Wie unsere Schulen Wirtschaft lehren

Von Raffgier und Ausbeutung

Böse Bosse, arme Arbeiter: Unsere Schulen vermitteln ein einseitiges Bild von der Wirtschaft, wie eine neue Studie zeigt. Französische und deutsche Schulbücher sind besonders negativ gegenüber dem Markt eingestellt. Amerika dagegen liebt seine Unternehmer. Von Stefan Theil

Lesermeinungen zum Beitrag

25. Januar 2008 07:59

Was heißt denn "Wirtschaft lehren"?

Thomas Frieling (TFrieling)

Herr Angeh schreibt "Zum Glück stellen sich immer mehr Menschen gegen diese sozialdarwinistische Wirtschaftsdiktatur."

Diese Haltung, die ich - befeuert von den Medien - auch beobachte, ist vergleichbar mit Demonstrationen gegen das Wetter und Protesten gegen die Schwerkraft. Die Wirtschaftswissenschaft ist eine Gesellschaftswissenschaft. Da wird nicht vorgeschrieben, wie es zu sein hat sondern beschrieben, wie es sich darstellt. Und hier machen die Schulen zu wenig.

Ich kann mit jeder Faser meiner Existenz ein sonniges Wochenende wünschen, ich kann jede Nacht träumen, daß ich fliegen kann wie ein Vogel - ich kann mir auch wünschen, daß mir jemand meine teuren, minderwertigen Artikel, hergestellt in einer 30-Stunden-Woche - zu hohen Preisen abkauft.

Und ich kann alle Schuld, wenn mir das nicht gelingt, auf die sozialdarwinistische Diktatur der Hüter der Naturgesetze oder der Hüter der Wirtschaftszusammenhänge schieben. Doch diese Hüter gibt es nicht. Der Protest ist ein Protest gegen einen selbsterfundenen Lieblingsfeind.

TF

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
24. Januar 2008 20:25

Die neoliberale Kaderschmiede

Nick S. Angeh (Redwing)

Reicht es noch nicht, daß wir von oben ständig und einseitig die neoliberale Wirtschaftspropaganda über die Medien der reichen Minderheit eingetrichtert bekommen? Sollen jetzt auch noch die Schüler und Studenten- bez. Letzterem passiert es leider teilweise schon- gleich zu völlig kritiklosen und funktionalen Wirtschaftsressourcen herangezüchtet werden, anstatt was Anständiges zu lernen, wie soziale Werte- Dinge, welche die Gesellschaft verbessern können?

Zum Glück stellen sich immer mehr Menschen gegen diese sozialdarwinistische Wirtschaftsdiktatur, denn ganz offensichtlich verlieren immer größere Mehrheiten darin. Jede objektive Statistik belegt das. Es ist ein System der reichen Minderheit und der expansiv-kumulativen Gefälle. Deshalb kommt das System immer wieder an seinem instabilen Endpunkt an, wo sich der Wohlstand derart ungleich verteilt hat und auf einer derart kleinen Spitze staut, daß es zum Kollaps kommt- wie zuletzt vor dem zweiten Weltkrieg. Ein System, das auf Massenkaufkraft basiert, verträgt es nicht, wenn immer größere Massen immer weniger in der Tasche haben. Wohlstand/Geld ist nicht unbegrenzt, und wenn sich von etwas Begrenztem immer mehr oben staut, dann fehlt es überall sonst.

So, kein Platz mehr :)

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
24. Januar 2008 20:22

jenseits von gut und böse... oder?

Frieder Nitschke (friedernitschke)

hm. also es geht darum, was in den schulbüchern steht? dann wär der artikel von herrn theil aber kürzer geraten - oder länger, wenn er aus dem Fundus von 7 büchern mehr zitiert hätte.

darum ging es vielleicht nicht in erster linie. worum dann? gut und böse? jnnnn... nicht direkt. hat aber damit zu tun. gut und böse wird oft eingesetzt, um die frage von vorherrschaft zu klären. vgl. achse des bösen / alteuropa und länder kontinentaleuropas, die sich einer verfehlten wirtschaftsdidaktik schuldig machen (das ist auf der gut/böse-achse böse)

