Airbus-Krise

In Frankreich sollen wohl mehr Jobs wegfallen als in Deutschland

Welche Werke werden verkauft? Die Mitarbeiter wissen noch immer nicht Bescheid

Welche Werke werden verkauft? Die Mitarbeiter wissen noch immer nicht Bescheid

27. Februar 2007 Nach monatelangem Tauziehen will der Flugzeugbau- und Rüstungskonzern EADS an diesem Mittwoch die Beschäftigten über sein drastisches Sanierungsprogramm für die angeschlagene Flugzeugtochter Airbus informieren. Schon jetzt häufen sich die Spekulationen über Details des Sanierungsplans.

Insgesamt ist in den meisten Berichten die Rede von 7700 bis 8000 Stellen, die insgesamt wegfallen sollen. Nach Informationen der Tageszeitung „Die Welt“ sollen in Deutschland 3500 und in Frankreich 4200 Stellen gestrichen werden. Darüber berichtet die Zeitung am Dienstag auf ihrer Internetseite. Airbus wolle zehn Werke abgeben. Beim Prestigeobjekt A380 solle die Arbeitsteilung zwischen beiden Ländern bleiben. Der A350 werde zum Großteil in Frankreich produziert, der Rumpf des Mittelstreckenflugzeugs werde jedoch in Deutschland hergestellt.

Zwei Werke in Frankreich und Deutschland

Airbus: Das Sanierungsprogramm steht

Airbus: Das Sanierungsprogramm steht

Wie das Nachrichtenmagazin „Focus“ am Dienstag meldete habe der EADS-Verwaltungsrat darüber hinaus entschieden, sich von den niedersächsischen Standorten Varel (1300 Beschäftigte) und Nordenham (2250 Mitarbeiter) zu trennen. Die beiden Werke sollen an Investoren verkauft werden. Die Käufer sollen dazu verpflichtet werden, keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen.

Auch die französische Tageszeitung „Les Echos“ berichtet unter Berufung auf Gewerkschaftsvertreter, Airbus wolle je zwei Werke in Deutschland und in Frankreich verkaufen. Damit würde Airbus in Deutschland weniger Werke abstoßen, als ursprünglich geplant. In früheren Entwürfen sei noch erwogen worden, in beiden Ländern mehr als insgesamt vier Werke abzustoßen, hieß es in dem Zeitungsbericht.

„Power 8“ verabschiedet

Zuvor hatte der Konzern mitgeteilt, der Verwaltungsrat habe das Programm „Power 8“ am Montag einstimmig gebilligt. „Es ist eine Lösung gefunden worden, die gut ist für die EADS und für Airbus“, sagte ein Konzern-Sprecher in München, ohne Einzelheiten zu nennen.

Beschäftigte und Gewerkschaften befürchten durch das Sparprogramm für die Flugzeugtochter, die vor allem wegen Verzögerungen beim Großraumflieger A380 in die Krise geflogen war, den Wegfall Tausender Arbeitsplätze. Zunächst will der Flugzeugbauer die Betriebsräte über die Sparpläne unterrichten. An diesem Mittwochnachmittag will EADS dann auf einer Pressekonferenz um 16 Uhr in Brüssel das Sparpaket
bekanntgeben.

Strittige Standortfrage

Das Sanierungsprogramm solle Airbus besser auf die Herausforderungen vorbereiten, die durch die Schwäche des amerikanischen Dollar sowie die finanziellen Auswirkungen der Verspätungen beim neuen Großraum-Passagierjet A380 und des zukünftigen Investitionsbedarfs entstehen, erklärte das Unternehmen. Der Plan werde 2010 zu einem Beitrag beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Godwill-Wertminderungen und außerordentlichen Posten von 2,1 Milliarden Euro führen.

Ursprünglich hätte das Airbus-Sparprogramm schon am 20. Februar veröffentlicht werden sollen. Doch wegen strittiger Fragen um die Airbus-Standorte hatte EADS die Bekanntgabe verschoben. Einen Disput mit Berlin lösten Äußerungen von Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin aus, dass 10.000 Stellen an Airbus-Standorten in Europa wegfallen sollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Jacques Chirac hatten sich daraufhin bei einem Treffen am vergangenen Freitag für eine faire Lastenverteilung bei der Airbus-Sanierung ausgesprochen. Zuletzt galt nicht mehr so sehr der Arbeitsplatzabbau als umstritten, als vielmehr die Aufteilung der Produktionsstandorte mit zukunftsträchtigen Technologien.

Der französische Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy forderte unterdessen die Politiker auf, ihre von nationalen Interessen getriebene Haltung zur Airbus-Sanierung aufzugeben und darüber nachzudenken, was das Beste für das Unternehmen sei. „Es wird Zeit, im Sinne von Airbus zu handeln und nicht im Sinne von Frankreich, Deutschland, Spanien oder irgendeinem anderen Anteilseigner des Unternehmens.“

Text: FAZ.NET mit Material von dpa, Reuters
Bildmaterial: AP, REUTERS

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