Airbus

Im Sturzflug

Von Holger Steltzner

Der A 380 wird für EADS zum Debakel

Der A 380 wird für EADS zum Debakel

Gestern noch hat Airbus in Hamburg Ingenieure gesucht. Heute fragen sich die Beschäftigten, wie sicher ihre Arbeitsplätze sind. Das hängt nicht allein vom Erfolg oder Mißerfolg des neuen Großraum-Airbus A380 ab. Darüber entscheiden auch französische, deutsche oder spanische Politiker.

Vor einem Jahr wurde in Europa der Testflug des neuen A380 gefeiert - auch als Symbol für die Innovationskraft der europäischen Industrie. Aus dem Höhenflug ist ein Sturzflug geworden, der nun sogar die Muttergesellschaft EADS gefährdet. Die Führung von Airbus und EADS wurde bereits ausgewechselt, mehrfach mußte die Auslieferung des A380 verschoben werden. Manche Kunden sind so verärgert, daß sie nicht nur Schadenersatz geltend machen, sondern sogar über den Wechsel zum amerikanischen Konkurrenten Boeing nachdenken.

Fünf Milliarden Euro kostet EADS die Verzögerung

Das Debakel wird EADS wohl mehr als fünf Milliarden Euro kosten. Deshalb muß jetzt gespart werden, auch an Personalkosten. Das ist in einem europäischen Gemeinschaftsunternehmen besonders schwierig, das seit seiner Gründung und durch seine Ausrichtung als Luftfahrt-, Raumfahrt- und Verteidigungskonzern ein politisches Unternehmen ist - was es wegen seiner militärischen Bedeutung auch bleiben wird.

Natürlich rechnet sich der logistische Aufwand einer über ganz Europa verteilten Fertigung für Airbus nicht. Aber es ist verständlich, daß Frankreich, Deutschland, Spanien und Großbritannien ihren Anteil an den Arbeitsplätzen der Produktion verlangen; schließlich ist der Erfolg von Airbus nur durch Subventionen der beteiligten Länder möglich geworden. Wenn aber der nationale Proporz die Sanierung von Airbus verhindern würde, dann wäre niemandem gedient, am wenigsten den Mitarbeitern, die um ihre Arbeitsplätze bangen.

Es ist eine unternehmerische Entscheidung, wo gespart werden muß und welche Produktionslinien zusammengelegt werden sollten. Im großen Produktionsverbund von Airbus dürfte es genügend Spielraum geben, um auf politische Standortwünsche Rücksicht zu nehmen. Wichtiger als die nicht nur prestigeträchtige Frage einer deutschen Beteiligung an EADS oder der Endmontage des A380 in Hamburg ist für Airbus, ob noch genug Geld für die Entwicklung neuer Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge da ist.

Text: F.A.Z., 05.10.2006, Nr. 231 / Seite 1
Bildmaterial: AP, F.A.Z.

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