Finanzkrise

Ackermann unter Beschuss

Mit seinem Ruf nach dem Staat hat Josef Ackermann eine Debatte losgetreten. Bundesbankpräsident Axel Weber übt scharfe Kritik: Die Banken seien selbst gefordert. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück verspricht unterdessen: Die Krise werde den Bundeshaushalt nicht aus der Balance bringen.

Lesermeinungen zum Beitrag

26. März 2008 08:41

@ Freund Rabe

Steve Lutzmann (TomderAffe)

Wieso tendieren Märkte denn nicht von allein dahin? Nehmen Sie doch mal den Lebensmittelmarkt. Der ist quasi frei von staatlichen Einflüssen. Von dieser Situation profitieren Sie als Marktteilnehmer ganz gewaltig. Alle Staaten, die irgendwie den Markt kontrollieren wollten, müssen mit deutlich weniger breitem Angebot leben und zu deutlich höheren Preisen.

Was wollen Sie denn nur mit Ihrem Regelkreis? Das ist ein kleiner Teil einer Maschine, der eine vordefinierte Funktion erfüllen soll. Das ist überhaupt nicht vergleichbar! Sie degradieren Menschen zu Maschinenteilen. Ich finde das menschenverachtend. *heul*

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26. März 2008 08:40

@ Genosse Binsack

Steve Lutzmann (TomderAffe)

Sind Sie das etwa nicht Binsack? Auf Ihrer privaten Homepage sieht das aber anders aus. Ich empfinde es im übrigen als Frechheit, dass Sie während Ihrer Arbeitszeit, und damit von den Steuergeldern der bösen bösen Kapitalisten, Ihren ideologischen Bullshit verbreiten.

Was haben Sie denn eigentlich mit Ackermann? Die D-Bank ist doch hier mit einem blauen Auge davon gekommen! Ackermann ist einmal recht wenig vorzuwerfen. Aber: einmal Feindbild, immer Feindbild! Ihre "vorausschauenden" Wertberichtigungen funktionieren leider nicht ganz so einfach; es gibt Rechnungslegungsvorschriften. Die Steuerbehörden wären die allerersten, die laut schreien würden, wenn jemand seine Handelsbestände "vorausschauend Berichtigen" würden. Also hören Sie bitte auf mit Ihrer Amtsidylle!

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20. März 2008 20:17

Eugen Roth

Hans H Niller (Niller)

Ein Mensch wollt immer recht behalten:
So kam´s vom Haar- zum Schädelspalten!

Frohe Ostern

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20. März 2008 19:48

Vorausschauende Wertberichtigungen!

Herold Binsack (Devin08)

@Lutzmann: Beleidigungen sind keine Argumente,zumal sie auch noch falsch sind.Ich bin weder Beamter noch allwissend,allerdings habe ich das Geschehen um die Immobilienblase ziemlich aufmerksam verfolgt,aufgeschreckt durch Greenspans apokalyptisch anmutende Äußerung vor Jahren (!),dass das Platzen dieser Blase einem 3. Weltkrieg gleichkäme.Ich denke,dass Herr Ackermann mindestens so aufmerksam wie ich dieses Geschehen verfolgt hat.Aber während Ackermann so getan hat,als wäre da nichts,worauf man gesondert zu achten hätte - und das im gewissen Umfang auch heute noch so tut -,mache ich mir große Sorgen.Es sind die Spielchen dieser Ackermänner,die die Welt nun in einem nie gekannten Ausmaß gefährden.Es ist das System – keine Frage -,aber diese Ackermänner sind dessen Agenten und Nutznießer,denn sie verfügen über die Macht,die Beziehungen und das Geld um die Nase immer eine Länge voraus zu haben.Das macht sie so gefährlich,weil sie diese Nasenlänge nicht zum Wohle der Menschheit,sondern zu ihrem eigenen Nutzen einsetzen.Dass vorausschauende Wertberichtigung durchaus seriös sein kann und mit Beamtenmentalität nichts zu tun hat und dabei noch sehr pfiffig,zeigt das durch den Mord an Herrhausen gestoppte Projekt des „Schuldenmoratoriums."

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20. März 2008 17:16

@Herrn Lutzmann - Finanzinnovationen

Paul Rabe (heidelpaul)

Wenn Märkte sich mit geringen Ausschlägen um Gleichgewichtspreise herum bewegen, dann verhalten sie sich wie gut austarierte Regelkreise im Normbereich und alles ist in Ordnung.
Dann bildet sie wirklich einen Preis ab der in Beziehung zu realen Werten steht. Aber dahin tendieren Märkte eben nicht von selber sondern nur unter strenger Aufsicht, also wenn der Staat die Rahmenbedingungen kontrolliert oder um es technisch auszudrücken die Parameter richtig einstellt.

Wie man an der zunehmenden Volatilität der Märkte sieht sind diese Regelkreise nicht mehr unter Kontrolle. Die stark schwanken Werte in der virtuellen Welt der elektronischen Börsen haben sich von der tatsächlichen Welt entkoppelt, die Regelkreise entarten.
Der Preis für einen Rohstoff, eine Aktie oder einen Kredit werden nicht mehr von der realen Welt und deren Nachfrage-Angebots Relationen bestimmt sondern von den immer schneller oszillierenden Zyklen der virtuellen Welt und deren 'Finanzinnovationen'.

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20. März 2008 13:51

@ Freund Rabe

Steve Lutzmann (TomderAffe)

Rabe, worauf wollen Sie am Ende hinaus??? Ich habe bereits mehrfach erwähnt, dass die Momentaufnahme des Marktes nie ein Gleichgewicht hergibt. Das Pendel schlägt immer in eine gewisse Richtung aus. Also das, was Sie Instabilität nennen. Gerade diese Instabilität ist es gerade, die für Fortschritt sorgt. Nehmen Sie einen Markt für Tomaten. Ohne grössere Einflüsse pendelt sich ungefähr ein Gleichgewicht ein (faktisch wird es wohl immer eine leichte Ueberproduktion geben). Dann kommt ein Biobauer mit Biotomaten, sorgt damit für gewaltige Instabilität auf dem Markt. Kunden wechseln zu ihm, andere Tomatenbauern gehen deswegen pleite. Genau diese Instabiltät ist die Dynamik des Marktes. In der langfristigen Perspektive ergibt sich dennoch ein weitestgehendes Marktgleichgewicht. Machen Sie sich doch einfach kurz die Mühe und schlagen in Ihren VWL-Schinken das Stichwort: "Vollkommener Markt" nach.

Märkte sind auch nicht preisstabil. Können Sie auch gar nicht. Ich habe zuvor erwähnt, dass diese der optimalen Ressourcenallokation dienen. Wenn jemand für ein Produkt x bereit ist mehr zu zahlen, dann wird zwangsläufig der Marktpreis steigen.

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20. März 2008 13:50

Wozu dieser Luxus?

Herold Binsack (Devin08)

@Rabe: Ihr Vergleich mit dem Regelwerk einer hochkomplexen Maschine ist ein guter Beleg dafür, warum die Marktwirtschaft schlechthin, also nicht nur die kapitalistische, allein aus diesem Grund schon obsolet ist, zumal sie durch die „Finanzindustrie“ noch um ein paar Grad weiter in Richtung Unberechenbarkeit verzerrt worden ist. Und der Verlass auf die Krisen, als eingebauter Mechanismus zur Selbstregulation, ist somit nicht nur zynisch ob des damit verbundenen Leides der Menschen, sondern auch schon aus theoretischer Sicht eine falsche Annahme: Es kann nicht (mehr) funktionieren, was von vorneherein schon auf Fehlfunktion angelegt ist. Und angesichts der Not von Millionen, wenn nicht gar Milliarden von Menschen, kann auch nicht mehr behauptet werden, dass dieses System, das auf der Marktwirtschaft und damit auf dem Eigentum an Produktionsmitteln in privater Hand beruht, im Regelfall wenigstens die Versorgung sicherstellt, denn erstens: was ist der Regelfall, wenn die Abstände zwischen den Krisen immer kürzer werden und zweitens, wodurch zeichnet sich dieser Regelfall denn aus, wenn er, mal angenommen der nicht Krisenfall wäre, auch dann nicht die Bedürfnisse der Massen der Menschen auf diesem Globus auch nur annähernd befriedigt?

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20. März 2008 13:42

@ Freund Binsack

Steve Lutzmann (TomderAffe)

Natürlich sind Steuergelder für die Rettung von Staats(!!!!)banken geflossen. SachsenLB, WestLB, IKB (Hauptaktionär KfW). Wir diskutieren hier aber über den MARKT, diese Banken mögen zwar Marktteilnehmer sein, verzerren aber aufgrund ihrer Refinanzierung den eigentlichen Wettbewerb. Ich habe die "Sozialisierung der Verluste" ganz bewusst in Anführungszeichen angeführt - dabei handelt es sich um eine rein populistische Floskel.

Wenn Sie feststellen, dass es die Verluste bald geben würde: wieso hat die Stadt FFM, in voraussschauender Weisheit, denn nicht gleich ein Teil des Geldes als Rücklagen, für die -nach Ihrer Auffassung- erwarteten Verluste. Das sowas Auswirkungen auf die Steuereinnahmen hat, ist bekannt. Gewinne können nicht mässig "verteilt" werden, weil Gewinne nicht regelmässig fliessen. Sie outen sich hier als Beamter, der jeden Monat sein Geld bekommt, egal was passiert. Zum Wirtschaften gehören Höhen und Tiefen. Die Bewertungen von Positionen erfolgt in aller Regel zum Marktpreis, Herr Dr. Ackermann ist zu einer FAIREN (also zum Marktpreis) Bewertung seiner Positionen verpflichtet.

Sie tun hier absolut allwissend, geradezu wahrsagerhaft. Einer, der es immer gewusst hat. Künstliche Empörung, das ist alles. Heil Lafontaine!

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20. März 2008 12:36

@ Herrn Lutzmann: Instabilität ist nicht die Ausnahme sondern die Regel

Paul Rabe (heidelpaul)

Sie haben völlig recht damit wenn Sie feststellen, daß Märkte sehr komplexe und kaum zu überblickende Gebilde sind.
Aber grade deshalb ist ja die Annahme, daß diese stets stabil seien kaum nachvollziehbar.

Denn nicht die Stabilität sondern eben die INSTABILITÄT ist die Regel und nicht etwa die Ausnahme wenn wir dynamische Systeme betrachten.

Wenn sie die Parameter eines komplexen dynamischen Systems zufällig wählen, dann wäre Stabilität ein unglaublicher Zufallstreffer und Instabilität die Regel.

Wieso sollte also solch ein chaotischer und hochkomplexer Regelkreis wie der Weltmarkt stabil sein ?

Offensichtlich ist er es auch nicht, was man an den immer stärker schwankenden Börsen auch sieht. Die in den letzten Jahrzehnten stark wachsende Volatilität nahezu aller Märkte (Rohstoffe, Aktien, Immobilien, Anleihen etc.) zeigt dies sehr deutlich.

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20. März 2008 11:58

Sozialisierung nicht nur der Verluste!

Herold Binsack (Devin08)

@Lutzmann: Nicht weil Steuereinnahmen fehlen, wird hier von der Sozialisierung der Verluste gesprochen, sondern weil die in die Verlustzone geratenen Unternehmen die Steuereinnahmen (zusätzlich) zu verfressen wünschen. Sind denn die Abermilliarden Euro, die zur Stützung der bankrotten Banken ausgeschüttet wurden, etwa keine Steuereinnahmen? Außerdem sagen Sie es doch selbst, dass die Regierungen zu Recht die Sozialisierung der Verluste befürchten!? Also wofür sind die Prügel für Herrn Reichelt? Dass in Frankfurt am Main in diesem Jahr die Steuereinnahmen sehr wahrscheinlich stark zurück gehen werden, hat sicherlich nichts mit der „Sozialisierung der Verluste“ zu tun, aber mit dem vordergründigen Verhalten der Banken, noch einmal schnell die Gewinne heimzubringen, wo doch schon absehbar war, was da für eine Verlustkatastrophe in Bälde auf sie zu kommt. Es wäre angemessener gewesen, die Gewinne mäßig zu verteilen und stattdessen höhere Wertberichtigungen vorzubereiten. Soll mir keiner sagen, dass Herr Ackermann in den Jahren 2006-2007 nicht gewusst haben will, was da 2007-2008 auf die Banken zukommt – auch auf ihn, da bin ich sicher! - Aber das wäre auch für die Große Koalition (Stichwort: "Aufschwung“) nicht so förderlich gewesen!

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20. März 2008 11:34

@ Paul Rabe II

Steve Lutzmann (TomderAffe)


Sie mit Ihrem Regelkreis. Sie können das auch auf einem theoretischen Markt wunderbar berechnen. Nur ist der Markt nicht einfach eine Maschine, die weitestgehend übersichtlich ist. Der Markt ist durch seine schiere Grösse schlicht unübersichtlich und jede Berechnung stützt sich da ganz allein auf Modellannahmen, die ganz zwangsläufig vom wirklichen Markt abweichen.

Wie funktioniert für Sie denn der Markt? Wenn er wie eine Maschine läuft und die immer gleiche Bewegung ausführt? Sorry, aber da verstehen Sie was gänzlich falsch. Ach ja: auch Rezessionen gehören zum Markt! Genauso wie auch Wachstum zum Markt gehört. Vielleicht lesen Sie Ihre Ausführungen zum Schweinezyklus noch einmal nach.

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20. März 2008 11:33

@ Paul Rabe I

Steve Lutzmann (TomderAffe)

Herr Rabe, Sie müssten um die Funktionsweise des Marktes beurteilen zu können, vielleicht erst einmal festlegen, was denn die Aufgabe des Marktes ist. Die Funktion des Marktes besteht ganz allein in der optimalen Ressourcenallokation. Optimal hat hier keinerlei wertenden Inhalt im Sinne von "gerecht" oder "sozialer Gerechtigkeit" oder was auch immer. Sie orientieren sich mit Ihren Ausführungen die ganze Zeit am vollkommenen Markt, ein rein theoretisches Modell, das allein Erklärungswert.
Wo funktioniert denn der Markt Ihrer Ansicht nach nicht? Wir haben im Moment ein Produkt (Hypotheken) und es ist im Moment keiner bereit, die Hypotheken zum Buchwert zu kaufen. Da macht Bewertungskorrekturen notwendig. Punkt. Ein Supermarkt, der kurz vor Ladenschluss das Obst reduziert macht NICHTS(!!!) anderes.

Was Sie da mit ihrem Realeinkommen wollen, weiss ich nicht. Sie mischen da wild durcheinander. Nach dem Motto: endlich haben wir einen Schuldigen für alles schlechte dieser Welt: die Banken. Bravo, Deutschland hat ein neues Feindbild.

