FAZ.NET-Spezial: Energiesparen

Was kann ich fürs Klima tun?

Von Dyrk Scherff und Patrick Bernau

12. März 2007 Wir geben ganz schön viel Geld aus, um klimafreundlicher zu werden: Unsere Politiker sorgen dafür, dass Kohlekraftwerke durch Windräder und Solarzellen ersetzt werden. Der einzelne Bürger steht den Politikern nicht nach: Einige zahlen nach jedem Flug zum CO2-Ausgleich an spezialisierte Unternehmen, die damit irgendwo auf der Welt ein klimafreundliches Projekt finanzieren.

Dabei ginge Klimaschutz auch viel billiger, indem man die Energie erst gar nicht verbraucht. Doch was die Politik bisher gemacht hat, reicht offenbar nicht aus. Ökosteuer hin oder her - wer hat zu Hause schon die Heizung heruntergedreht, um Öl zu sparen? Experten glauben, dass die Anreize in manchen Fällen eigentlich jetzt schon groß genug sind, aber die Verbraucher zu wenig darüber wissen, welche Wohnungen und Geräte Energie sparen. In anderen Fällen reicht das noch nicht. Dort sollten die Preise steigen, zum Beispiel durch Steuern oder Zertifikate. Ökonomen sind überzeugt von Mechanismen, die soziale Kosten in die Preise integrieren. Das Geld ist dann für die Verbraucher nicht verloren, denn der Staat kann andere Steuern senken.

Keiner weiß, ob Solarzellen und Windräder gut sind

Nur eines sollte der Staat lassen: einzelne Energien zu fördern. Denn damit verhindert er einen fairen Wettbewerb darum, was die richtige Energie der Zukunft ist. Keiner weiß, ob Solarzellen und Windräder auf Dauer wirklich so gut sind, wie wir jetzt denken. Ihre Chancen haben sie trotzdem: Wenn der Energiepreis steigt, sind sie im relativ gesehen weniger teuer.

Ein wichtiges Feld sind zum Beispiel die Heizungen: Warme Wohnungen sorgen allein für zehn Prozent des deutschen CO2-Ausstoßes und rund 80 Prozent des Energieverbrauchs im Haus. Da wäre es ziemlich wirksam, die Häuser besser zu isolieren. Bisher ermuntert der Staat die Eigentümer dazu mit günstigen Krediten. Doch für Vermieter lohnt sich die Sanierung trotzdem nicht immer. Denn der Vermieter muss zwar den Umbau bezahlen, die Einsparungen hat aber erst mal der Mieter. Nicht immer kann der Vermieter dann die Kaltmiete so erhöhen, dass er auch wieder auf seine Kosten kommt. Einfacher werden soll das mit einem „Energiepass“, der zukünftigen Mietern den Energiebedarf des Hauses nennt. So können sie die sparsamen Häuser einfacher erkennen. In vielen Mietshäusern könnte aber wahrscheinlich schon Energie gespart werden, wenn die Heizkosten nach Verbrauch abgerechnet würden.

Sparen beim Strom und im Verkehr

Auch Strom zu sparen, hilft dem Klima. Jeder kennt die Aufkleber auf den Waschmaschinen, die zeigen, wie viel Energie die Maschine braucht. Früher standen da oft schlechte Werte, inzwischen nicht mehr. Das hat gewirkt. Doch nach dem Kauf tun die Haushalte noch wenig fürs Energiesparen, wie Michael Bartels vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Uni Köln beobachtet hat. Die Aussicht sei zu schwach, dass die Regierung den Preis auf Dauer hoch halte. Das genau müsse sie aber tun, damit die Menschen sich darauf einstellen und danach einkaufen können. Die Regierung versuche aber öfter eher, den Preis zu senken. Darum gilt: besser nicht eingreifen, wenn der Strompreis steigt. Das könnte 2008 passieren, wenn die Stromversorger weniger CO2-Zertifikate erhalten.

Auch im Verkehr muss die Politik den größten Energieverbrauchern wehtun. Die richtige Idee sei schon auf dem Markt, findet Umweltexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung: die Kfz-Steuer vom Schadstoffausstoß abhängig zu machen. Und zwar so, dass sie im Durchschnitt teurer wird. Im Gegenzug sinkt die Mineralölsteuer. Dann kann man der Ökosteuer nicht mehr entgehen, indem man hinter der Grenze tankt. Und was ist mit den Leuten, die sich nur alte, stinkende Autos leisten können? Die müssen zahlen, damit die alten Autos verschwinden. Auch wer Flüge zurückdrängen will, wird Steuern oder CO2-Zertifikate verlangen müssen. Die Zahlung muss verpflichtend sein. Und es müssen viele Länder zusammen anfangen. Denn sonst kann schon das Umsteigen in Moskau die Besteuerung aus der EU aushebeln.



Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.03.2007, Nr. 10 / Seite 56
Bildmaterial: F.A.Z.

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