Von Marcus Theurer und Hanno Mußler
28. November 2007 Die Bayern LB wird nicht mit der Stuttgarter Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) fusioniert. Auch einen Schulterschluss mit einer anderen Landesbank schloss der bayerische Finanzminister Erwin Huber (CSU) am Mittwoch nach einer Sitzung des Haushaltsausschusses des Bayerischen Landtags aus. Die Bayern LB werde vielmehr in der überschaubaren Zukunft“ eigenständig bleiben, sagte Huber. Damit sind die monatelangen Diskussionen und Spekulationen um die künftige Rolle der nach der LBBW zweitgrößten deutschen Landesbank vom Tisch.
Der mittlerweile ausgeschiedene bayerische Ministerpräsident Stoiber hat dagegen im Sommer in Gesprächen mit seinen Amtskollegen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen einen Schulterschluss mit der LBBW und der angeschlagenen Düsseldorfer West LB sondiert. LBBW und Bayern LB zusammen hätten, gemessen an der Bilanzsumme, die zweitgrößte deutsche Bank gebildet.
Im Eignerkreis umstritten
Die Entscheidung gegen eine Fusion mit der LBBW ist im Eignerkreis der Bayern LB umstritten. Der Vorstand des Sparkassenverbands Bayern hat noch am Dienstag einstimmig für die Aufnahme von Fusionsverhandlungen votiert. Mit einer Fusion der beiden starken Landesbanken im Süden würde eine Bank entstehen, die sowohl dem Mittelstand und allen anderen Kunden als auch den Sparkassen in Bayern erhebliche Vorteile im Wettbewerb bringen wird“, teilte der Verband mit. Den bayerischen Sparkassen und dem Freistaat gehört die Bayern LB jeweils zur Hälfte. Ein Sparkassen-Sprecher wollte am Mittwoch die Entscheidung gegen die favorisierte Fusion mit der LBBW nicht kommentieren. Die Entscheidung ist eindeutig und wird von den Sparkassen akzeptiert“, sagte dagegen Huber.
Der CSU-Politiker gab zu, dass ein Zusammenschluss beider Landesbanken betriebswirtschaftlich sinnvoll“ wäre. Doch würde das Land Bayern dadurch zum Minderheitsgesellschafter und damit an Einfluss verlieren. Dies schwäche den Finanzplatz München. Die Bayern LB habe auch allein ein belastbares Geschäftsmodell“, sagte Huber. Der Vorstand soll jedoch laut Huber in den kommenden Monaten ein Konzept für die Zukunft der Bank erarbeiten. Es sind strategische Entscheidungen der Bayern LB notwendig.“
Ähnlicher Zwist in Nordrhein-Westfalen
Einen ähnlichen Zwist wie um die Bayern LB gibt es auch in Nordrhein-Westfalen um die West LB. Seit Sommer sind sich die dortigen Sparkassen darin einig, die West LB an die LBBW nach Stuttgart zu verkaufen. Doch Ministerpräsident Jürgen Rüttgers wehrt sich dagegen, weil er nach der IKB-Krise eine weitere Schwächung des Finanzplatzes Düsseldorf verhindern will. Monatelang hat Rüttgers die Investmentbank Citi nach Auswegen für die West LB suchen lassen. Ihr Gutachten liegt der Landesregierung in Vorentwürfen vor. Darin wird eine Fusion mit der LBBW nicht verworfen. Doch als wahrscheinlicher gilt, dass die West LB vorerst eigenständig bleiben wird. Dann allerdings bräuchte die auf einen Jahresverlust zusteuernde West LB nach Lage der Dinge auf Dauer wohl eine Eigenkapitalerhöhung. Die Rede ist von 2 Milliarden Euro.
Das Beharren der Landespolitiker in Bayern und vermutlich in Nordrhein-Westfalen ist ein Schlag für Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Günther Oettinger, der sich stark für eine Fusion der LBBW mit anderen Landesbanken einsetzt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., picture-alliance/ dpa
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