die Hypothekendarlehen versichert, könnte auf mehr Hausbesitzer ausgedehnt werden. Die Versicherung zusätzlicher Darlehen durch die FHA könnte die Bereitschaft der Banken erhöhen, sich mit Hausbesitzern auf eine neue, tragfähigere Finanzierung zu einigen, meint die Regierung. Einen ähnlichen Vorschlag hat auch der Vorsitzende des Ausschusses für Finanzdienstleistungen im Repräsentantenhaus, der Demokrat Barney Frank, vor einigen Tagen gemacht.

Eine weitere Möglichkeit bestünde darin, dass Banken ihre Forderungen gegenüber den Hypothekenschuldnern entsprechend dem gesunkenen Wert des Hauses oder der Wohnung verringern und dafür ein „Zertifikat“ erhalten, das sie an möglichen künftigen Wertsteigerungen der Immobilie in besonderem Maße beteiligt. Finanzminister Henry Paulson hat allerdings diesem Vorschlag aus seinem Haus noch nicht offiziell zugestimmt.

Text: FAZ.NET/ctg./F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z.

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