18. September 2008 Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) und das Finanzministerium sind sehr besorgt um das Finanzsystem und die Wirtschaft insgesamt. Deshalb stehen sie bereit, nach der Investmentbank Bear Stearns, den Immobilienfinanzierern Freddie Mac und Fannie Mae sowie dem Versicherungskonzern AIG notfalls noch weitere Banken oder andere Finanzmarktakteure vor dem Untergang zu bewahren.
Allerdings kann kein Unternehmen, dem der Konkurs droht, sich der staatlichen Hilfe sicher sein. Das ist aus dem Umfeld der Währungshüter zu hören. Als entscheidend für ein Einspringen von Fed oder Treasury gilt das Risiko, das der Zusammenbruch einer Geschäfts- oder Investmentbank, eines Hedge-Fonds oder einer Versicherung für die Stabilität des gesamten Finanzsystems darstellte.
Folgen wären unüberschaubar gewesen
Zentralbanken sind auch geschaffen worden, um eine Versicherung gegen katastrophale Risiken zu geben, heißt es. Grundsätzlich gelte es abzuwägen, ob das Risiko eines Zusammenbruchs des Finanzsystems größer sei als die Gefahr, dass Marktakteure sich auch künftig unvorsichtig verhielten, weil sie im Notfall auf die Hilfe der Regierung zählten (moral hazard).
Dabei spielten auch die Verfassung der Märkte eine wichtige Rolle und ihre Fähigkeit, den möglichen Konkurs eines wichtigen Akteurs zu verdauen. Im Fall der Versicherung AIG, die die Fed durch einen Kredit über 85 Milliarden Dollar vor dem Konkurs bewahrt hat, sei die Lage letztlich klar gewesen. Weil AIG nicht nur im klassischen Versicherungsgeschäft tätig sei, sondern sich auch in hohem Maße auf den Finanzmärkten engagiert habe, wären die Folgen eines Zusammenbruchs unüberschaubar gewesen, heißt es.
Keine Prognose für ein Ende der Krise
In der Fed ist man überzeugt, sowohl in diesem Fall als auch bei der Investmentbank Lehman Brothers die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Die Währungshüter hatten Lehman am Wochenende einen Notfallkredit verweigert und damit die Insolvenz der Traditionsinvestmentbank besiegelt. Die Probleme von Lehman waren seit langem bekannt. Die Marktakteure hatten ausreichend Zeit, sich darauf einzustellen. Hingegen habe sich die Lage bei AIG in kurzer Zeit zugespitzt, vor allem nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Rating-Agentur Standard & Poor's.
Die Fed hält es aufgrund ihres großen Kreditengagements bei AIG für selbstverständlich, dass sie nun auch eng an der weiteren Entwicklung beteiligt ist. Ziel der Vereinbarung ist es, die Schulden mit den Erlösen aus dem Verkauf von Unternehmensteilen zu tilgen. Die Gefahr, dass letztlich die amerikanischen Steuerzahler dafür geradestehen müssen, sei angesichts der Alternative vertretbar, heißt es. Wir beobachten derzeit, wie Marktakteure ihre Verbindlichkeiten verringern und in sichere Anlagen flüchten. Was hier vor sich geht, wird zu einer erheblichen Restrukturierung des Finanzsystems führen. Aufgabe der Fed sei es, den Schaden für das Finanzsystem und die Wirtschaft insgesamt so gering wie möglich zu halten.
Auch die amerikanischen Notenbanker wagen keine Prognose, wie lange die Krise, die zu einer der schwersten in der Geschichte geworden ist, noch dauern wird. Die Ungewissheit und die Unsicherheit seien derzeit so groß, dass keine verlässliche Vorhersage zu treffen sei. Einen Königsweg aus der Krise wissen auch die Währungshüter nicht. Natürlich würden wir ihr gerne ein Ende bereiten. Aber wie?
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS
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