Teure Euro: 4,50 Euro für ein Bier im Plastikbecher

Sprit, Strom, Milch

Und das soll ein fairer Preis sein ...

Ob Bier, Sprit, Strom oder Milch: Überall fordern die Menschen einen „fairen Preis“. Natürlich auch für die Arbeit - da soll ein flächendeckender Mindestlohn her. Richten soll das alles der Staat. Das kann eigentlich nur schiefgehen. Von Lisa Nienhaus

Lesermeinungen zum Beitrag

18. Juni 2008 09:22

"Minderleister"

Rudolf Ortwein (rudi.rotwein)

Jetzt ist ja gerade die Zeit, wo all die Zehntausend hochqualifizierten , hochbezahlten rausgeworfenen Investmentbanker mal als erste die Möglichkeit haben, festzustellen, wie es einem "Minderleister" so geht. Bei dem derzeitigen "Aufschwung" der Wirtschaft trifft es vielleicht bald auch andere "Großsprecher".

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17. Juni 2008 18:52

Die Unterstellungen der Umverteilungsfraktion sind schon dermaßen im

Torsten Klier (TorstenKlier)

Unterbewusstsein verwurzelt, dass kaum noch jemand auf die Idee kommt das zu hinterfragen. Kein Wunder, die Pressure-Groups konnten ja befeuert von Steuermilliarden riegengroße Propagandaapparate aufbauen. Deshalb wäre es nicht schlecht, würden wir den Propagandanebel mal zur Seite schieben, damit der Blick auf die Realität frei wird. Besonders sollten wir endlich Schluss machen mit der Vorstellung, dass niedrige Löhne das Ergebnis einer irgendwie gearteten Diskriminierung sagenumwobener Geheimbünde sei. Wenn die Friseuse sehr wenige verdient liegt´s nicht daran, dass die weltumspannende Vereinigung zur Unterdrückung der Frauen (wir Schwestern sagen dazu einfach „Patriarchat“) die Frauenarbeit „kulturell herabwürdigt“ (ein zentraler Terminus unserer Sozial“wissenschaft“) - sondern einfach am Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Und wenn der von Schülerinnen am meisten genannte Berufswunsch (in Kenntnis des niedrigen Lohnes) Friseuse ist, wird sich eben nichts ändern. So einfach ist das. Und so bei allen anderen schlecht bezahlten Tätigkeiten. Es ist keine Diskriminierung - sondern einfach das Überangebot. Und wir tun NIEMAND einen Gefallen, wenn wir durch Subventionen die Wegweiser in die falsche Richtung stellen.

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17. Juni 2008 07:26

@Herr Klier

Sascha Kaiser (thorin)

Es geht doch gar nicht darum, dass jetzt gut ausgebildete Kräfte einfache Jobs machen sollen. Es geht einfach darum, den Respekt vor Menschen zu wahren, die auch hart arbeiten, ohne eine qualifizierte Berufsausbildung zu haben. Darum, die Kassiererin an der Kasse und den Möbelpacker nicht als Minderleister anzusehen. Und sie nicht mit Untüchtigen und Sozialhilfeempfängern gleichzusetzen. Das sind Menschen, die auch jeden Tag früh aufstehen und den ganzen Tag arbeiten, obwohl sie dafür keinen großen Luxus erwarten dürfen. Aber ein wenig Respekt, der kostet nichts und sollte schon drin sein!

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15. Juni 2008 20:37

"Haben Sie mal einen von diesen "Minderleister"-Jobs gemacht?"

Torsten Klier (TorstenKlier)

Diese Frage kann ich mit einem klaren NEIN beantworten, Herr Neubert. Warum sollte ich? Ich habe einen Beruf erst gelernt dann studiert, von dem ich wusste dass er stark nachgefragt ist. Und was stark nachgefragt ist, so dachte ich mir, wird schon anständig bezahlt werden (war letztlich auch zu DDR-Zeiten so, nur nicht so geradlinig wie heute; da mussten Honorarverträge und andere Umwege gegangen werden). Warum sollte ich diesen Beruf aufgeben, um was zu tun was alle anderen auch können und was kaum noch nachgefragt (mithin schlecht bezahlt) ist? Wem wäre damit genützt? Jetzt erarbeite ich die Sozialhilfe für die Untüchtigen. Wenn ich meinen Beruf aufgebe, kriegen die nichts mehr von mir. Ist es das, was Sie wollen?

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15. Juni 2008 19:32

@Andreas Neubert

Sascha Kaiser (thorin)

Vielen Dank für diesen Kommentar, der mit Tipparbeit erspart! Ich kann das Gejammere der vermeintlichen Leistungsträger in diesem Land teilweise nicht mehr hören, die zwar gerne Möbel geliefert bekommen und im Supermarkt jemand an der Kasse antreffen wollen, aber nicht einsehen, dass diese Leute hierfür ein Entgelt bekommen wollen, dass es ihnen ermöglicht, davon zu leben. Und dass sie den Respekt erwarten, den auch Leistungsträger mit geringer beruflicher Qualifikation erwarten dürfen.

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15. Juni 2008 15:36

Briefzusteller, Reinigungskraft oder Bauer zu sein

Torsten Klier (TorstenKlier)

Herr Julius, ist kein Naturzustand (wie etwa die Hautfarbe). Das ist der Grund, warum ALLE Diskussionen um „gerechte“ oder „faire“ Löhne von Grund auf verlogen sind. Kein Briefträger wurde gezwungen Briefträger zu werden. Jeder weiß (zumindest ahnt) was ein Briefträger und eine Friseuse verdient. Wer trotzdem diese Berufe ergreift, braucht sich nicht zu beschweren. Die hätten auch studieren können und wären dann in der Lage, eine am Markt stark nachgefragte Arbeit zu verrichten. Mit dem was jeder kann, kann man nun mal nichts verdienen. So einfach ist das. Und es gibt keinen Grund, die nicht nachgefragten Tätigkeiten noch künstlich zu verteuern.

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15. Juni 2008 15:00

@Wilhelm Mehnert (kaiserwilhelm)

Andreas Neubert (Citizen_Kane)

"Statt dessen wird gefordern, dass die Leistungsfähigeren für die Minderleister in die Presche springen." Haben Sie mal einen von diesen "Minderleister"-Jobs gemacht? Nein? Acht Stunden lang Möbel schleppen? Eine Woche lang Spargel geerntet? Bei Wind und Regen Briefe verteilt? Würde ich Ihnen mal wünschen und mich fragen, ob Sie dann immer noch von "Minderleister" sprechen würden. Ein Mensch leistet nicht automatisch nichts, nur weil er eine Tätigkeit ausübt, die keine oder wenig Qualifikation verlangt. Alle diese Menschen, die Ihrer Meinung nach nichts erwirtschaften, sollten mal einen Monat nicht zur Arbeit gehen. Da dürfen Sie sich dann morgens selbst ihre Post vom Postamt holen und statt mit Bahn oder Taxi selbst zum Flughafen laufen. Unsere Wirtschaft würde still stehen. Was in unserem Land zunehmend fehlt ist der Respekt vor der Leistung anderer – und halt eben auch derer, die viel leisten auch ohne Qualifikation und ihren Anteil an unserer Wirtschaft beitragen. Wenn der gesellschaftliche Konsenz mit Meinungen wie Ihrer immer weiter aufgeweicht wird, in dem Berufsgruppen zunehmend gegeneinander ausgespielt werden, wird auch das schief gehen.

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15. Juni 2008 14:12

Es geht beim Mindestlohn nicht um Fairness …

Andreas Neubert (Citizen_Kane)

… sondern darum, der ökonomischen Realität gerecht zu werden. Arbeitskraft ist in Deutschland nun mal teurer als in vielen anderen Ländern. Damit der Arbeitnehmer von seiner Vollzeitarbeit überleben kann, muss er mindestens so viel verdienen, das er in einem Land auf deutschem Preisniveau überleben kann. Das hat nichts mit Fairness und Sozialromantik zu tun, sondern mit ökonomischen Anforderungen. Mindestlohngegner machen es sich leicht, sie argumentieren mit ökonomischen Verpflichtungen der Arbeitgeber und leugnen gleichzeitig ökonomische Verpflichtungen der Arbeitnehmer. Es wird der Teil der ökonomischen Realität herausgesucht, der in die eigene Argumentation passt. Auf einem wirklich freien Markt, würde Arbeitskraft die nicht existenzsichernd entlohnt wird, gar nicht angeboten werden können, da die betroffenen Arbeitnehmer schlicht davon nicht überleben könnten. Der Preis (Lohn) würde sich am Markt von selbst Regeln. Aber da wollen Mindestlohngegner auf wundersame Weise nichts mehr von Marktmechanismen wissen und der Staat soll zuzahlen, der sich ja sonst immer raushalten soll. Wenn er zahlt, ist er plötzlich willkommen und man hört von Marktverzerrungen kein Wort mehr.

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15. Juni 2008 14:00

Richtig beobachtet - warum nennen Sie das Kindchen nur nicht beim Namen?

Alexander Nowak (Ploy)

Die Welt hat seit 90 Jahren praktische Erfahrungen mit einem System gesammelt, in den der Staat "faire" Preise festlegt (auch in Deutschland); ein Staat hat das sogar 72 Jahre lang ausprobiert. Dieser Staat hieß Sowjetunion und ist darüber genauso in Konkurs gegangen, wie das deutsche Experiment namens DDR und alle anderen Versuche auch (auf die Begleiterscheinungen, z.B. Diktatur, Unterdückung Andersdenkender, usw. sei hier nicht näher eingegangen). Das System staatlich festgelegter "fairer "Preise heißt Sozialismus bzw. Kommunismus. Heißa! Das wollen wir nun wiederholen!

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15. Juni 2008 12:58

@ Wilhelm Mehnert

Axel Julius (EscobarManuel)

ZITAT "Der Arbeitslohn ist für viele Menschen nur zu niedrig, weil deren Qualifikationen nicht mit den modernen Anforderungen des Markes matchen, ..." Klingt populistisch wie vieles in Ihren Ausführungen und ist zudem schlicht falsch. Was nutzt beispielsweise einem Briefzusteller oder einer Reinigungskraft eine hohe Qualifikation? Wollen sie Ingenieure Briefe zustellen lassen? Die Sache mit dem Mindestlohn ist umfassender und komplizierter, als Sie es in Ihrer "ideologiefreien" Ansammlung von Stereotypen und Banalitäten weiß machen wollen. Und Ihr Ansatz entbehrt jeglicher Fairness gegenüber allen hart Arbeitenden, die ihren Lebensunterhalt damit dennoch nicht bestreiten können. Unsere Welt ist halt etwas komplexer, als Sie uns glauben machen wollen.

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15. Juni 2008 12:35

(un)faire Regulierung?

gerhard wendebourg (gwhx)

Unter anderem der ADAC stellte fest, dass ein ganz erheblicher Teil des Benzinpreises durch Spekulation bedingt ist: die funktioniert bestens am freien, unregulierten Markt. Um Versorgungsproblemen und überzogenen Preisen vorzubeugen hatten und haben diverse Staaten eine staatliche Ölgesellschaft. Die hat die Möglichkeit, von ihr gefördertes / beschafftes Öl z.b. zum Selbstkostenpreis weiterzureichen (also Deckung ihrer Kosten OHNE Gewinnaufschlag). Sie kann so im eigenen Land durch Spekulation überhöhten Preisen entgegenwirken, und damit der (Er)Drosselung ihrer Wirtschaft usw. vorbeugen. Dies tut heute nicht nur die chinesische Regierung und erhält damit ihrer Wirtschaft den Konkurrenzvorteil. Wer dies nicht will, muss leiden, bzw. wird zur Ader gelassen von den Hedge Fonds der Finanzindustrie. Das ist die zunehmend kannibalistische Logik, die im Westen Oberwasser gewonnen hat. Dass diese Logik sie befähigt, sich gegenüber den aufstrebenden Ökonomien des Ostens zu behaupten, in denen z.b. die Energiepreisvorgaben eine ganz deutliche Kontrolle erfahren, ist bisher nicht erwiesen. Daß sich die westlichen Ökonomien durch den inzwischen immanenten Kannibalismus (s. H.Boss, ATU, SAT1Pro7) selbst hinrichten, immer wahrscheinlicher.

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15. Juni 2008 11:15

Doch, doch, es gibt schon Konzepte

Torsten Klier (TorstenKlier)

für die Bezahlung der Fairness. Da wäre z.B. das gern propagierte „Ackermänner enteignen“. Das (wir ZEIT-Leser propagieren das gern) das vielgepriesene bedingungslose Grundeinkommen. Und natürlich (das funktioniert immer) die Reichensteuer.

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15. Juni 2008 07:57

Ein sehr schöner Artikel!

Sascha Kaiser (thorin)

Er beschreibt das Grundproblem sehr treffend: Die Menschen sehen durchaus Bedürfnisse und unterstützen diese innerlich, sind aber nicht bereit, hierfür Geld auszugeben. Fragt man Menschen, ob sie es besser finden, wenn Hühner in Käfigen mit der Fläche eines DIN-A4-Blattes vor sich hin vegetieren oder ob sie frei herumlaufen können und auch an die frische Luft dürfen, dann sind sich alle einig. Wenn man dann fragt, ob das Ei auch etwas mehr kosten darf als der billige 10er-Pack beim Discounter, dann wollen sie nicht einsehen, warum. Die Bio-Eier sind ja so unverschämt teuer! Fragt man, ob eine Ware lieber von einem gut ausgebildeten Facharbeiter in Deutschland gefertigt werden soll oder von einem ausgebeuteten Menschen in Taiwan oder Indien, dann werden alle Loblieder auf die hiesige Wertarbeit singen - und im Laden beim nächsten Einkauf zur Billigware greifen. Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Übrigens: Viele gehen so vor, weil sie sich die teurere Ware wirklich nicht leisten können. Weil sie selbst nämlich sehr wenig verdienen, weil ihr Arbeitgeber in Konkurrenz zu Produzenten aus Fernost steht und sich faire Löhne selbst nicht leisten kann. Ein Teufelskreis, mit dem wir unsere Arbeitsplätze ins Ausland verlagern.

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15. Juni 2008 07:19

Erfreulich klar

Reinhart Gruhn (rgruhn)

Erfreulich deutlich und klar ist dieser Artikel von Lisa Nienhaus. Ein durch den Staat festgesetzter Preis kann niemals "fair" und schon gar nicht vernünftig sein. Die DDR hats gezeigt, wo das endet. Wenn der Markt funktioniert, ist er der beste Garant für faire Preise, der die Interessen von Anbieter und Nachfrager austariert. Nur das Funktionieren des Marktes soll der Staat gewährleisten. Alles andere ist ökonomisch und darum auch sozial schädlich und nur für das gute Gefühl einer jeweils kleinen Interessengruppe hilfreich.

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15. Juni 2008 01:27

Milchpreise

Klaus Meissner (friedwilli)

Mit der pausenlosen Propaganda vom „fairen Preis“ soll dem Verbraucher das einzige Instrument aus der Hand geschlagen werden, das er hat um sich gegen überhöhte, d.h. durch den Markt nicht gerechtfertigte Preise zu wehren. Natürlich geraten die Milchbauern derzeit in die Kostenklemme duch höhere Futtergetreide- und Energiepreise. Aber wenn dann Betriebe aufgeben (müssen) führt das ja nicht zu einer einer Senkung der Produktion wie in einem normalen Markt. Die Quoten werden weiterverkauft. Trotz sinkender Zahl der Betriebe sinkt die Produktion nicht. Im Gegenteil, die EU hat die Milchquote letzes Jahr noch mal erhöht. Das Grundproblem wird nicht gelöst. Die Diskussionen um den Milchpreis werden uns erhalten bleiben. Ansonsten, wer bereit ist, mehr als den Preis für Standardmilch zu zahlen, tut das schon längst indem er Biomilch kauft (deren Produzenten sich über die Erlöse auch nicht beklagen). Von der Masse der Konsumenten von normaler Milch ist das nicht zu erwarten. Sie werden durch Preisvergleich und evtl. Kaufzurückhaltung den Wettbewerb bei Milch in Gang halten. Und das ist auch gut so.

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15. Juni 2008 00:15

der " mediale präfrontale Kontex "

Konrad Fit (Einstein-1)

Zu erkennen, welches jeweils der faire Preis, für ein Produkt, oder eine Dienstleistung ist, kann mit dem Aufstieg zum Börsenfachmann verglichen werden. Die ineinandergreifenden Rädchen bilden eine verwirrende Komplexität. Wenn z.B. landwirtschaftliche Produkte, schon auf 3 bis 5 Jahre im voraus, an wenige global operierende Handeshäuser verkauft sind, ist dies einer fairen Preisfindung wenig dienlich. Deshalb kann auch nur auf globaler Ebene, die Verarbeitung dieser Geldsummen, als legal, unmoralisch, legitim, oder strafbar eingestuft werden.

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