Von Friederike Haupt
07. August 2007 Was für ein Dumpingpreis: Nur 9,90 Euro zahlt der Bieter bei Ebay, wenn er sich einen Energiepass für Wohnhäuser erstellen lassen will. Dieser Ausweis wird Mitte 2008 für viele Vermieter Pflicht. Andere Anbieter solcher Pässe versprechen auf ihrer Homepage Preise von nur 18 Euro; üblicherweise aber zahlt der Hausbesitzer für die einfachste Version des Ausweises 40 bis 60 Euro.
Qualität hat ihren Preis
Trotz des großen Sparpotentials sollten die Immobilienbesitzer aber die Finger von den Billigangeboten aus dem Internet lassen, warnt die Deutsche Energie-Agentur (Dena). Ein seriöses Angebot könne man zu solchen Konditionen kaum erwarten.
Der Energiepass soll Immobilienkäufern und Mietern zeigen, wie energiesparend ein Gebäude ist. Bei der billigsten Variante des Ausweises wird dabei die in den Vorjahren verbrauchte Energie ermittelt. Der Pass soll zwar verbindlich erst am 1. Juli 2008 eingeführt werden. Aber schon jetzt können Hausbesitzer den für zehn Jahre gültigen Pass erwerben. Architekten, Ingenieure und qualifizierte Handwerker dürften ihn ausstellen, heißt es bei der Energie-Agentur. Eine einheitliche Zertifizierung der Anbieter zur Qualitätskontrolle gibt es aber nicht.
Unvollständige Pässe sind ungültig
"Bei den Billigangeboten bemängeln wir nicht, dass sie günstig sind", sagt Thomas Kwapich von der Energie-Agentur. Vielmehr sei das Problem, dass die online bestellten Energieausweise oft unvollständig seien. In manchen Fällen sei der Pass dadurch sogar ungültig. Das kann teuer werden. Mit bis zu 15 000 Euro Bußgeld muss der Vermieter rechnen, wenn das Papier nicht den Anforderungen der Energiesparverordnung entspricht.
Dies kann dann der Fall sein, wenn die vorgeschriebenen Modernisierungsempfehlungen fehlen. Das gilt auch, wenn der Hauseigentümer mit dem Anbieter des Passes vereinbart, auf die Sanierungstipps zu verzichten.
Kontrolle der Daten ist unerlässlich
Problematisch ist auch, dass die Billiganbieter den Ausweis in der Regel erstellen, ohne die ins Online-Formular eingetragenen Werte überprüft zu haben. Das wird sogar noch entsprechend angepriesen: "Sie füllen lediglich einen einseitigen Fragebogen aus, der Ausweis kommt per Post", wirbt ein Billiganbieter bei Ebay, ein anderer verspricht: "Ich benötige nur relativ wenige Daten."
Das ist aber oft zu wenig. "Einfach nur Zahlen übers Internet abzurufen reicht nicht aus", warnt Kwapich. Es ist zwar zulässig, dass der Gebäudeeigentümer die Gebäudemaße und den Energieverbrauch selbst an den Anbieter übermittelt. Darüber hinaus ist dieser aber gesetzlich verpflichtet, die von den Kunden gemachten Angaben auf ihre Plausibilität zu prüfen.
Seriöse Anbieter vermitteln
Die Dena rät, auf Modernisierungsvorschlägen im Energieausweis zu bestehen. Auch sollten Hausbesitzer darauf achten, dass die Anbieter möglichst detaillierte Angaben zur Art und Stärke der Gebäudedämmung, zu der Anlagetechnik und den Verbrauchsdaten abfragen. Diese Daten müssen die Ausweislieferanten persönlich überprüfen: wenn nicht bei einer Vor-Ort-Besichtigung, so zumindest durch Nachfragen am Telefon. Eine Liste von geeigneten Anbietern der Pässe bietet die Energie-Agentur im Internet an unter www.dena-energieausweis.de.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 05.08.2007, Nr. 31 / Seite 41
Bildmaterial: dpa
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