Von Nico Fickinger
03. Juli 2007 Wenn Eisenbahner streiken, haben sie nicht viele Freunde - erst recht nicht in der Ferienzeit. Und sieben Prozent mehr Geld ist eine stolze Forderung. Die Fahrgäste, deren Tickets schon zum Jahresanfang teurer wurden, werden ahnen, dass ihnen bald die nächste Preiserhöhung ins Haus stehen könnte.
Die Gewerkschaften Transnet und GDBA sind daher gut beraten, den Bogen nicht zu überspannen. Zwar hat die Bahn 2006 ihr bisher bestes Ergebnis erzielt. Doch braucht sie diese Mitgift, um eine attraktive Privatisierungspartie zu bleiben. Einen politischen Kuhhandel - ein hoher Tarifabschluss als staatliches Dankeschön für die Unterstützung des Börsengangs - darf es nicht geben. Noch viel bedeutsamer aber ist der Zwist innerhalb des Gewerkschaftslagers.
Das Beispiel könnte Schule machen
Wie der Marburger Bund für die Ärzte oder die Vereinigung Cockpit für die Piloten gehen jetzt auch die Lokomotivführer eigene Wege.
Man mag sich in der Tat fragen, ob ein Lokführer mit knapp 2200 Euro im Monat nicht unterbezahlt ist. Doch geht es nicht (nur) um den konkreten Fall, sondern um das Beispiel, das Schule machen könnte. Beugt sich die Bahn dem Separierungsdruck, werden bald auch in anderen Wirtschaftszweigen immer mehr Beschäftigte in Schlüsselpositionen kräftige Aufschläge verlangen. Es käme zu einer weiteren Radikalisierung aller Tarifbewegungen, auf die der Bahnstreik nur ein Vorgeschmack ist.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, Frank Röth, reuters