"Es geht keineswegs darum, die Rolle des Staates dabei zu ignorieren, das Vertrauen in Funktionieren und Fairness des Markts aufrechtzuerhalten". aha. ein bischen doppelt verneint, trotzdem klar: staat dienstleistet wirtschaft. primat der ökonomie. ok. und der staat? wird bei weitem überschätzt, scheints:

"Wenn (...) der Staat hingegen als abstraktes Wesen von Schutz, Allmacht und Vernunft, (dargestellt wird, ed.) dann besteht das Risiko, blind zu sein für die wirtschaftlichen und moralischen Vorteile des Marktes wie auch für die Fehlbarkeit von Politik und Bürokratie."

wesen von schutz, allmacht und vernunft. jep. die steuerungsgruppe gesellschaftsvertrag nannte den heinz: leviathan

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
22. Januar 2008 12:30

Kapital-Nachfrage

Oliwer Szlachetaa (szlacheta)

Kapital-Nachfrage

„Soll die Schule Wirtschaftsfreundlich sein?“
Unternehmen und Staat sind von einander getrennt, warum soll der Staat dann die nächste Generation auf Unternehmenswunsch Trimmen
Zum einen ist das ach so gute Amerikanische System mehr als löchrig
Frage
Wer hat das Automobil erfunden
USA Ford
Deutschland Benz

Was davon ist wahr?

Liegt im Auge des Betrachters.

Selbes gilt für die wichtige Kapitalismus frage

Ist es wichtiger das die Schüler alle Fusionen der letzten 20 Jahre kennen
Oder das sie richtig Lesen und Schreiben können?

Was davon ist wichtig?
Liegt im Auge des Betrachters.

Mir währe es ganz lieb wenn mein Sohn Lesen und Mathe kann…….

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
21. Januar 2008 16:28

Frage ?

Gerd Lehmann (Gerd_L)

Gibt es eigentlich den Begriff SOZIALE Marktwirtschaft noch, oder sagt man das heute nicht mehr ?

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
21. Januar 2008 12:05

Genauso ideologisch

Wolfgang Reinhart (ciceron)

So wie u. U. die zitierten Lehrbücher ein verzerrtes Bild der Wirtschaft darstellen mögen, hat der Autor ein genauso einseitig vernageltes und ideologisches Bild von Wirtschaft in Angelsachsien und Kontinentaleuropa. Das großartige freie (angelsächsische) Unternehmertum, das alle denkbaren positiven Tugenden auf sich verneint, versus den kontinentaleuropäischen Arbeitnehmerdurchschnittsversager, der faul und verantwortungsscheu ist uns sich mit minimalen Aufwand zur Rente durchhangeln will. Die Studie, dass Länder mit freier Marktwirtschaft auch glücklichere Menschen haben soll, ist. m. E. auch darauf zurückzuführen, dass es in angelsächsischen Ländern einen extremen Hang zur sozialen Schönfärberei gibt und niemand dort freiwillig öffentlich zugeben würde, dass es ihm schlecht geht. Im übrigen kann ich aus meiner Schulzeit (80er Jahre Gymnasium in Baden-Württemberg) nicht bestätigen, dass uns der Sozialismus nahe gebracht wurde. Wirtschaft war aber an sich kein großes Thema. Ich kann mich nur an meinen Lateinlehrer erinnern, der uns eingebläut hat, dass uns faulen Säcken schon die Hammelbeine langezogen werden, wenn wir erstmal ins Arbeitsleben kommen.

Weniger Ideologie auf allen Seiten täte aber not!



Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
21. Januar 2008 06:14

Die spezielle Gattung der Lehrer

franz puetz (fettomat)

Lehrer sind Leute, die nach dem Abitur die sichere, risiko- und kuendingsfreie, vom Staat bezahlte Beamtenlaufbahn waehlen und damit schon festlegen was sie bis zur ihrer Rente tun werden. Nichts gegen Lehrer, aber um ein neutrales Bild auf Unternehmertum, Gewerkschaften und Wirtschaft zu werfen sind diese wohl diese falsche Gattung Mensch.
<br>
<br>Es sollte um freie Meinungsbildung gehen, darum zum denken anzuregen. Wie kann es sein dass in einem Sozialkunde Leistungskurs bei einer anonymen Testwahl (kurz vor einer Bundestagswahl) alle bis auf einen SPD waehlen wuerden?
<br>
<br>In der Schule sollten vor allem grundlegende Zusammenhaenge diskutiert um damit als Basis eben versch. Themen zu DISKUTIEREN anstatt nur ein Bild vergekaut zu bekommen. Sonst bewegen wir uns noch weiter in eine Gesellschaft, bei denen wer arbeitet oder unternehmerisches Risiko eingeht der
<br>Dumme ist und die Menschen nur noch nach dem Staat rufen anstatt ihr Glueck selbst in die Hand zu nehmen.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
20. Januar 2008 22:43

Mittelmaß am Fließband

Michael Höckelmann (michhoec)

Es ist nicht so, dass in unseren Klassenräumen der Kapitalismus nur verdammt und täglich die Internationale gesungen würde, so wie es dieser Artikel suggeriert. Frage an den Autor: Wie wurden die Schulbuchtexte ausgewählt und sind sie repräsentativ, oder wurde nur willkürlich ausgewählt, um ein ohnehin gefestigtes Bild (angloamerikanische Einstellung zum Kapitalismus positiv, kontinentaleuropäische dagegen stinkend sozialistisch) zu bestätigen? Wie hat der (amerikanische) Geldgeber gewirkt? Ich bin in der Schule durchaus ausgewogen über Marktwirtschaft und die positiven Impulse freien Unternehmertums aufgeklärt worden.
Es lässt sich nicht von der Hand weisen: Einige der Leserkommentare bestätigen, dass der gebildete Mainstream (auch wenn man es mittlerweile fast nicht mehr hören kann, den Alt-68er-Studienrat für den Untergang des Abendlandes verantwortlich zu machen) ein Weltbild propagiert, das aus dem Wort "soziale Marktwirtschaft" die Marktwirtschaft streichen will und sozial mit sozialistisch verwechselt. Diese Form der Gehinrwäsche scheint vom deutschen Ständestaat durchaus erwünscht zu sein, denn wie erzeugte man sonst Loyalität zu einem System, welches das Individuum knebelt und Mittelmaß am Fließband erzeugt?

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
20. Januar 2008 21:58

Stellungnahme zu Torsten Klier

Josef Bosheck (spitzpassauf)

Hier geht es doch um den Inhalt von Schulbüchern über wirtschaftliche Zusammenhänge in Frankreich und Deutschland oder täusche ich mich? Von Theorien und Inhalten der verschiedenen Wirtschaftssysteme oder gar deren Auswirkungen auf die Gesellschaften ist hier doch überhaupt nicht die Rede.
Darum müssen Sie in dem Zusammenhang auch nicht den Herr Esser niedermachen, denn der argumentiert genau wie Sie, vollkommen an der Sache vorbei.
Natürlich, und das wird auch keiner bestreiten, sind die Folgen des Sozialismus für die Betroffenen desaströs gewesen, der ungehemmte Kapitalismus, wie er in den USA praktiziert wird, darf für uns in Europa kein Beispiel sein.
Was wir in Europa brauchen ist ein gesunder Mittelweg zwischen Kapitalismus und Sozialismus zum Wohle aller Bürger. Daraufhin sollten auch die Schulbücher ausgerichtet sein und darum gehts hier doch, oder täusche ich mich da ?!?!
Wir brauchen ideologiefreie Leerbücher und Lehrer !!!
Eine kleine Nachfrage: Woher nehmen Sie Ihre Kenntnisse, das in den USA noch kein Kind verhungert ist ??? Dafür würde ich bei etwa 35 Mill. Menschen die unter der Armutsgrenze leben nicht einen Cent verwetten.
Man sollte nicht über Dinge reden von denen man absolut keine Ahnung hat !!!

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
20. Januar 2008 20:11

....oh ja, so war es!!!