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20. März 2008 10:29

@ Wolfgang Reichelt und Sozialisierung der Verluste

Steve Lutzmann (TomderAffe)

Mit welcher Berechtigung erhält ein Banker einen Bonus? Weil es die Aktionäre, als Eigentümer so wollen. Punkt! Ob Sie das als "gerecht" ansehen oder nicht ist völlig irrelevant. Das ist allein eine Entscheidung der Eigentümer des Unternehmens. Ob Sie Ihren Kindern 1000 Euro oder 0 Euro Taschengeld geben, geht hier ebenso wenig irgend jemanden etwas an. Von einem Recht gegenüber der "Allgemeinheit" zu sprechen, ist reichlich unverfroren. Private Angelegenheiten der Aktionäre, gehen die Allgemeinheit per Definition nichts an. Wir sind noch (!) nicht in einem Kollektivstaat a la DDR, wo Abweichungen vom Plan öffentlich geächtet werden können.

Den nervigen Ausführungen zur Sozialisierung der Verluste, weil Steuereinahmen fehlen, und der Privatisierung der Gewinne, kann aus strenger Logik nicht gefolgt werden. Die Gewinne werden ja gerade durch Steuern "sozialisiert", Verluste tragen hingegen die Eigentümer, die werden also privatisiert. Und nicht umgedreht. Der Staat beteiligt sich bei Unternehmen noch nicht an den Verlusten!
Ganz nebenbei: ein Schwanken von Gewinn und Verlust gehört zum Wirtschaftsprozess dazu. Die Politik befürchtet hier aber zurecht die "Sozialisierung de Verluste", hat man doch schon wieder ganz fleissig an der Umverteilung dieser noch nicht entstandenen Gewinne gearbeitet.

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20. März 2008 09:54

@Herrn Hoch - der Markt funktiniert nicht

Paul Rabe (heidelpaul)

Was bedeutet es, wenn sie sagen ein Markt 'funktioniert' ? Es sollte wohl bedeuten, daß die Ergebnisse des Marktes den Gesamt-Wohlstand der Menschen mehren, denn wozu sonst wären Märkte wohl gut ?

Aber genau dieses Kriterium für ein 'funktionieren' scheinen die Märkte momentan nicht mehr zu erfüllen. Viele Menschen haben seit Jahren keinen Real-Einkommens Gewinn mehr, grade in den USA wo der Staat die Auswirkung der Märkte weniger mindert als in Europa. Nichtmal zu einer Krankenversicherung konnten die Märkte Millionen Menschen da verhelfen
Dort führen diese freien Märkte momentan direkt in eine Rezession, was man wohl kaum als 'funktionieren' bezeichnen kann, denn damit sind mit Sicherheit weitere Einkommensverluste verbunden.

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20. März 2008 09:47

@Herrn Lutzmann - die Ideologie der fehlerfreien Märkte

Paul Rabe (heidelpaul)

Die Ideologie der stets funktionierenden Märkte beruht auf der Annahme, daß aus der Aggregation individuell optimierender Einzelakteure auch ein Gesamtoptimum entstehen würde.
Aber das ist eben falsch und gilt nur unter sehr engen Bedingungen. Jeder Volkswirtschaftsstudent im ersten Semester lernt z.B. den "Schweinezyklus" (auch als Coweb-Theorem bekannt).
Dieser beschreibt die Tatsache, daß lange Zeit die Preise auf Schweinemärkten nie zu einem Gleichgewichtszustand kamen. Wenn der Preis hoch war dann fingen Bauern an Ferkel aufzuziehen und nachdem diese alle groß waren viel der Schweinepreis, die Bauern stellten die Ferkelaufzucht wieder ein, der Preis viel wieder.
Es stellte sich nie ein Gleichgewichtspreis ein sondern ein zyklischer Wechsel, weil in diesem Markt-Regelkreis die Zeitspanne der Ferkelaufzucht zwischen Angebot und Nachfrage lag die verhinderte, daß der Markt zu einem Gleichgewicht tendiert. Ein Ingenieur kann mit Hilfe der Differentialrechnung leicht zeigen wann ein solcher Regelkreis entartet, die Schwingungen also sehr groß werden.
Heutige Marktregelkreise entarten sehr schnell, weil Transaktionen in Computern der Banken ablaufen und in wesentlich kürzerer Zeit anfangen gefährlich zu schwingen.

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