Von Gerald Braunberger
13. Dezember 2007 Wenn dermaleinst ein Historiker die Geschichte des deutschen Bankwesens schreiben wird, dürfte das trübste Kapitel die Landesbanken und ihre politischen Schutzpatrone behandeln. Zwei besonders traurige Fälle sind derzeit in Dresden und in Düsseldorf zu besichtigen, aber auch andere Teilnehmer schicken sich an, eine wenig ruhmreiche Rolle zu spielen.
Die Sachsen LB ist eine kleine Landesbank, aber zugleich der größte Krisenfall. Ihre ehemalige Führung hat sich am amerikanischen Immobilienmarkt so fürchterlich spekuliert, dass die Landesregierung eine hohe Bürgschaft übernehmen muss. Ob Ministerpräsident Georg Milbradt dieses Desaster politisch übersteht, ist zweifelhaft. Eine Mitverantwortung der Politik steht außer Frage. Schließlich gehören dem Aufsichtsgremium der Landesbank mehrere Minister an.
Jaschinskis Geheimnis
Übernehmen will die völlig heruntergekommene Sachsen LB die LBBW aus Stuttgart, deren ehrgeiziger Vorstandsvorsitzender Siegfried Jaschinski davon träumt, eine zweite Großbank in Deutschland aufzubauen. Fallen bei der Sachsen LB aus den missratenen Amerika-Geschäften sehr hohe Verluste an, was nicht ausgeschlossen ist, muss auch die LBBW in Haftung treten. Das kann für sie sehr teuer werden. Der betriebswirtschaftliche Sinn einer Übernahme der Sachsen LB bleibt Jaschinskis Geheimnis.
Derweil will der der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers den seit langem zweitrangigen Finanzplatz Düsseldorf aufpolieren. Hierzu will er die herabgewirtschaftete West LB aufpäppeln, und zwar durch eine gleichrangige Fusion mit der Landesbank Hessen-Thüringen. Die Idee, ein Unternehmen mit zwei Sitzen (Frankfurt und Düsseldorf) zu bauen, dessen Führung womöglich ebenfalls paritätisch besetzt wird, kann nur Politikern kommen.
Schädlich für den Finanzplatz Deutschland
Wenn Rüttgers ein besonders abschreckendes Beispiel für eine solche Konstruktion besichtigen will, sollte er sich die EADS ansehen. Bezeichnend ist, dass die Hessen das Düsseldorfer Ansinnen nicht sofort zurückgewiesen haben. Da der hessische Ministerpräsident Roland Koch aber bereits ein Staatsweingut für eine politische Notwendigkeit hält, wird er sich kaum gegen eine Super-Landesbank stellen. Bezeichnend ist auch, dass die Ministerpräsidenten aller vier genannten Bundesländer der CDU angehören.
All das ist nicht nur traurig, sondern schädlich für den Finanzplatz Deutschland. Wer den Landesbanken, von denen mehrere heute überhaupt kein Erfolg versprechendes Geschäftsmodell besitzen, eine Zukunft geben will, muss sie privatisieren.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa