Prüfbericht

„Riesenprobleme“ in der Pflege

Für den Bericht wurde die Situation von mehr als 40.000 Pflegebedürftigen untersucht

Für den Bericht wurde die Situation von mehr als 40.000 Pflegebedürftigen untersucht

31. August 2007 Etwa jeder dritte pflegebedürftige alte Mensch in Deutschland wird einer neuen Untersuchung zufolge nicht richtig versorgt. 34 Prozent der Heimbewohner und 29 Prozent der alten Menschen, die zu Hause gepflegt werden, bekämen nicht genug zu essen und zu trinken, heißt es im Pflege-Prüfbericht des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS), der am Freitag in Berlin vorgestellt wurde. Pflegeheime und -dienste reagierten häufig auch dann nicht auf die Mängel, wenn die Patienten viel Gewicht verlören.

Die Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDK) beurteilten von 2004 bis 2006 in rund 8.000 Heimen und Pflegediensten den gesundheitlichen Zustand und die Pflegequalität an rund 40.000 Pflegebedürftigen. Die Vorbeugung gegen das Wundliegen wird demnach bei 35 Prozent der Heimbewohner und bei 42 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause vernachlässigt. Sie würden nicht häufig genug gedreht, richtig gebettet oder eingerieben. Die Folge können großflächige Druckgeschwüre sein.

Im Vergleich zu 2004 hat sich die Pflege verbessert

Jeder zehnte Patient im Heim und jeder Zwanzigste zu Hause leidet nachweisbar unter gravierenden Folgen der Pflegemängel, hat der MDK ermittelt. Die Menschen haben Druckgeschwüre, sind unterernährt, schlecht versorgt mit Windeln, Kathetern oder Magensonden und bekommen oft auch falsche oder zuviele Medikamente, vor allem Psychopharmaka.

Gemessen am ersten MDS-Bericht zur Pflegequalität, der 2004 veröffentlicht wurde, hat sich dennoch die Qualität der Pflege leicht verbessert. Vor drei Jahren litten 17 Prozent der Heimbewohner und neun Prozent der ambulant versorgten Alten unter den Folgen schwerer Pflegemängel.
MDS-Geschäftsführer Peter Pick räumte ein, dass der Qualitätsbericht keine genauen Aussagen zulasse. Die Quote der Heimbewohner mit Druckgeschwüren oder zu geringem Körpergewicht wird nicht ermittelt. Sie kann jeweils höher liegen als die Zehn-Prozent-Quote der Pflegebedürftigen in einem allgemein schlechten Zustand. Pick: „Wir haben keine Angaben über Druckgeschwüre oder Unterernährung.“

Teure Heime pflegen nicht besser als günstigere

Pick zufolge pflegen teure Heime nicht besser als günstigere. Man könne keinen Zusammenhang feststellen zwischen der Pflegequalität und dem Preis, den ein Heim verlange. Auch Zertifikate seien keine Garantie für gute Pflege, erklärte der Leiter der Untersuchung, Jürgen Brüggemann vom MDS. Bedauerlich sei auch, dass sich die Versorgung von altersverwirrten Patienten in den vergangenen drei Jahren nicht verbessert habe.

Der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen, Werner Gerdelmann, sagte, für eine bessere Pflege müssten deutlich mehr Heime als heute unangemeldet kontrolliert werden. Schlechte Heime müssten benannt und im Extremfall geschlossen werden können. Der Gesetzgeber solle die Einrichtungen zu einem Qualitätsmanagement verpflichten. Berichte, in denen schlecht pflegende Einrichtungen nicht öffentlich genannt werden dürften, nützten den Patienten und ihren Angehörigen wenig, so Gerdelmann.

Pick betonte, es gebe gute Heime und Pflegedienste aber auch Einrichtungen „mit gravierenden Problemen“, in denen die Gesundheit der Bewohner gefährdet sei. Entscheidend für gute Pflege sei die Organisation, die Planung und Kontrolle der Pflege sowie die Motivation der Mitarbeiter.

Text: epd
Bildmaterial: AP

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Sie möchten Zuschuss zur Ihrer neuen Brille? Vergleichen Sie jetzt online einfach und bequem verschiedene Krankenzusatzversicherungen und sparen Sie bares Geld!

Dax
Tec
Dow
Nas
16.11.2009 | 12:54
Dax 5.746,77
+1,05 %
 
        Vortag
16.11.2009 | 13:04
Name Kurs in %
DAX 5.747,29 +1,06%
TecDAX 776,11 +1,93%
MDAX 7.405,20 +1,29%
SDAX 3.537,29 +0,98%
REX 374,56 +0,17%
Eurostoxx 50 2.908,90 +0,90%
Dow Jones 10.270,50 +0,72%
Nasdaq 100 1.788,61 +0,44%
S&P500 1.093,48 +0,57%
Nikkei225 9.791,18 +0,21%
EUR/USD 1,4961 +0,28%
Rohöl Brent Crude 77,30 $ +0,39%
Gold 1.107,50 $ −0,65%
Bund Future 121,88 € +0,38%
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche