FAZ.NET-Spezial

Energiestrategie: Besser hart

Spezial Es wäre zu wünschen, dass sich die EU-Mitgliedstaaten mit dem „harten“ Kommissionsvorschlag der Entflechtung der Energieriesen anfreunden. Zu dieser wettbewerbspolitischen Ultima Ratio wird es aber vermutlich gar nicht erst kommen.

Lesermeinungen zum Beitrag

16. Januar 2007 08:07

Rabatte durch Nutzungseffizienznachweise

Frank Kalder (Frank_Kalder)

Der Unterschied zwischen der ’Strom- und Gasbranche’ und dem Mobilfunkmarkt (z.B. Preissenkungen bei Vodafone nach der Mannesmannübernahme) liegt wohl darin, dass es sich bei der Energieabhängigkeit um ein überlebensnotwendiges nationales Interesse auf der Basis eines ’natürlichen Netzmonopols’ handelt, während die Mobilfunkszene mit ihrer Fun-Relevanz, gekoppelt mit einem kommerziellen Zusatznutzen, eine Vielfalt an Anbietern aufweist, die untereinander in Konkurrenz stehen.

Ich sehe keinen Sinn darin, die Strom- und Gasvertriebsnetze in eine nationale Agentur mit regionalen Subsystemen (nach quasi behördlicher Aufblähungsart) zu überführen. Vielmehr sollte insbesondere ein System geschaffen werden, wonach die privaten wie kommerziellen Verbraucher durch Nutzungseffizienznachweise Rabatte bekommen können. Hierzu ist noch ein hohes Maß an technologischer Vorleistung erforderlich. Es ist daher geboten, eine solche Entwicklung ’staatlich forschungsgefördert’ unter zu verordnender Kostenbeteiligung der Energiekonzerne voranzubringen.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
11. Januar 2007 13:29

Energiestrategie: Besser hart

Oliver Smith (mista_schmitt)

Also wenn die Transformation eines natürlichen Monopols in ein künstlich geschaffenes Monopol der erhoffte Heilsbringer ist, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Sollte eine bundesweit einheitliche Netzgesellschaft (Vorbild Großbritannien: "National Grid") die Bewirtschaftung der Transport- und Verteilnetze übernehmen, so schafft man eine Dinosaurierbehörde, die eben nichts anderes machen wird, als ihre eigene Ineffizienz durch überhöhte Netzentgelte zu kaschieren.Viel sinnvoller ist es daher, den von der Bundesnetzagentur beschriebenen Weg über eine kostenunabhängige Anreizregulierung zu gehen. So wird nämlich ein Wettbewerb im natürlichen Monopol geschaffen. Nur, dies ist nicht von heute auf morgen realisierbar. Nicht vergessen darf man auch, dass die Netzentgelte bereits jetzt durch die BNetzA geprüft und genehmigt werden. Der wirkliche Grund der hohen Energiepreise ist ein rein marktwirtschaftlicher: Energie ist knapp und Nachfrage und Angebot bestimmen nunmal den Preis! Zu den Vorrednern: Warum keine Globalisierung in der En-Wirtschaft? Seit 2000 (Übernahme von Mannesmann durch Vodafone) sind die Mobilfunkpreise kräftig gefallen!

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
10. Januar 2007 23:23

Besser hart

Harald Borbe (harald.borbe)

Wünschenswert ist doch Infrastruktur und "Produkte" sei es nun Strom, Telekommunikation, Gas, Wasser, Verkehr (z.B. Bahn) etc. zu trennen. Wer über die Infrastrukturnetze verfügt kann die Preise der Nutzung bestimmen.
So entsteht doch kein fairer Wettbewerb oder weshalb brauchen wir wohl für alles neue Behörden oder moderner ausgedrückt Agenturen, die wiederum zusätzliche Kosten erzeugen. Oder warum wehren sich wohl die Konzerne, die über Produkt und Infrastruktur verfügen gegen eine Abtrennung? - Argumente wie Betriebssicherheit und ähnliches sind doch eher fadenscheinig.

Entflechtung von Produkt und Infrastruktur sind der reichtige Weg zu mehr Wettbewerb ohne staatliche Regulierung.

Dr. Harald Borbe, Mainz

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
10. Januar 2007 20:34

Trennung von Netz und Produkt auf welcher Ebene?

Jürgen Meyer (uk21632V)

Mag die Trennung von Netz und Produkt, das durch das Netz vertrieben wird, zu einer Steigerung des Wettbewerbs auf dem Markt führen, dann ist zu fragen, wie es durchgesetzt werden soll. Was hat die deutsche Wirtschaft davon, wenn unsere Energie-Riesen zerteilt werden und eine russische Gasprom direkt oder über Zwischengesellschaften wieder die Gesamtherrschaft über Produkt und Netz erlangt?

Es ist nicht damit getan, einen wünschenswerten Zustand zu beschreiben, sondern es ist auch notwendig, das Gleichgewicht dieses Zustandes zu sichern und drittens den Weg dorthin zu beschreiben. Und mit diesen 3 ist man wahrscheinlich noch nicht über alle Hürden hinweg.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
10. Januar 2007 19:13

Enteignung als Schutz gegen Diebstahl

Bernhard Sporkmann (bsfaz)

Wenn die Vertreter der Energiekonzerne von Enteignung sprechen, dann müssen sie sich den Vorwurf des Diebstahls gefallen lassen. Die Verbraucher sind auf Energie angewiesen und werden schamlos ausgenommen.
Der Hinweis auf kartellrechtlich zweifelhafte Fusionen ist richtig. Es fehlen bloß die Namen wie Müller und Tacke. Es sei daran erinnert, daß diese Leute, als sie hohe Ämter bekleideten, gegen den Beschluß des Kartellamts eine Fusion möglich gemacht haben, aus der einer dieser Riesenkonzerne hervorging. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt bekamen sie dann - erstmals oder wieder - hohe Posten bei eben diesem Konzern. Das ist skandalös.
Infrastrukturen dürfen nicht von wenigen kontrolliert werden, nicht bei der Energie, nicht im Verkehr und nicht in der Telekommunikation.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
10. Januar 2007 19:06

Weitgehend Unsinn!

Mark Mühlbradt (muehlbradt7)

Warum sollte eine Gesellschaft, die ihre Gewinne ausschließlich aus der Netzvermietung erzielt,
dafür geringere Entgelte verlangen als ein integriertes
Energieunternehmen? Sie wird natürlich die Preise soweit
erhöhen wie irgend möglich! Zudem bleibt es dabei, daß in einer Region nur ein Gasnetz und ein Stromnetz bestehen, durch die alle Anbieter ihre Produkte leiten. Eine Netzagentur, die die Preiskalkulationen kontrolliert, ist also auch dann nötig. Und, bei allem verständlichen E-konzerne-Klatschen: sie sind es, die in über 100 Jahren die größte Kompetenz in Netzaufbau u. -betrieb erworben haben. Naiver Kinderglaube ist die Hoffnung auf neue kleinere Anbieter auf einem deutschen Markt (Wie seinerzeit im Mobilfunkmarkt. Die ehemaligen deutschen Anbieter O2, Eplus, mannesmann sind heute Vertriebskanäle ausländischer Großkonzerne). Wir haben einen globalen Markt. Werden die deutschen E-konzerne zerschlagen, werden ihre Einzelteile von internationalen Großkonzernen (z.T. Staatskonzernen wie Gazprom u. EdF (ohnehin schon größter Aktionär von EnBW)) gekauft und auf Vertriebsgesellschaften für z.B. russisches Gas und französischen Atomstrom reduziert. Und kommt man dann mit Preisvorschriften, wird man Tränen ernten - vor Lachen!

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
10. Januar 2007 17:51

Absolut korrekte Darstellung des Sachverhaltes

Martin Hahn (mhh3)

Gratuliere Herr Mussler, Ihre Darstellung der Sachlage ist korrekt und jeder Energiekunde wird Ihnen zustimmen. Nun hat aber zunächst die Energielobby das Wort. Ob hier wohl wieder Eintrittskarten zur Fußball-WM helfen?

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
1 - 7 von 7 Lesermeinungen
Suche in Beitrag Lesername oder Login
Datum bis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche