Bali

Klimafonds für arme Länder eingerichtet

Unternehmen aus Industriestaaten zahlen Abgabe bei Projekten

Von Konrad Mrusek und Holger Schmidt

12. Dezember 2007 Die Klimakonferenz auf Bali hat sich am Dienstag auf einen Fonds verständigt, der armen Ländern von 2008 an bei Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel helfen soll. Er wird nicht aus den Etats der Industrieländer finanziert, sondern aus einer Abgabe auf Klimaprojekte. Der „Mechanismus für saubere Entwicklung“, der im Kyoto-Protokoll vereinbart wurde, erlaubt es Unternehmen aus Industrieländern, ihre Minderung von Treibhausgasen dadurch zu erfüllen, dass sie Emissionszertifikate für Projekte in der Dritten Welt erwerben.

Zurzeit werden mit dieser Methode Projekte für etwa 4 Milliarden Dollar im Jahr abgewickelt. 2 Prozent dieser Umsätze gehen an den Fonds. Er bekommt einen Rat von 16 Mitgliedstaaten und wird vom Globalen Umweltfonds (GEF) verwaltet. Dieser wird von der Weltbank und zwei Organisationen der Vereinten Nationen getragen.

Entwicklungsländer am härtesten betroffen

Um das Management des Fonds war lange gestritten worden, weil die Entwicklungsländer sich zunächst einer Einbindung in die Weltbank widersetzt hatten. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) sagte in Nusa Dua, der Fonds sei eine gute Ergänzung der Programme, mit denen Deutschland die Entwicklungsländer bereits bei der Anpassung unterstütze. „Mit diesem Ergebnis ist ein weiterer wichtiger Schritt getan, um auf den Klimawandel zu reagieren.“

Eine neue Studie der Umweltorganisation Germanwatch und des Versicherungskonzerns Münchener Rück, die auf Bali veröffentlicht wurde, kam zu dem Ergebnis, dass Entwicklungsländer am meisten unter den Folgen der Erderwärmung leiden dürften, weil es dort mehr Stürme, Überschwemmungen und Wetterextreme geben werde als in Industriestaaten. Die Folgen des Klimawandels trafen 2006 am härtesten die Philippinen, Nordkorea und Indonesien, das Gastgeberland der Klimakonferenz. Im Verlauf der letzten zehn Jahre waren Honduras, Nicaragua und Bangladesch am härtesten betroffen.

Peter Höppe, der Risikoforscher der Münchener Rück, sagte, seit 1980 habe sich die Zahl der Stürme verdoppelt und die Häufigkeit von Überschwemmungen und anderen Wetterextremen sogar vervierfacht. Bei den Schäden von Wetterextremen im letzten Jahrzehnt, gemessen als Anteil des Sozialprodukts, liegen China, Amerika, Indien und Indonesien auf den ersten vier Plätzen. Deutschland folgt auf Rang acht.

Text: km./ht./F.A.Z., 12.12.2007, Nr. 289 / Seite 11
Bildmaterial: AP

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