Mindestlohn-Debatte

„3,18 Euro pro Stunde sind in Ordnung“

Drei Euro Stundenlohn seien unfair, sagt Franz Müntefering. Sybille Hain, Inhaberin eines Friseursalons in Erfurt, widerspricht dem Minister: ein Interview über Mindestlöhne, sprachgestörten Nachwuchs und die Blüte der Friseure zu DDR-Zeiten.

Lesermeinungen zum Beitrag

17. April 2007 18:24

Erfurt - Paradies für Friseurkunden???

Ludwig Wenzel (ludwen)

Liebe Frau Hein, Bitte teilen Sie den Erfurter Frauen mit, wo - außer in den 10EuroDiscountern - in einem normalen Erfurter Salon das Waschen, Schneiden, Fönen 17,50 Euro kosten?? Das gibt es schon lange nicht mehr. Bereits seit Jahren zahle ich den Erfurter Salons mindestens 25 Euro.
M.W. 99097 Erfurt

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09. April 2007 15:40

Apropos Luxemburg.......@ F.Schöpfer...

wolf haupricht (emilgilels)

Das Land hat so gut wie keine Arbeitslose, sondern weiteren Arbeitskräftebedarf. Ein Vergleich hinkt !
Das Großfürstentum floriert bestens und hat ein hohes pro Kopf Einkommen! Schön wäre das auch bei uns.
mfg
w.a.

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09. April 2007 15:30

Interessant ist das schon

Torsten Klier (TorstenKlier)

wie sich der Wind dreht.

Am 07.06.06 (Christian Schwägerl, Frau überholt rechts) (...) schrieb die FAZ noch von Frau als dem „neuen Siegertypus“ , der „Arbeitsmarkt begehrt“ ist, „ weil sie in großer Zahl Bildung, Energie und Motivation frei Haus mitbringen. Darin unterscheiden sie sich zugleich in wachsendem Maß vom anderen Geschlecht.“
„Während das Bildungsniveau von Männern stagniert, steigt es bei Frauen weiter“, konnten wir da lesen und „Seit Frauen sich an Schulen und Universitäten entfalten können, ist ihr Aufstieg phänomenal.“

Und jetzt, ohne Übergang, drehen wir uns um die Frage, wie wir die Löhne dieser „am Arbeitsmarkt begehrten Siegertypen“ subventionieren, damit diese Personen mit „phänomemenalem Aufstieg“ davon leben können.

Wie denn nun.
Reißen sich die Unternehmen um die hochmotivierten und hochgebildeten „Siegertypen“?
Oder müssen die sich anbieten wie sauer Bier?

Nein, Antwort ist nicht nötig. Das waren nur rhetorische Fragen.
Spätestens in zwei Wochen werden wir in der FAZ einen Aufsatz lesen, in dem die phänomenalen Eigenschaften der Frauen und deren Überlegenheit gegenüber den Männern „wissenschaftlich“ bewiesen wird (wir denken da an das Alphatierchen).
Wetten das?

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09. April 2007 13:53

Luxemburg hat € 9,08 Mindestlohn ...

Frank Schöpfer (Friedrich.E)

... und geht auch nicht unter. Frankreich hat einen Mindestlohn von € 8,27, Belgien von € 7,93, Holland von € 8,13. Selbst mit der DGB-Forderung von € 7,50 wären wir immer noch gegenüber unseren westlichen Nachbarn ein Billiglohnland. In 20 von 27 EU-Staaten gibt es einen gesetzlichen Mindestlohn. In Ländern wie Finnland, Schweden, Dänemark, Österreich oder Italien ohne gesetzlichen Mindestlohn gibt es eine wesentlich höhere Tarifbindung, so dass dort ein faktischer Mindestlohn gilt. Sogar in den USA gibt es einen landesweiten Mindestlohn von € 3,93, der in vielen Bundesstaaten dank Volksabstimmungen sogar noch wesentlich höher liegt. In Deutschland sind laut aktueller Umfrage über 60 Prozent für Mindestlohn, davon 56 und 53 Prozent der CDU- und FDP-Wählern. Viellecht kostet uns die Einführung von Mindestlöhnen sogar wirklich Arbeitsplätze. Die Nichteinführung wird uns auf jeden Fall mehr Arbeitsplätze kosten. Spätestens in 2009 werden die Grenzschranken fallen. Wenn es dann keinen gesetzlichen Mindestlohn gibt, wird genau dasselbe wie im Fleischerhandwerk passieren. Wer will das verantworten?