B. Lehmann (lemdax1)

Klasse Hr. Theil! Ihrem Beitrag ist nichts zuzufügen. Sie haben unseren damaligen SoWi-Unterricht genau wiedergegeben. Traurig, dass sich da in 10 Jahren wohl nichts geändert hat. Wer wundert sich da über unsere heutigen Debatten? Gott sei Dank bin ich auch in Australien zur Schule gegangen. Dort lernte man die Welt ein wenig neutraler und realistischer kennen. Diese Bücher gehören auf den Müll. Danke das Sie daran erinnern.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
20. Januar 2008 20:07

Mehr als dringend

Udo Steffen (steffenu)

ist diese Veröffentlichung. Und ich wünsche ihr viel Breitenwirkung, besonders auf jene Kreise, die vorgeben, gegen Vorurteile zu sein.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
20. Januar 2008 20:06

Michael Kohlhaas

Reinhold Eysel (Eysel)

"Der Verlust an wirtschaftlicher Dynamik durch fehlenden Unternehmergeist ist nicht nur greifbar, sondern auch messbar. Einer der Vorreiter dieses Themas ist Edmund Phelps, Nobelpreisträger und Wirtschaftsprofessor an der Columbia University in New York. Er hat herausgefunden, dass Umfrageergebnisse zu den Einstellungen zu Arbeit und Wirtschaft viel direkter mit Wachstum korrelieren als das, worauf sich Ökonomen normalerweise konzentrieren, wie Steuersätze oder Einfachheit einer Firmengründung. Phelps folgert, dass Einstellungen und Mentalitäten auch als Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu betrachten sind. Manche bremsen wirtschaftliche Leistung, andere ermöglichen sie."
Man gräbt sich selbst das Wasser ab....
Man "stirbt" - zumindest scheinbar - in "Gerechtigkeit".

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
20. Januar 2008 20:02

Hexenjagd

Reinhold Eysel (Eysel)

Schon merkwürdig, dass gerade diejenigen, von deren Unternehmergeist - auf die eine oder andere Art - alle leben zu einer nicht nur beneideten sondern vielfach diskreditierten Kaste zusammengefasst werden. Seöbst die, die zwar incht finanziell brillieren, sondern intellektuell werden in einer Absolutheit ausgegrenzt, diskreditiert, an die ich mich in meiner Jugend ( 50er) NICHT erinnern kann. Damals galt den ÜBERDURCHNITTLICH GUTEN noch in aller Regel Bewunderung und der Versuch, es ihnen gleich zu tun. - Das Problem ist, dass aus dem pauschalen diskreditieren von gewissen Gruppen leicht eine Hexenjagd mit inquisitorischen Zügen werden kann. So ganz weit scheienen wir davon nicht weg zu sein.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
20. Januar 2008 19:50

Stimmt

Christian Naubert (chutes_niagara)

Ich habe mein Abitur auf einem Wirtschaftsgymnasium gemacht und mir wurden dadurch auch BWL, VWL, Rechnungswesen beigebracht. Aber im Fach Ethik und Geschichte wurden genau solche Phrasen, hinsichtlich "Schuld ist der Unternehmer" etc., gedroschen. Aber dies verwundert ja nicht. Wenn man einmal die politische Einstellung von Lehramtsstudenten untersuchen würde, würde man sehr viel Rot, Dunkel-Rot und Grün zu Gesicht bekommen. (Da ich Student bin, weiß ich was ich schreibe.) Da verwundert es einen auch nicht, dass diese Ideologie auch Eingang in Lehrplänen, Lehrbüchern und Unterricht findet. Leider muss man auch immer wieder bei diesem Klientel feststellen, dass z. Bsp. Globalisierung zwar einerseits aufs äußerste verurteilt wird, andererseits Döner, französischer Käse, tschechisches Bier nicht verschmäht werden. Globalisierung halt nur dann, wenns grade passt.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
20. Januar 2008 19:39

Erstaunlich ...

Reinhold Eysel (Eysel)

... ist, wie stark in den Kommentaren zu diesem Artikel - selbst in DIESER Zeitung - Kritik an Unausweichlichkeiten wie der Globalisierung als auch GRUNDSÄTZLICHE Kritik an jedweglichem unternehmerischen Handeln immer wieder durchschlägt.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
1 - 15 von 51 Lesermeinungen
1 | 2 | 3 | 4 VorZum Ende blättern
Suche in Beitrag Lesername oder Login
Datum bis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche