Pläne für neue EZB-Zentrale auf Eis

Der Notenbank sind die Baufirmen zu teuer

Die neue EZB-Zentrale in einer grafischen Darstellung

Die neue EZB-Zentrale in einer grafischen Darstellung

25. Juni 2008 Die Europäische Zentralbank (EZB) legt die Pläne für den Neubau ihren neuen Hauptsitzes im Osten Frankfurts vorerst auf Eis. Es sei bislang nicht gelungen, einen Bauunternehmer zu finden, der mit dem vorgesehenen Kostenrahmen auskomme, teilte die EZB am Mittwoch überraschend mit. Das Budget für den Neubau nach den Plänen des österreichischen Architekturbüros „Coophimmelb(l)au“ liegt bei 500 Millionen Euro. Die eingeholten Angebote von Baufirmen hätten alle deutlich über dieser Zahl gelegen, hieß es.

Die EZB will nun schnell entscheiden, wie es weiter gehen soll. Ursprünglich war die Fertigstellung des Baus mit zwei jeweils mehr als 180 Meter hohen Hochhäusern über der alten, unter Denkmalschutz stehenden Frankfurter Großmarkthalle und der Umzug für Ende 2011 geplant. Anfang April war bereits mit dem Aushub der Baugrube und dem Abriss der dreistöckigen Annexbauten auf dem neuen Gelände begonnen worden. Experten gehen nun davon aus, dass der Neubau frühestens ein Jahr später, im Herbst 2012, fertig gestellt werden kann. Ob der geplante Termin für die Grundsteinlegung im Januar 2009 gehalten werden kann, ist fraglich.

„Die EZB wird Wege finden, ihre Preisvorstellungen durchzusetzen“

Von Seiten der Stadt Frankfurt, die erst vor wenigen Wochen die offizielle Baugenehmigung für den Neubau am Main erteilt hatte, hieß es lediglich, es handele sich bei der Verschiebung um einen „internen Vorgang der EZB“. Der Sprecher der Stadt, Nikolaus Münster, sagte, er gehe davon aus, dass die EZB schnell eine Lösung finden werde. „Die EZB wird Wege finden, ihre Preisvorstellungen durchzusetzen.“ Es sei „völlig normal, dass die Pläne gestoppt werden, wenn man bei einem solchen Vorhaben kein zufriedenstellendes Ergebnis bei der Ausschreibung bekommt“.

Die Architektenpläne sehen zwei Hochhaustürme vor, die mit der alten Großmarkthalle zusammen ein neues bauliches Zentrum für den Osten Frankfurts bilden sollen. In der alten Halle, die komplett entkernt wird, sollen vor allem Besprechungszimmer, darunter auch der Saal für die monatlichen Pressekonferenzen der Notenbank, untergebracht werden. Die Fassade der 220 Meter langen Markthalle bleibt erhalten. Sie gilt als ein Meisterwerk der modernen deutschen Funktionsarchitektur und wurde 1926 bis 1928 nach Plänen des Architekten Martin Elsaesser gebaut. Allerdings wird ein 180 Meter langer „Betonriegel“ die Halle zerschneiden.

Bislang residiert die Notenbank in einem schmucklosen Hochhaus

Die beiden Türme sind für die Büros von Direktorium und Mitarbeitern der Notenbank, die über die Geldpolitik im gesamten Euroraum entscheidet, vorgesehen. Bislang residiert die EZB in einem schmucklosen Hochhaus am Rande des Frankfurter Bankenviertels sowie in weiteren Gebäuden in der ganzen Stadt.

Die Erben des Markthallen-Architekten Elsaesser lieferten sich einen jahrelangen Rechtsstreit mit der EZB, weil sie mit den Neubauplänen nicht einverstanden waren. Auch die jüdische Gemeinde machte Druck, weil im Keller der Halle 1941 Juden vor ihrem Abtransport in die Vernichtungslager von den Nazis eingesperrt worden waren. Sie erhalten nun eine Gedenkstätte in dem Neubau.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, Helmut Fricke

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