Arbeitsmarkt Medizintechnik

Internationaler Wettbewerb um die Köpfe

Von Rüdiger Köhn

11. März 2007 Der Anteil der Mitarbeiter in der Fertigung des Lübecker Medizintechnik-Herstellers Dräger Medical ist von 63 Prozent vor zehn Jahren auf mittlerweile 14 Prozent gesunken. Das heißt nicht, dass das Gemeinschaftsunternehmen von Drägerwerk (75 Prozent) und Siemens (25 Prozent) in den vergangenen Jahren Massenentlassungen vorgenommen hat.

Dräger steht beispielhaft für die Branche. Die Aufgabenschwerpunkte haben sich in Deutschland verschoben - weg von der reinen Produktion, die in der internationalen Arbeitsteilung aufgeht, hin zu hochqualifizierten Tätigkeiten vor allem in der Forschung und Entwicklung (F & E). Wollen deutsche Firmen im globalen Wettbewerb bestehen, können sie das nur mit innovativen Produkten erreichen.

Im Ausland auf der Suche

„Rund 10 Prozent der Beschäftigten in der Medizintechnik arbeiten in der F & E“, sagt Sven Behrens vom Branchenverband Spectaris. „Das ist ein sehr hoher Anteil.“ Es fällt nicht leicht, den Bedarf aus den Fachhochschulen und Universitäten zu decken, besonders in den Richtungen Physik, Chemie und Biochemie.

Die Medizintechnik befinde sich angesichts der Engpässe in einer kritischen Phase. Zunehmend gehen deutsche Firmen im Ausland auf die Suche. „Der internationale Wettbewerb um Köpfe hat begonnen“, sagt Behrens und spielt auf den globalen Wettbewerb insgesamt an.

„Da ist richtig Karriere zu machen

An deutschen Fachhochschulen und Universitäten gibt es 42 Einrichtungen und 50 verschiedene Studiengänge, in denen der dringend benötigte Nachwuchs herangezogen wird. Das reicht aber nicht. Dabei wagt Behrens gar nicht daran zu denken, sollte tatsächlich einmal der gegenwärtig bestehende Investitionsstau in der Medizintechnik aufgelöst werden. „Dann könnten in den nächsten fünf Jahren durchaus 10.000 neue Arbeitsplätze entstehen.“

Trotz herausfordernder Aufgaben für die Mitarbeiter und trotz wissenschaftlich hoher Ansprüche hat die Branche im Wettbewerb mit anderen Zweigen wie in der Automobilindustrie nicht selten das Nachsehen bei der Rekrutierung. Dabei wird verkannt, dass etwa ein hoher Anteil von Physikern bereits heute in Führungsaufgaben tätig sind. Behrens: „Da ist richtig Karriere zu machen.“

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

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