17. März 2006 Der Streit über Rentenabschläge für Kinderlose ist neu entbrannt. Eine Reihe von Politikern und Wissenschaftlern fordert höhere Renten für Eltern und Einschnitte bei der Altersversorgung für Kinderlose. "Die Renten von Kinderlosen müßten um die Hälfte gesenkt werden", verlangte der Direktor des Instituts für Wirtschaftspolitik der Universität Köln, Johann Eekhoff.
Der ehemalige Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium nannte eine solche Reform "überfällig". "Kinderlose hätten nie in das Rentensystem aufgenommen werden dürfen, weil es nur funktioniert, wenn es von nachfolgenden Generationen finanziert wird", sagte Eekhoff in der Bild-Zeitung.. Es sei dringend geboten, die Rentenansprüche von Versicherten mit Kindern zu erhöhen und die von Kinderlosen zu verringern. Diese Umstellung müsse langfristig und in kleinen Schritten erfolgen, damit die Betroffenen privat vorsorgen könnten.
Das Bundessozialministerium wies die Forderungen als "abstruse Ideen" und "Schnellschüsse" zurück. Die Vorschläge gingen weit an dem vorbei, was die Bundesregierung für richtig halte. Familien sollten gestärkt werden. Allerdings müsse man sehen, daß Kindererziehungszeiten schon heute stark berücksichtigt würden.
Auch die Rentenversicherer lehnen Abschläge für Kinderlose unter dem Hinweis ab, daß heutige Beitragszahlungen und spätere Auszahlungen ein Äquivalent bilden sollten. Die gesetzliche Rentenversicherung biete seit je Schutz gegen Altersarmut infolge individueller Kinderlosigkeit, heißt es zudem bei der Deutschen Rentenversicherung Bund. Sie dürfe nicht für bevölkerungspolitische Ziele instrumentalisiert werden.
Vorschlag aus der Mottenkiste
Die Grünen-Abgeordnete Irmingard Schewe-Gerigk kritisierte die Idee, die Rente der Kinderlosen zu halbieren, als einen "Vorschlag aus der Mottenkiste". "Wir lehnen es ab, Kinderlose zu bestrafen." Durch eine Reihe von Reformen seien die Rentenansprüche von Erziehenden schon verbessert worden. Nach einer Modellrechnung der Rürup-Kommission könnten Frauen mit mindestens zwei Kindern höhere Rentenansprüche erwerben als kinderlose Frauen. Sie erhielten für zwölf Jahre gestaffelte Beitragszeiten, davon sechs Jahre lang so viel, als ob sie einen männlichen Durchschnittsverdienst erreicht hätten. Auch bei der Hinterbliebenenrente sei eine Kinderkomponente eingeführt worden. Der Familienlastenausgleich habe somit in der gesetzlichen Rentenversicherung einen bedeutenden Umfang angenommen, sagte die Abgeordnete.
Die Forderung nach einer stärkeren Differenzierung zwischen Eltern und Kinderlosen in der Rentenversicherung findet dennoch auch Unterstützung. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis forderte: "Kinderlose sollten entweder eine verminderte Rente bekommen oder mehr in die Rentenkasse einzahlen müssen." Mütter, die zu Hause Kinder erzögen, erbrächten eine Leistung für die nächste Generation. Jene, die voll erwerbstätig seien und keine Kinder hätten, profitierten später von der Leistung der Eltern.
Besondere Leistung für den Generationenvertrag
Die CDU-Familienpolitikerin Elisabeth Winkelmeier-Becker bemängelte, Arbeitnehmer mit Kindern stünden finanziell viel schlechter da als Kinderlose. "Langfristig müssen wir den Gedanken aufgreifen, daß die Kinderlosen weniger Rente bekommen." Der CSU-Familienpolitiker Johannes Singhammer forderte, das Verhältnis zwischen Beitragszahlern mit Kindern und ohne Kinder neu auszurichten. Beitragszahler mit Kindern erbrächten eine besondere Leistung für den Generationenvertrag, die auch honoriert werden müsse.
Der SPD-Sozialexperte Karl Lauterbach sagte: "Wir müßten zu einer Aufstockung der Altersrenten von gering verdienenden Eltern kommen." Der Präsident des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo), Hans-Werner Sinn, sagte, um die Renten trotz Kinderarmut zu sichern, müßten alle Arbeitnehmer 8 Prozent vom Bruttoeinkommen zur Privatvorsorge ansparen. "Für jedes Kind würde ein Teil dieser Sparpflicht entfallen, dafür würde ein Sonderanspruch auf staatliche Extrarente entstehen." Damit würde die Monatsrente der Eltern durch drei Kinder um rund 400 Euro aufgestockt.
Text: enn., F.A.Z., 17.03.2006, Nr. 65 / Seite 15
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa
Berlusconi expandiert auf spanischem Fernsehmarkt
Kopenhagen: Merkel verteidigt Klimagipfel
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.831,21 | −0,23% |
| TecDAX | 815,34 | −0,05% |
| MDAX | 7.393,75 | −0,14% |
| SDAX | 3.555,37 | +0,22% |
| REX | 378,74 | +0,12% |
| Eurostoxx 50 | 2.871,22 | −0,71% |
| Dow Jones | 10.328,90 | +0,20% |
| Nasdaq 100 | 1.807,36 | +1,64% |
| S&P500 | 1.102,47 | +0,58% |
| Nikkei225 | 10.142,00 | −0,21% |
| EUR/USD | 1,4336 | −0,09% |
| Rohöl Brent Crude | 73,88 $ | +0,90% |
| Gold | 1.104,50 $ | −1,12% |
| Bund Future | 123,43 € | −0,01% |