Energiebranche

Stromkonzerne erzielen Rekorderlöse

Von Holger Schmidt

19. November 2007 Die Stromversorger in Deutschland haben im vergangenen Jahr mit jeder verkauften Kilowattstunde Strom im Durchschnitt 10,46 Cent erlöst – 7,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes sind die Erlöse seit dem Jahr 2000 um 40 Prozent gestiegen. Der Durchschnittserlös für Stromverkäufe an private Haushalte erreichte im vergangenen Jahr mit 15,36 Cent je Kilowattstunde auch einen Rekordwert.

Der errechnete Durchschnittserlös wird ohne Mehrwertsteuer und ohne rückwirkende Stromsteuerrückerstattungen ausgewiesen, enthält jedoch die Netznutzungsentgelte, die Stromsteuer, die Konzessionsabgaben sowie Ausgleichsabgaben nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz und dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz.

Ende der Preisspirale nicht in Sicht

Die Zeitreihe der Statistiker von 1972 bis zum Jahr 2006 zeigt, dass die Erlöse in den Folgejahren der beiden Ölkrisen 1973 und 1979/80 sowie nach 2000 besonders kräftig gestiegen sind. Fallende Erlöse verzeichneten die Stromversorger nur 1999 und 2000, als der Wettbewerb auf dem Strommarkt zumindest in Ansätzen funktionierte und gut hundert zusätzliche Stromanbieter um Kunden warben.

Ein Ende der Preisspirale nach oben ist nicht in Sicht. „In diesem Jahr haben bereits rund 750 der 900 deutschen Stromversorger die Preise erhöht. Zum 1. Januar 2008 werden rund 300 Versorger die Preise nochmals um durchschnittlich 5 bis 10 Prozent anheben“, sagte Dagmar Ginzel, Sprecherin des Verbraucherportals Verivox. Viele Versorger haben ihren Kunden die bevorstehenden Erhöhungen in diesen Tagen per Post mitgeteilt. Als Ursache führen die Unternehmen meist gestiegene Beschaffungskosten und den Ausbau der erneuerbaren Energien an.

Möglichen Machtmissbrauch bekämpfen

Dieses Argument lässt Bernhard Heitzer, der Präsident des Bundeskartellamtes, nicht gelten. „Nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch aus Fachkreisen heraus sind erhebliche Zweifel an der Tragfähigkeit dieser Behauptungen erhoben worden. Plausibel erscheinen sie uns jedenfalls nicht“, sagte Heitzer dem „Handelsblatt“. Denn gestiegen sind lediglich die Gaspreise. Mit Gas wird aber lediglich etwa 10 Prozent der deutschen Stroms produziert. Die Produktionskosten für Atomstrom und Kohle, die beiden wichtigsten Energieträger der Strombranche, sind dagegen gar nicht oder nur leicht gestiegen.

Das Bundeskartellamt will daher die Möglichkeiten des verschärften Kartellrechts nutzen, um einen möglichen Machtmissbrauch zu bekämpfen. „Wenn uns der Gesetzgeber ein schärferes Instrument an die Hand gibt, dann wollen wir damit nicht einfach nur drohen, sondern es auch anwenden“, sagte Heitzer.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

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