EU knöpft sich Billigflieger vor

Mit Lockangeboten soll jetzt Schluss sein

Von Hajo Friedrich, Straßburg

09. Juli 2008 Die Fluggäste in Europa sollen die Preise für Flugtickets besser vergleichen können. Bei der Buchung im Reisebüro oder über das Internet müssen sie künftig über den Endpreis eines Flugs informiert werden. Hinzu kommen muss eine vollständige Aufschlüsselung des Flugpreises, der Steuern, der Flughafengebühren und der sonstigen Gebühren, Zuschläge und Entgelte. Eine entsprechende EU-Verordnung hat das Europäische Parlament am Mittwoch in Straßburg mit großer Mehrheit in zweiter und damit letzter Lesung beschlossen.

Die Fluggesellschaften dürfen demnach nicht mehr mit einem Flugpreis von wenigen Euro werben, ohne die zusätzlichen Kosten anzugeben. Bisher werden die Verbraucher beim Buchen oft überrascht, dass der Preis viel höher ist als in der Werbung angegeben.

Beschluss soll Klarheit schaffen

„Die Trickserei mit Lockangeboten muss ein Ende haben. Mit aberwitzigen Nettopreisen werden die Verbraucher in die Irre geführt, wenn dann noch ein Vielfaches an Steuern und Gebühren dazukommt“, sagte die Europaabgeordnete Elisabeth Jeggle (CDU). Es müsse für den Verbraucher klar erkennbar sein, „welcher Anteil des Flugpreises an den Staat geht und welchen Anteil die Airline und der Flughafen einsacken“, sagte der CDU-Europaabgeordnete Georg Jarzembowski.

Das Regelwerk verpflichtet die Fluganbieter auch, freiwillige Zusatzkosten, wie etwa Reiseversicherungen, eindeutig auszuweisen. „Paket-Angebote“ im Internet, die solche Angebote automatisch einfügen, sollen nicht mehr erlaubt sein. Dagegen sollen die Verbraucher Zusatzleistungen per Mausklick hinzufügen können. Für die Mitnahme zusätzlicher Gepäckstücke dürfen die Fluggesellschaften allerdings einen Aufpreis verlangen. Mit dem Beschluss würden Klarheit und ein hohes Maß an Verbraucherschutz geschaffen, sagte der EU-Abgeordnete Ulrich Stockmann. „Damit ist dieser Sommerurlaub der letzte, indem man bei Ticketpreisen lieber zweimal hinschauen sollte“, erklärte der SPD-Verkehrspolitiker.

Für Fluggesellschaften aus Ländern außerhalb der Europäischen Union ist die Verordnung allerdings nicht rechtsverbindlich. Sie könnten auch weiterhin mit irreführenden Angeboten werben, hieß es im Parlament. Die EU-Verordnung gilt voraussichtlich von Oktober diesen Jahres an, direkt nach ihrer Veröffentlichung in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Die EU-Regierungen haben sich schon für die Neuregelung ausgesprochen, sie müssen dem Text aber noch formell zustimmen.

Zusatzgebühren verteuern vermeintliche Schnäppchentickets

Gepäckgebühren: Immer mehr Billigflieger verlangen schon für das erste aufzugebende Gepäckstück Geld. Bei Ryanair etwa fallen im Internet zehn Euro für den ersten Koffer an, am Schalter 20 Euro. Germanwings verlangt im Internet bis zu 5,95 Euro, am Schalter bis zu 11,90 Euro. Bei Easyjet sind die Kosten von der Strecke abhängig. Air Berlin, Condor und TUIfly nehmen je nach Flugziel noch ein bis zwei Gepäckstücke kostenlos mit. Kostenfrei ist meist das Handgepäck, häufig gilt aber eine Gewichtsgrenze.

Übergepäck: Die meisten Fluggesellschaften erlauben mindestens 20 Kilo Gepäck, diese Obergrenze gilt dann allerdings auch bei mehreren Gepäckstücken. Für jedes weitere Kilo Gepäck werden pro Strecke bis zu 16 Euro fällig. So verlangt TUIfly sieben Euro, Easyjet 10,50 Euro, Ryanair sogar 15 Euro. Germanwings kassiert bis zu 8,33 Euro. Air Berlin verlangt auf Strecken über 3000 Meilen zehn Euro, auf kürzeren fünf Euro. Ähnlich ist es bei Condor: Für Kurz- und Mittelstrecken sind pro Kilo acht Euro fällig, auf Langstrecken 16 Euro.

Sportgepäck: Wer sein Rad oder Surfbrett mit in den Urlaub nehmen will, muss bei TUIfly und Germanwings bis zu 29,75 Euro zahlen. Easyjet verlangt im Internet 25 Euro, am Flughafen 35 Euro. Bei Ryanair sind es 30 beziehungsweise 40 Euro. Bei Air Berlin sind kleine Sportgeräte bis zum Herbst noch kostenlos, danach sollen sie 20 Euro kosten. Großes Sondergepäck kostet bis zu 25 Euro. Bei Condor ist die Mitnahme von Golf- oder Tauchausrüstung zwar kostenlos, für andere Sportgeräte fallen aber 25 Euro an. Die Preise gelten immer pro Strecke. Wiegen die Geräte mehr als 30 Kilo, wird es noch teurer.

Sitzplatzreservierung: Bei einigen Billigfliegern ist das Reservieren eines Sitzplatz nicht möglich. Bei den anderen kostet das Reservieren eines festen Platzes extra. Air Berlin verlangt pro Person und Strecke zehn Euro für Strecken unter 3000 Meilen und 15 Euro für längere Strecken. TUIfly kassiert neun Euro auf normalen Plätzen, an Notausgängen 25 Euro. Bei Condor sind zehn Euro fällig. Bei Ryanair können Fluggäste für einen Aufpreis von vier Euro früher als die anderen Passagiere einsteigen und sich damit die besten Plätze sichern. Den gleichen Service gibt es bei Easyjet, der Preis variiert.

Buchungsart: Meist ist nur die Buchung per Internet kostenlos. Für eine telefonische Bestellung werden pro Strecke Extragebühren fällig. Bei Easyjet sind dies elf Euro, bei Germanwings bis zu 9,52 Euro, bei Air Berlin 20 Euro und bei TUIfly zwischen 7,50 und neun Euro. Bei Ryanair sind Flüge telefonisch nicht zu den selben Konditionen buchbar wie im Internet. Bei Condor kostet das das Buchen am Telefon genauso viel wie im Internet - da auch im Internet eine Servicegebühr anfällt.

Kreditkartenzahlung: Alle Billigflieger haben auch kostenlose Zahlungsvarianten, meist die Lastschrift. Der Hinweis auf diese Möglichkeit wird aber oft gut versteckt auf der Internetseite. Die Buchung per Karte kostet dagegen meist Gebühren. Bei Easyjet werden mindestens 7,50 Euro pro Kreditkartenbuchung fällig, die Zahlung mit ec-Karte kostet 2,50 Euro. Bei Ryanair kostet die Kartenzahlung generell vier Euro. Passagiere von Air Berlin zahlen bis zu sieben Euro Kreditkartengebühr, bei Germanwings und TUIfly bis zu 7,14 Euro.

Versicherungen: Wer sein Ticket im Internet bestellt, läuft bei den meisten Gesellschaften Gefahr, ungewollt eine kostenpflichtige Reiseversicherung mit abzuschließen. Oft ist das entsprechende Kästchen auf der Internetseite automatisch angekreuzt und muss erst weggeklickt werden - teils sind dafür bis zu drei Klicks und Bestätigungen nötig.

[AFP]



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: REUTERS

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