Finanzminister Steinbrück

„Eine der größten Finanzkrisen in den letzten Jahrzehnten“

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18. März 2008 Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sieht in den dramatischen Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten „eine der größten Finanzkrisen in den letzten Jahrzehnten“ und plädiert für ein Eingreifen der Politik zum Schutz der deutschen Wirtschaft. Politik und Banken in Deutschland müssten zur Bewältigung der Lage eng zusammen arbeiten, forderte der SPD-Politiker am Dienstag in Potsdam. Die Auswirkungen der Krise auf die Realwirtschaft könnten nicht verleugnet werden.

„Wir sind in Deutschland sehr stark darauf angewiesen, die bisherige gute Zusammenarbeit zwischen Politik, Bundesbank, Bankenverbänden und Bankinstituten so dicht zu halten, dass wir die Folgewirkungen hier minimieren können“, sagte Steinbrück. „Das ist eine Frage des Krisenmanagements. Und ich bin froh, dass es bisher funktioniert hat.“

Finanzminister versucht Ängste zu dämpfen

Der Privatbanker glaubt nicht mehr an die Selbstheilungskräfte der Finanzmärkte

Der Privatbanker glaubt nicht mehr an die Selbstheilungskräfte der Finanzmärkte

Die ökonomischen Fundamentaldaten in Deutschland seien jedoch in Ordnung, erklärte der Minister. Deshalb hoffe er, „dass wir aus der krisenhaften Zuspitzung besser hervorgehen als dies derzeit in den USA der Fall ist.“

Steinbrück betonte, es gebe Chancen, dass die Krise hier zu Lande nicht so stark wie in den Vereinigten Staaten ausfalle. Die deutsche Volkswirtschaft sei robuster als die amerikanische aufgestellt. Er begrüßte, dass in den Vereinigten Staaten inzwischen Maßnahmen ergriffen worden seien, um die Krise einzudämmen. Allerdings wollte er nicht bewerten, ob diese ausreichten. Der Minister warnte, die Zuspitzung der Lage drohe auch andere Teile der Welt in Mitleidenschaft zu ziehen.

Ackermann zweifelt an Selbstheilungskräften des Marktes allein

Zuvor hatte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, deutlich gemacht, dass er angesichts der internationalen Turbulenzen nicht mehr allein an die Selbstheilungskraft der Finanzmärkte glaubt. Die Versorgung mit Liquidität reiche als Maßnahme nicht aus, sagte Ackermann.

Die Regierungen müssten Einfluss nehmen auf die Märkte: „Wir haben nicht die Zeit zu warten, bis der US-Häusermarkt über Jahre das Ungleichgewicht abbaut. Es braucht eine konzertierte Aktion von Banken, Regierungen und Notenbanken“, sagte Ackermann.

Forderung nach globaler Regulierungsbehörde

Außerdem bekräftigte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank seine Forderung nach einer globalen Regulierungsbehörde. „Global operierende Banken brauchen global operierende Aufsichtsbehörden“, sagte Ackermann. „Es kann nicht sein, dass wir uns weiter in nationalen Infights aufreiben“, so Ackermann in einer Analogie an den Boxsport.

Ackermann riet dazu, dass künftig ein „Rat der Weisen“ frühzeitig vor neuen Spekulationsblasen an den Finanzmärkten warnen solle. Die Zentralbanken hätten zwar in der Vergangenheit oft frühzeitig vor Gefahren gewarnt, das Platzen von Blasen aber nicht verhindern können. „Vielleicht braucht es da jemanden, der mehr Autorität hat“, sagte Ackermann.

Die Geschichte habe gezeigt, dass die meisten Finanzmarktkrisen aus geplatzten Spekulationsblasen resultierten, so Ackermann weiter. Im Gegensatz zu Lehrbuchweisheiten würden die anschließenden Korrekturen aber nicht graduell, sondern radikal mit hohen Kursschwankungen stattfinden. Der Kollaps des japanischen Immobilienmarktes habe gezeigt, dass es bis zu 15 Jahre dauern könne, bis die Investoren neues Vertrauen gefasst hätten. Ackermann erinnerte daran, dass eine einzelne Bank aus Wettbewerbsgründen nicht auf den Vertrieb bestimmter Finanzprodukte verzichten könne. Ein mit Praktikern besetzter „Rat der Weisen“ dagegen könne die Entwicklungen an den Finanzmärkten analysieren und prüfen, ob „irgendwo eine Bombe tickt“.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, reuters

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