Leserbrief

Schrumpfende Bauwirtschaft

09. März 2005 Zum Kommentar "Niedergang am Bau" (F.A.Z. vom 2. Februar): Holger Steltzner beginnt richtig mit der Feststellung, die zusammengefaßt lautet, daß das Inlandsgechäft geschrumpft ist. Die Folge davon ist auch ein drastischer Abbau bei der Zahl der Beschäftigten im Baugewerbe. Die Behauptung des Autors, daß sich wegen der gleichbleibenden Zahl der Bauunternehmen erahnen ließe, "wie viele Firmen nicht mehr Stammpersonal, sondern vor allem Leiharbeiter aus Osteuropa oder anderswo beschäftigen", ist auch als Ahnung nicht logisch. Mindestens drei Ahnungen liegen meines Erachtens näher: Die Bauunternehmen haben Personal entlassen, ohne gleich das Unternehmen aufzugeben. Eine Vielzahl von Unternehmen wurde insolvent oder aufgegeben, gleichzeitig haben sich zum Sterben verurteilte Unternehmen neu gegründet. Größere Unternehmen haben sich umfangreich aufgespalten, ohne daß es zu einer Vermehrung der Bauleistung oder Neueinstellungen gekommen wäre.

Daß die Mitarbeiter von Walter Bau hoffen, daß ihre Arbeitsplätze erhalten werden, ist eine natürliche und berechtigte Hoffnung jener Mitarbeiter. Diese Hoffnung sollte von allen anderen nicht geteilt werden aus zwei Gründen: Solange die Nachfrage nach Bauleistungen nicht zunimmt, sind Arbeitsplätze, die sich als unwirtschaftlich erwiesen haben, auch unter anderer Ägide unwirtschaftlich. Der Erhalt von Arbeitsplätzen wird zum ungesunden Selbstzweck, wenn damit hypertrophe Strukturen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag aufrechterhalten werden. Wozu in mehrfacher Hinsicht falsche Hoffnungen führen können, hat das gerade von Ihrem Autor erwähnte unrühmliche Beispiel der Einmischung der Politik im Fall Holzmann vor Augen geführt: Einem Unternehmen, das eifrig zur Verschlechterung der Preise gegen betriebswirtschaftliche Vernunft beigetragen hat, wurde es ermöglicht, dies noch weiter zu treiben. Es wäre eine Untersuchung wert, inwieweit Gerhard Schröder zur Insolvenz von Walter Bau und anderen beigetragen hat. Im Ergebnis führt kein Weg daran vorbei: Die Bauwirtschaft in Deutschland ist dabei zu schrumpfen? Soll es ein Gesundschrumpfen werden? Falsche Hoffnung wäre aber kein guter Ratgeber. Es stellt sich nur noch die Frage, wieviel Geld dem noch unvernünftig hinterhergeworfen wird.

Peter Lipp, Chemnitz

Text: F.A.Z., 10.03.2005, Nr. 58 / Seite 8

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