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09. April 2007 12:12

@norbert doerre (ndoerre)

Marcel Meier (MarcelMeier)

Gerade weil Politiker schlecht bezahlt werden sind es keine Fähigen.
Wann ist denn mal endlich diese nicht gerade schlaue Diätendebatte vorbei?
Hätten Politiker Potential, würden sie in der Wirtschaft arbeiten und nicht für 10 bis 20TSD im Monat.
Stellen Sie sich mal einen Großkonzern mit Politikern an der Spitze vor und fragen Sie sich wann die Pleite da ist.
Mit den Gehältern ist es wie mit Allem auf der Welt:
ANGEBOT und NACHFRAGE regulieren den Preis von Allem.
Siehe schulisch ausgebildete Frisörinnen, keine Nachfrage ergibt Arbeitslosigkeit.
Ganz einfach zu verstehen, oder?

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09. April 2007 11:23

Münte....als Unternehmer?@ zu.J.P. Schmitz

wolf haupricht (emilgilels)

Ihrem Beitrag kann ich vollauf zustimmen.
Übrigens: Das Frisörwesen hatte immer schon seine Besonderheiten, was die Lohngestaltung anbelangte. Das galt und gilt auch für das Gaststättengewerbe, wo Trinkgelder als Lohnersatz eingerechnet wurden/werden.
Dieses Beispiel von 3,18 € ist daher untypisch, zeigt jedoch andererseits exemplarisch die Gefahr, die von Münterfering, der mit Sicherheit kein Wirtschaftskundiger ist, ausgeht. Vor allem dann, wenn Mindestlöhne für die gesamte Republik gelten sollen.
Diesen Beschäftigungszweigen und vielen anderen ebenso droht der Ruin. Frau Hain hat aus der Praxix für die Praxis gesprochen. Mindestlöhne schaffen mehr Probleme (offizielle Arbeitsplätze fallen weg), als dass sie den Menschen helfen.
Fazit: Hände weg, mindestens für diese Bereiche. Außerdem ist die Absicht von M. erkennbar: er will den Öffentlichen Haushalt entlasten, bewirkt durch den sicheren Wegfall von Arbeitsplätzen aber genau das Gegenteil. Der Vergleich mit 10,-- DM bei Ernteeinsätzen
ist nur bedingt brauchbar, weil der Einsatz zeitlich sehr begrenzt ist. Dies gilt auch für die Weinlese, wo ich als Schüler 12,--DM/Std gut mein Taschengeld aufbessern konnte. Essen und Trinken all inklusive.
mfg w.a.

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09. April 2007 09:38

Haarescheiden in Erfurt zu DDR-Zeiten

Markus Adami (adami)

Versuch zu einem ordentlichen Haarschnitt zu kommen: 1989 mit meinen Eltern als Gast in der DDR.

Erster Versuch - Der Meister schließt bei Annäherung schnell von innen den Laden zu.
Zweiter Versuch - Geschafft, aber vor dem Laden schütteln meine Eltern den Kopf. Zurück in den Laden. Energische Ansprache meines Vaters über den Leistungsgedanken im Sozialismus
Dritter Versuch - Unter Aufsicht meines Vaters wird nachgeschnitten.

Schlußfolgerung: In Wabern lebt man doch besser als in Thüringen ( Haarschnitt 9,50 € bei sofortigem Gelingen ) und die Dame wirkt keinesfalls wie eine Mindestlöhnerin.

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09. April 2007 08:42

3,18 Euro ein Haarschnitt..

Walter Wasilewski (wwasilewski)

Wie sagt Frau Hain, 3,18 Euro in der Stunde langt, wenn genug Kunden kommen.
Wenn der Kunde für diesen Stundenlohn seine Haare geschnitten bekommt, dann kommen auch Kunden. Liebe Frau Hain, Sie haben es in der Hand. Einen annehmbaren Preis und gute Arbeit bestimmen Ihren Umsatz. Sie müssen nur schneller und besser arbeiten.
Walter Wasilewski

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09. April 2007 06:08

Konsequenz des Mindestlohnes

Max Rempel (MR14)

Ein Mindestlohn von 7.5 Euro hätte unterschiedliche Auswirkungen auf den Lohn eines Friseurs. Zunächst einmal würde das Bezahlungssystem umgestellt. Mitarbeiter, die zuvor schon mehr als 7.5 verdienten (inkl. Beteiligung) wären kaum betroffen. Die Umsatzbeteiligung würde so gekürzt, dass der Lohn (inkl. Beteiligung) im Durchschnitt unverändert bleibt (lediglich die Varianz wird reduziert: an schlechten Tagen verdient man mehr als zuvor, an Guten weniger). Jene mit einem Stundenlohn von weniger als 7.5 würden profitieren, FALLS ihr Arbeitsplatz nicht wegfällt. Aber die meisten Salons, in denen die Mitarbeiter weniger verdienen, sind nicht ausgelastet. Nehmen wir an, der Haarschnitt kostet 12 Euro und der Mitarbeiter erhält 30% des Umsatzes von mehr als 12 Euro. Bei 2 Haarschnitten pro Stunde, verdient er 6.78 (~1200E p.M.). Der Umsatz des Salons (pro Mitarbeiter) beträgt folglich 24 Euro. Bei 4 Mitarbeitern macht das ~16000E im Monat. Davon gilt es Löhne(4800E), Steuern und Abgaben(~6500E? - 40% der Einnahme), Miete (~2000E?), Material, Energiekosten, Werbung, Versicherungen zu bezahlen. Was bleibt sind kaum 7.5E/Stunde (ohne Mindestlohn!) und das Risiko. Aber vielleicht zahlt der Staat ja dem Unternehmer auch einen Mindestlohn??

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09. April 2007 02:56

alles gesagt, was gesagt werden musste!

Gabor C (gcqp)

"Der Fleißige wird belohnt, der Faule hat halt Pech. Gibt es etwas Besseres? Gibt es etwas Ehrlicheres?"
Mit dieser Aussage hat Sybille Hain alles gesagt, was gesagt werden musste. Das ist das Problem am deutschen System, dass die Faulen geduldet und gemestet werden, waehrend die fleissigen, zum Beispiel ein Koch mit 1000 Nettogehalt sich den Hintern aufreissen muss!

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08. April 2007 23:36

Politikergehälter runter! Das mindert den Abstand.

norbert doerre (ndoerre)

Ja, da steigt dem Politiker Müntefering die Schamröte ins Gesicht; denn er weiß als halbwegs intelligenter Mensch, daß sein eigener Stundenlohn einschließlich seiner allzu üppigen Pension von genau diesen Menschen bezahlt werden muß, und er ist ja schließlich auch nicht nicht der Einzige. Würde er ohne seine Partei von seinem Beruf leben müssen, stünde er auch nicht viel besser da als die Frisörinnen. Wenn derzeit also von der SPD Mindestlöhne gefordert werden, sollte gerade diese erst einmal die Gehälter und Pensionen ihrer durch die Bürger zwangsernährten, fetten Funktionäre auf einen durchschnittlichen Satz begrenzen. Gerade Politiker entschuldigen stets die eigenen Fehler aufgrund von Nichtkönnen damit, daß sie halt nur einen Durchschnitt der Gesamtbevölkerung darstellen. Dann aber, bitteschön, sollten auch ihre Gehälter und Pensionen diesem Durchschnitt entsprechen. Parteien haben sich in erster Linie zu Versorgungsorganisationen ihrer Funktionäre entwickelt. Die beste Wahlpropaganda bestünde bei beiden sogenannten volksfinanzierten Volksparteien darin, die Einkommen ihrer Funktionäre aus Mitgliederbeiträgen zu erwirtschaften und nicht durch Steuern oder Unterbringung in dafür erfundenen Anstalten des Öffentlichen Rechts.

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08. April 2007 21:39

38 € für Waschen, Schneiden, Fönen?

Franz Müller (Franzy)

Ich zahle noch 17 Euro in Baden-Württemberg für Waschen, Schneiden und Fönen, zuzüglich ein wenig zärtliche Berührung am Kopf und ein nettes Gespräch mit meinem Friseur, Zeitdauer etwa 20 Minuten (ohne Warten).

Kein Wunder, dass bei diesen Preisen ein Bekannter von mir sich sein Haar selbst richtet - mit Flowbee, einem Staubsauger, zwei Spiegeln, einer einfachen Schere, einem billigen Rasiermesser und ein wenig Geschicklichkeit!
Ich durfte mal zuschauen. Die Frisur sieht ordentlich aus, vielleicht nicht ganz perfekt wie von Meisters Händen, aber deutlich gekürzte, sauber geschnittene Haare und recht ansehnlich, Zeitdauer etwa 50 Minuten, Kosten: 10 Cents für Strom. Das Trinkgeld schenkt er sich selbst.



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08. April 2007 20:31

@Jöns-Peter Schmitz (Schmitz4)

Andreas Neubert (Citizen_Kane)

"In dubio pro libertate!"

Es ist ja immer schön, in theoretischen Diskussionen Ideologien zu huldigen. (In ihrem Falle dem Liberalismus, ich selbst bin übrigens auch nicht ideologiefrei).

Aber irgendwann muss jede Ideologie (egal ob Liberalismus, Neoliberalismus, Kommunismus, Sozialismus, usw.) sich der Realität stellen.

Und wenn Menschen von ihrer eigenen Hände Arbeit nicht (und wenn auch "nur" in Würde) leben können, dann wird jede Ideologie zum blanken Zynismus. Prüfstein jeder Ideologie ist die Realität. Kommunismus und Sozialismus haben bewiesen, dass sie diese Prüfung nicht bestanden haben. Für den heutigen herrschenden Wirtschaftsliberalismus (manche nennen es auch Neoliberalismus) steht die historische "Abrechnung" noch bevor. Ideologische Verblendung ist kein Vorrecht unserer Vorgängergenerationen.

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08. April 2007 20:15

Hartz IV

Michael Schultz (Offensichtlich)

Also ich glaube jeder Arbeitslose bekommt mehr als 3,18 € Stundenlohn vom Staat geschenkt!

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08. April 2007 19:40

Mindestlohn- ein leerer Wahn!

Peter Keul (hildennet)

Das ist doch so einfach: Arbeit, die zu teuer ist, findet nicht statt. Vielleicht aber da, wo sie billiger ist. Was nutzt dem Arbeitnehmer ein Mindestlohn, den er nicht bekommt.

Das haben selbst die Kommunisten in China begriffen: schlecht bezahlte Arbeit ist immer noch besser als keine Arbeit - Pardon: das ist in Deutschland nicht ganz richtig, hier füttern die, die arbeiten die Nicht-Arbeiter mit durch. Das ist nett von uns. Aber es wird immer weniger finanzierbar. Selbst bei allgemeiner Gutwilligkeit.

Dem Chinesen, (Inder, Rumänen, Polen....) ist unser Sozialsystem herzlich schnuppe. Er arbeitet für das Geld, was ihm angeboten wird. Die Alternative ist je nach Land betteln, stehlen oder hungern. Diese "grausame" Realität kommt in deutschen Fernsehstuben einfach nicht an.

Der China-Boom lebt einzig und allein vom Lohngefälle. Na und? Was sollen sie sonst machen? Die einzige nennenswerte Recource sind Arbeitskräfte. Willig, fleissig und immer besser ausgebildet.

Ob der Lohn für ein fiktives Lebensstandartmodell ausreicht, ist völlig uninteressant. Müntefering ist das egal. der hat längst ausgesorgt, seine Rente scheint sicher. Er muss nur noch über die nächste Wahl kommen. Danach ist er nicht einmal Geschichte

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