Diese Manager mit einem Lottospieler zu vergleichen ist doch absurd. Ein Lottospieler setzt sein eigenes Geld ein, um vielleicht einmal einen großen Gewinn zu erreichen. Dies tut er ohne Arbeitsplätze zu vernichten und Mitarbeitern die Löhne zu kürzen.
Aber gen au für solche "Leistungen" werden letztendlich Manager
honoriert. Warum soll ich einem Lottospieler neidisch sei?
... und wo bleibt die soziale Verantwortung für unsere Gesellschaft?
Manager und Aktionäre sitzen in der gleichen Yacht. Beide beobachten sie die Börsen mit dem Gedanken: Ich will mehr - der eine eher passiv und der andere aktiv!
Menschen, die nur mit einer Schwimmweste (Marke Hartz IV) im Leben herumtümpeln, weil sie zu teuer für den Arbeitsmarkt sind (viele haben deshalb ihren Arbeitsplatz verlassen müssen), können diese Diskussion sicher nicht so gut verstehen:
Soziales: Hartz IV lässt Kinderarmut steigen
Allein von der 7%-igen Erhöhung eines Durchschnitts-Managers könnten 10 Arbeitnehmer ein Jahr lang ihre Kinder gut versorgen. Weitere Gedanken und Berechnungen mag sich jeder, der die Augen nicht verschließt, selbst machen.
Erstens: Aktiengesellschaften ohne Staatsbeteiligung sind Privatunternehmen. Es sollte den privaten Mitbesitzern einer großen Firma erlaubt sein, ihren "Geschäftsführern" so viel zu zahlen, wie sie es für gut befinden. Oder wollen wir analog zur "Mindestlohndebatte" eine "Höhstlohndebatte"?
Zweitens: Gehälter von Vorständen unterliegen dem Spitzensatz der Einkommenssteuer. Wäre das Gehalt niedriger, würde es den Gewinn erhöhen, aber dadurch auch niedriger besteuert werden.
Drittens: Millionen spielen Lotto in der Hoffnung, mal mehr zu bekommen, wie ein Vorstand in seinem Arbeitsleben. Seltsamerweise fehlen dort die Neiddebatten. Letzlich aber ist das System vergleichbar: Tausende rackern im mittleren und gehobenen Management, um auch einmal zu den wenigen Auserwählten an der Spitze der Gehaltspyramide zu gehören. Ökonomisch ist dies ein effizientes System.
Vierteins: Solange Bundesligaprofis, die noch nicht einmal einen Schulabschluss besitzen, zweitstellige Millionenbeträge kassieren, sehe ich die Proportionalität zu Führungskräften, die für Tausende Verantwortung tragen, doch noch recht gut gewahrt.
"Ach armes D - eine Neiddebatte bringt keine Zukunftswerte"
Todschlagargumente wie "Neiddebatte" aber auch nicht.
Manager bewegen sich nicht im luftleeren Raum, sondern sind Teil der Gesellschaft. Und wenn sehr viele Menschen in diesem Land so manchen Managerlohn als ungerechtertigt und ungerecht empfinden (ich stelle jetzt mal dahin, ob zu recht oder nicht) dann sollte man diese Bedenken ernst nehmen, gerade auch vor dem Hintergrund, dass viele Manager bei Arbeitnehmern anmahnen, zurückhaltend zu sein (gerade auch vor dem Hintergrund einer globalen Ausrichtung, auf die Sie ja selbst hinweisen).
Ein Manager hat Vorbildcharakter (zumindest erwarte ich dass von einem guten Manager). Zudem hat das einfach auch mit sozialer Kompetenz zu tun (die Manager ja auch so gerne für sich in Anspruch nehmen) und die gebietet es in meinen Augen, die Wut, den Ärger und die (manchmal auch) Ressentiments der Arbeitnehmer ernst zu nehmen. Zufriedene Arbeitnehmer sind nämlich auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Und das Wirtschaft zu einem hohen Anteil mit Psychologie zu tun, ist ja wohl mittlerweile eine Binsenweisheit. So viel Fingerspitzengefühl und u.U. persönliche Gehaltsdiziplin muss man von solchen Topkräften erwarten dürfen.
"... die durchschnittliche Barbezüge eines Vorstandsmitglieds in den 30 Dax-Unternehmen um 7,7 Prozent auf rund 1,9 Millionen Euro"
Eine gute Nachricht: Die Managergehälter steigen und zeigen so, dass es an der Zeit ist die Angestelltenlöhne (was anderes sind Manager ja nicht) zu erhöhen. Ein wichtiges Signal an die Entwicklung des allgemeinen Lohnniveaus in Deutschland.
Die Lohnentwicklung bei den Managern macht deutlich, dass eine Lohnerhöhung bei den anderen Berufsgruppen von 7 oder 8 Prozent möglich und nötig ist.
Der Aufschwung trägt Früchte. Bravo!
hm... ist ein Aktionär eines Unternehmens nicht auch nichts weiter als ein Kapitalist, der gerne (durch Nichtstun) ein großes Vermögen verdienen möchte?
Elite, lat. Auslese... Reine Abgreifer können nie zur wirklichen Elite gehören, denn diese zeichnet sich auch durch moralische Werte aus. Sie sind schlicht fehl am Platz. Wie schon in früheren FAZ-Lesermeinungen geschrieben wurde, gibt es z.B. einen Unterschied zwischen Unternehmertum mit vollem Hartz-IV-Risiko und angestellten Vorständen. die in Unternehmen mit anonymen Eigentümerinteressen praktisch kein nicht versicherbares Risiko tragen.
Interessanterweise trägt dem der deutsche Gesetzgeber bereits im Aktiengesetz Rechnung. So heißt es im § 87, das die Gesamtbezüge in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben des Vorstandsmitglieds und zur Lage der Gesellschaft stehen. Dafür hat der Aufsichtsrat zu sorgen.
Dort, wo das immer häufiger vorherrschende Lean Brain Management noch nicht Vorstände und Aufsichtsräte erfaßt hat, mag es noch funktionieren. Wo nicht, mag der § 87 AktG vielleicht eine Grundlage sein, gegen unfähige und korrupte Aufsichtsräte vorzugehen.
Zielvereinbarung:
"Wenn Sie die Personalkosten um X% drücken, dann bekommen Sie davon wiederum einen Anteil ab."
Unter den 20 bestbezahlten Manager Europas befinden sich 10 Franzosen!!
Und die Top 5 in Europa sind (in USD)
Carlos Ghosn (Renault) 45,5
Jean-Paul Agon (L'Oreal) 19,30
Alessandro Profumo (UniCredito) 18,10
Arun Sarin (Vodaphone) 15,20
Antoine Bernheim (Generali) 14,20
Quelle: Les Echos
F. Huber