Energie

Gaspreise erreichen Rekordniveau

Von Holger Schmidt

12. Januar 2006 Energie Baden-Württemberg (ENBW) ist Spitzenreiter - im Anheben seiner Energiepreise. Das Unternehmen hat seinen Gaspreis für Haushaltskunden in den vergangenen zwölf Monaten um 30 Prozent erhöht. Mehr als 1000 Euro im Jahr müssen Haushalte dort inzwischen für 15000 Kilowattstunden zahlen. Die Gasanbieter in Ostdeutschland haben die Preise seit Anfang 2005 zwar weniger stark angehoben, sind aber insgesamt noch teurer: In Leipzig und Dresden müssen die Haushalte inzwischen fast 1100 Euro im Jahr für diese Gasmenge zahlen.

In Deutschland formiert sich der Widerstand gegen die Gasversorger. "Die Energieversorger mißbrauchen ihr Monopol, um die Verbraucher zu plündern und ihre Gewinne zu erhöhen. Verbraucher können sich dagegen wehren, indem sie nur die alten Preise zahlen", rät Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher. Mit jeder neuen Preisrunde flattern den Gasversorgern die Musterschreiben der Kunden ins Haus, die sich gegen den Aufschlag wehren. In Hamburg, wo der Widerstand gegen die Preispolitik besonders groß ist, soll schon jeder zehnte Kunde des Versorgers Eon Hanse die Zahlung der Preisanhebung verweigern.

„Reine Weitergabe von gestiegenen Beschaffungskosten“

Die Gasversorger begründen die Inflation beim Erdgas mit den gestiegenen Importpreisen. "Bei dieser Preiserhöhung handelt es sich um eine reine Weitergabe von gestiegenen Beschaffungskosten", begründete Bernhard Reutersberg, Vertriebsvorstand von Eon Energie, den Preisanstieg um 10 Prozent zum Jahresbeginn. Neben dem Marktführer Eon Ruhrgas führen vor allem RWE, Wingas und die Leipziger VNG Gas nach Deutschland ein.

Tatsächlich mußten die Importeure im November des vergangenen Jahres im Durchschnitt 5220 Euro für ein Terajoule Erdgas zahlen, 43 Prozent mehr als vor einem Jahr, hat das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle ermittelt. Im Jahresdurchschnitt liegen die Preise beim Grenzübertritt nach Deutschland um rund 35 Prozent über den Vorjahreswerten.

Kartellbehörden mit dieser Erklärung nicht zufrieden

Allerdings geben sich die Kartellbehörden mit dieser Erklärung nicht zufrieden. Die Wettbewerbshüter stören sich vor allem an den hohen Preisunterschieden in Deutschland. Zum Beispiel verlangen die Stadtwerke Leipzig für das Gas von den Privathaushalten rund 35 Prozent mehr als die EWE in Niedersachsen. "Mit dem Vergleich der Gaspreise wollen wir herausfinden, ob sich die Unternehmen verhalten, als ob sie im Wettbewerb stünden", sagte eine Sprecherin des Bundeskartellamtes. Noch im Januar sollen die Vorermittlungen ihrer Behörde abgeschlossen sein. Daneben überprüfen auch die zuständigen Länderbehörden die Preisgestaltung der Gasversorger.

Die Gasversorger haben versucht, mit der Offenlegung ihrer Kalkulation die Bedenken der Kartellbehörden zu zerstreuen, sie hätten ihre Monopolstellung genutzt, um zu hohe Gewinne zu erzielen. Allerdings hat ein internes Papier, das an die Öffentlichkeit gelangt ist, die Glaubwürdigkeit der offengelegten Kalkulation von vornherein erschüttert. In dem Papier des Eon-Hanse-Konzerncontrolling, das die Risiken der Offenlegung intern bewertet, heißt es zum Beispiel, "insbesondere die Verlagerung der Kosten innerhalb des Gasbereiches - im Trend zum Netz - könnte in einigen Punkten nicht plausibel sein". Unter Bezug auf ein Bewertungsverfahren steht in dem Papier: "Für die Gasbranche ist das Modell prima; mit ein paar wenigen Annahmen hat man mal eben Millionenbeträge von einer Kundengruppe zur anderen geschaufelt." Und zur Gewinnermittlung im Vertrieb heißt es intern: "Wenn man die Praxis der Strompreisgenehmigungen heranzieht, so ist die klare Ansage: Das Vertriebsergebnis hat null zu sein." Das Papier wird in den zu erwartenden Gerichtsverfahren bei der Öffnung des Gasmarktes wohl häufig zur Sprache kommen.

Text: F.A.Z., 12.01.2006, Nr. 10 / Seite 12
Bildmaterial: F.A.Z.

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