Öffentlicher Dienst

Flughäfen wappnen sich für Warnstreiks

Von Hans-Christoph Noack

03. März 2008 Wer in dieser Woche fliegen will, sollte sich auf mögliche Einschränkungen im Luftverkehr einstellen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi überlegt, im Rahmen des Tarifkonflikts im öffentlichen Dienst deutsche Verkehrsflughäfen in die Warnstreikaktionen miteinzubeziehen. Wie in Luftfahrtkreisen zu hören ist, könnten am Mittwoch zeitlich befristete Aktionen und Arbeitsniederlegungen stattfinden. Nicht betroffen wären Flughäfen mit Haustarifverträgen wie Dresden, Leipzig und Bremen. Verdi wollte diese Gerüchte auf Anfrage am Montag nicht bestätigen. Auch Fluggesellschaften wollten sich auf Anfrage nicht äußern, da es bislang keine offizielle Ankündigung von Verdi gebe.

Nach einem Bericht der „Neuen Presse“ in Hannover plant Verdi, fast alle deutschen Flughäfen in der Hauptverkehrszeit lahmzulegen. Die Zeitung beruft sich auf Gewerkschaftskreise. Sollte es zu Warnstreiks kommen, dann genügten schon an jedem Flughafen eine kleinere Gruppe von Beschäftigten, um den Flugverkehr nachhaltig zu stören. Sollten Mitarbeiter der Flugzeugabfertigung die Arbeit niederlegen, könnten die Flugzeuge nicht betankt oder be- oder entladen werden und müssten somit zumindest zeitweise am Boden bleiben.

Die Folgen wären wohl über den ganzen Tag zu spüren

Da die Flugpläne gerade auf den großen Drehkreuzen in Frankfurt und München eng aufeinander abgestimmt sind, würde eine mögliche Arbeitsniederlegung von 6 Uhr morgens an den Flugplan vieler Gesellschaften durcheinanderbringen. Die Folgen wären für die Passagiere wohl über den ganzen Tag zu spüren. Falls sich auch die Feuerwehr beteiligte, müsste sogar der gesamte Flugbetrieb ruhen, was auch den internationalen Flugverkehr berührte.

Eine Sperrung des deutschen Luftraum ist eher unwahrscheinlich, da in der Deutschen Flugsicherung die Fluglotsen, die bei Verdi organisiert sind, in der Minderheit sind, seitdem sich im Jahr 2004 die Gewerkschaft der Fluglotsen (GdF) gegründet hat. Diese vertritt die Mehrzahl der Lotsen. Da der Tarifvertrag der GdF bis zum 1. November 2008 läuft, besteht für die Fluglotsen damit Friedenspflicht, das heißt, sie dürfen nicht streiken.

Am Donnerstag starten Verdi und die Arbeitgeber von Bund und Kommunen einen neuen Anlauf, um den Tarifkonflikt doch noch ohne Streiks beizulegen. Nach einer Einigung sieht es derzeit jedoch nicht aus: In den vier Gesprächsrunden gab es bisher keine Annäherung. Verdi verlangt für die 1,3 Millionen Angestellten des Bundes und der Kommunen 8 Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 200 Euro. Die Arbeitgeber bieten lediglich 5 Prozent mehr Geld - verteilt auf zwei Jahre - bei einer gleichzeitigen Arbeitszeitverlängerung von 38,5 auf 40 Stunden in der Woche.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.-Foto Rainer Wohlfahrt

 
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