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Welthandel

Ostasien schafft größte Freihandelszone der Welt

China und die Asean-Staaten haben mit Beginn des Jahres die größte Freihandelszone gebildet - gemessen an ihrer Bevölkerung. Der gemeinsame Wirtschaftsraum hat eine Bevölkerung von 1,9 Milliarden Menschen - und ein Handelsvolumen von rund 200 Milliarden Dollar.

Von Christoph Hein, Singapur

Welthandel: Ostasien schafft größte Freihandelszone der Welt
03. Januar 2010 

Mit dem Jahreswechsel ist die größte Freihandelszone der Welt geschaffen worden – zumindest gemessen an ihrer Bevölkerung von fast 1,8 Milliarden Menschen. China und die sechs führenden Länder der zehn Staaten Südostasiens hatten beschlossen, mit Beginn dieses Jahres gut 90 Prozent aller Zölle zu streichen. Bis zur letzten Minute hatte Indonesien noch versucht, den Vertrag nachzuverhandeln, aus Sorge, von chinesischen Billigwaren überschwemmt zu werden. Dank weiterer Abkommen mit Australien und Neuseeland, Japan, Indien und Südkorea hat sich Südostasien zur Kernregion einer Freihandelszone entwickelt, die die halbe Welt umspannt.

Gemessen am Handelsvolumen, bildet das Abkommen zwischen China und Südostasien die drittgrößte Freihandelsregion der Erde, nach der Europäischen Union und der Nordamerikanischen Freihandelszone. Die beteiligten Länder Asiens kommen auf knapp 200 Milliarden Dollar Handelsvolumen. Vor zehn Jahren hatte es erst 39,5 Milliarden Dollar betragen. Inzwischen ist China Südostasiens drittgrößter Handelspartner nach Japan und Europa und damit an Amerika vorbeigezogen. Die Region kommt auf ein summiertes Bruttoinlandsprodukt von fast 6000 Milliarden Dollar. „Wenn China wächst, müssen wir sicherstellen, dass wir als Lieferant Gewicht behalten“, sagte der Generalsekretär des südostasiatischen Staatenbundes Asean, Surin Pitsuwan. Die gesamte Wirtschaftsleistung der Asean-Länder ist größer als diejenige Indiens. Für China interessant sind besonders Rohstoffe seiner Nachbarregion wie Palmöl, Gummi, Holz oder Gas in Ländern wie Burma (Myanmar) oder Indonesien. Zugleich hofft Peking, sich dank des wachsenden Wohlstands Südostasiens einen gewissen Ausgleich für den langsamer wachsenden Absatz seiner Waren in Europa und Amerika zu schaffen.

Große Ängste in Indonesien

Ein Stahlkocher in der chinesischen Provinz LiaoningEin Stahlkocher in der chinesischen Provinz Liaoning

Bis 2015 will Ostasien auch die Zölle auf die verbliebenen „sensitiven Güter“, zu denen nicht nur Teile für Automobile oder auch Chemikalien zählen, sondern auch Popcorn in Indonesien oder Schneestiefel in Südkorea, auf höchstens noch 50 Prozent verringern. Schon seit 2005 arbeiten China und die sechs führenden Länder Südostasiens – Indonesien, Brunei Darussalam, Malaysia, die Philippinen, Thailand und Singapur – am Abbau der Zölle. In fünf Jahren sollen dann auch Vietnam, Burma, Kambodscha und Laos folgen. Das chinesische Handelsministerium erklärte, der Durchschnittszoll für Waren aus Südostasien liege nun bei 0,1 Prozent, nach 9,8 Prozent zuvor. Die Einfuhrgebühr für chinesische Güter in Südostasien ist von 12,8 auf nun 0,6 Prozent gefallen. Nicht berührt von dem jetzt in Kraft getretenen Handelsabkommen aber sind nichttarifäre Handelshemmnisse, die nach Ansicht von Fachleuten noch sehr viel mehr Spielraum für Senkungen bieten. Denn die Zölle, die nun gestrichen wurden, lagen in den meisten Fällen ohnehin nur noch bei rund 5 Prozent.

Indonesien, das größte Land Südostasiens, fürchtet aber für viele seiner Branchen, dass sie nun von der chinesischen Industrie überrannt werden. Als besonders gefährdet sehen die Indonesier den Textilsektor, Stahl und Elektronik an. Die Vereinigung der Schuhhersteller warnte, dass der Anteil chinesischer Hersteller am indonesischen Schuhmarkt von derzeit 40 auf 60 Prozent steigen werde. Damit würden mindestens 400.000 Arbeitsplätze in Indonesien verlorengehen. Deshalb hatte die Regierung Mitte vergangener Woche angekündigt, den Vertrag vor dem Inkrafttreten noch einmal zu überprüfen. Es blieb allerdings bislang bei der Ankündigung. Schon jetzt verzeichnen die sechs Länder Südostasiens ein Handelsdefizit mit China von fast 22 Milliarden Dollar. Japan indes hat schon vorgeschlagen, die einzelnen Abkommen Asiens zusammenzuführen zu einer gemeinsamen Freihandelsregion, die dann Ostasien und Amerika umfassen sollte.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z.

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