Studie

Büroschlaf ist gesund

Von Sabine Hildebrandt-Woeckel

Rathaus Vechta: Hier dürfen die Angestellten ganz offiziell ein Nickerchen machen

Rathaus Vechta: Hier dürfen die Angestellten ganz offiziell ein Nickerchen machen

10. April 2006 In Amerika und Japan stört sich niemand daran, in Deutschland dagegen hat der Schlaf am Tage von jeher einen schlechten Ruf. Zwar gibt es Untersuchungen, nach denen sich mindestens ein Fünftel aller Deutschen mittags regelmäßig aufs Ohr haut. Wer es jedoch wagt, dies öffentlich zuzugeben, gilt schnell als Faulenzer.

Besonders im Arbeitsleben ist der Mittagsschlaf tabu. Schlafforscher Jürgen Zulley hat zwar schon mit mehreren Managern gesprochen, „die regelmäßig zwischen 12 und 13 Uhr hinter verschlossenen Türen wichtige Telefonate führen“. Einer habe sogar seinen eigenen Wohnwagen auf dem Firmengelände abgestellt, um mittags darin zu verschwinden. „Aber Namen darf ich nicht nennen.“

Nickerchen verbessert Leistungsfähigkeit

Nur das Rathaus von Vechta propagierte vor ein paar Jahren den Mittagsschlaf - und fing sich prompt viel Ärger ein. Sogar eine Anzeige wegen Vergeudung von Steuergeldern wurde angedroht. Heute gibt es die Möglichkeit zwar noch, „in der Mittagspause das Power-Napping anzuwenden“, sagt Herbert Fischer vom Amt für Wirtschaftsförderung. Vermarktet wird Büroschlaf aber nicht mehr.

Der Regensburger Schlafforscher Zulley kann das nicht verstehen. Schließlich sei längst nachgewiesen, daß nur ein ausgeruhter Mitarbeiter ein leistungsfähiger Mitarbeiter ist. Laut einer Studie der amerikanischen Weltraumagentur Nasa steigt die Reaktionsgeschwindigkeit nach einem halbstündigen Schlaf erheblich, und Aufmerksamkeitsausfälle sinken um 34 Prozent. Forscher der Harvard Universität zeigten, daß ein kurzes Nickerchen am Tag die Leistungsfähigkeit des Gehirns insgesamt deutlich verbessert.

Fehlerquote sinkt um 20 Prozent

Daß sich damit geregelter Büroschlaf für Firmen sogar rechnet, davon ist neben Zulley auch Mario Filoxenidis, Inhaber der österreichischen Beratungsfirma Siesta-Consulting, überzeugt. Seit ein paar Jahren wirbt er für regelmäßige Auszeiten und hilft seinen Kunden, durch Schlafpausen ganz konkrete Managementziele zu erreichen.

Nicht nur die Kreativität einer Mannschaft kann so um bis zu 50 Prozent gesteigert werden, auch Fehlerquoten, so Filoxenidis, lassen sich um bis zu 20 Prozent senken. Der gebürtige Schweizer ist überzeugt davon, daß sich auch extreme Unfälle wie Tankerhavarien verhindern ließen, wenn Mitarbeitern erlaubt würde, Rücksicht auf ihren Biorhythmus zu nehmen.

Schlafpause darf nicht zu lange sein

Die optimalen Arbeitszeiten, darin sind sich Schlafforscher einig, liegen zwischen neun und zwölf Uhr und zwischen 15 und 18 Uhr. Mittags dagegen geraten nachweislich alle Menschen in ein Leistungstief, das innerhalb von 24 Stunden zweimal auftritt: nachts zwischen drei und vier Uhr und in etwas abgeschwächter Form tagsüber zwischen 13 und 14 Uhr.

Wer sich dann wie die Kreativen der Wiener Web-Agentur Bestheads, die Arbeiter des Linzer Industriebetriebs Voest oder die Mitarbeiter der Steiermärkischen Sparkasse in Graz in Ruheräume zurückziehen kann, hat Glück. Zehn Minuten reichten völlig aus, betont Zulley. Und mehr als 30 Minuten sollten es auf keinen Fall sein. Wird die Schlafpause zu lang, fährt nicht nur der Kreislauf zu stark herunter, man braucht auch zu lange, um wieder aufzuwachen.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 09.04.2006, Nr. 14 / Seite 51
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb

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