Der Autor berichtet über einen Anstieg der Gesamtzahl an Herzkatheterunterschungen in Dt. um 20%. Privat sind jedoch nur ca 8-10% der Versicherten. Hier fehlt eindeutig eine Aufschlüsselung, wieviele dieser Untersuchungen an PKV- und GKV-Versicherten durchgeführt wurden. Sonst beweist die Zahl nur, dass der Autor meint das es zu viele seien. Zudem nimmt auch der Anteil der Menschen mit Herzkranzverengungen mit steigendem Lebensalter zu. Auch dies wäre statistisch zu berücksichtigen. Das Risiko der Nachblutung einer HK-Untersuchung dem Arzt anzulasten ist zudem zynisch, da diese Untersuchung, so wie viele andere (z.B. Operationen am Leistenbruch, ectr.) in der Regel ambulant durchgeführt werden müssen. Der Zwang und somit die Verantwortung müsste hiermit den Kassen zugerechnet werden.
Interessant ist die Aussage über die bestehende "Preisstabilität" über 24 Jahre (von 1983 bis heute) in der Medizin. Wie der Autor richtig berichtet sollte der Multiplikator nicht die Inflation ausgleichen.
Richtig ist sicher, dass vielerorts eine Anschaffung von neuen Geräten sich nur über die PKV-Versicherten ammortisiert. Wer will es also den Ärzten verdenken, wenn sie diese auch in erster Linie mit den PKV-Versicherten auslasten.
[Zitat: Ärztenachrichtendienst Verlagsgesellschaft mbH ]
Lauterbach bezog Nebeneinkünfte von AOK und Barmer.
Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts sind heute die Nebeneinkünfte der 613 Abgeordneten des Bundestages veröffentlicht worden. (...) Demnach bezog beispielsweise der SPD-Abgeordnete Prof. Karl Lauterbach 2006 Honorar von der AOK in Bayern und im Rheinland sowie von der Barmer Ersatzkasse.
Die Kassen zahlten für "Wissenschaftliche Beratung und Gutachten" den Angaben zufolge jeweils über 7.000 Euro an den Gesundheitsökonomen. Auch die Klinikum Bremen-Mitte gGmbH und die Zeno Veranstaltungen GmbH bezahlten den Politiker für wissenschaftliche Beratung. Darüber hinaus ist auf der Internetseite nun auch die Tätigkeit Lauterbachs im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG aufgelistet. Das Honorar dort wird mit "Stufe 3" (Einkünfte über 7.000 Euro) angegeben.
Damit scheint Lauterbach der Topverdiener unter den Mitgliedern des Gesundheitsausschusses im Bundestag zu sein..."
Sie finden die vollständigen Angaben über die Nebeneinkünfte Lauterbachs hier:http://www.bundestag.de/mdb/bio/L/lauteka0.html
Joachim G. Bammel
Ach, wie schön, daß wirdie FAZ haben! Endlich mal ein Artikel, der uns die ganze Komplexität des Gesundheitswesen auf ein paar simple Aussagen (Fakten?) herunterbricht, das Menü mit einigen süßen Vorurteilen vermengt, die man uns seit Jahrzehnten zum Wiederkäuen vorwirft ["Ärzte sind nur geldgierig", "Ärzte fühlen und gebärden sich wie Halbgötter"], anreichert mit ein ein bißchen moralischer Entrüstung und Sozialneid und als dicken Happen uns auch gleich den Schuldigen serviert - na,so wird's auch (oder besser: gerade) der Dümmste nicht verschmähen !
Keine Frage: Eine Zwei-Klassen-Medizin ist ungerecht! Aber es kann doch wohl nicht darum gehen, denen die gute Versorgung zu nehmen, die sie noch bekommen, sondern nur darum, sie denen zu geben, denen sie vorenthalten wird, denKassenpatienten. Hier liegen die Mißstände !
Der Artikel aber lenkt von diesem eigentlichenKern des Problems (bewußt ?) ab. Die moralische Entrüstung wird unglaubhaft und das Schüren von Sozialneid war noch nie konstruktiv.
Joachim G. Bammel, Edenkoben
Das Urteil ist richtig: es gibt Zweiklassenmedizin.
Aber die Schlußfolgerung ist falsch: Statt das funktionierende System zu zerstören um zu kaschieren, daß das Sachleistungssystem und die Umlagefinanzierung den Anforderungen nicht gerecht werden, sollte man es umgekehrt machen: Das aktuelle Kassensystem sollte auf 10% der Bevölkerung beschränkt werden und das Privatsystem für 90% geöffnet. So war es ja auch ursprünglich gedacht.
Im Zug oder im Flugzeug hat niemand ein Problem damit, daß es zwei Klassen gibt. Und vor die Wahl gestellt lassen sich die meisten lieber in der Holzklasse einpferchen weil es billiger ist. Weil eben alle gleichzeitig ankommen. Auch bei Verspätung.
Statt auf den Leistungserbringern rumzuhacken (ich finde es übrigens sehr bedenklich daß auch die FAZ in diesen Tenor einstimmt) sollte man lieber mal die Kassen unter die Lupe nehmen. Mit gerade mal 15% des Gesamtvolumens der Gesetzlichen KrankenKassen (22 Mrd von 140 Mrd) wird die gesamte ambulante ärztliche Versorgung aufrechterhalten! Wo bleibt der ganze Rest?
Kassen müssen keine Bilanzen erstellen. Kassen unterliegen keiner Rechnungsprüfung. Kassen sind ein politischer Verschiebebahnhof.
Ich bin für DIREKTABRECHNUNG!
Dr_Dolittle
Was mich an diesem Beitrag stört, ist die unterstellte Pauschalierung speziell für Ärzte, das gleiche gilt aber eher mehr statt weniger für Anwälte, Architekten u.ä. Selbständige.
Ich habe persönlich eigentlich noch nie einen wie oben geschilderten Arzt kennen gelernt, anders ausgedrückt auch bei aller nicht so seltenen fachlichen Inkompetenz noch nie einen Arzt kennen gelernt, dem die Effektivität seiner Heilkunst beim Patienten nicht wirklich am Herzen gelegen hätte. Dies kann man bei den eher ökonomische orientierten Beruf in diesem Mass nicht finden.
Gerade dieses Ziel ist aber in der staatlich verordneten Zwangsmedizin deutlich eingeschränkt.
Traditionelle Neidkritiken (gegen die Privaten) spielten ja in der hinter uns liegenden Gesundheitsreform eine wesentliche Rolle und ich habe hier die recht objektive Berichterstattung der FAZ als eher angemessen empfunden und in wohltuendem Kontrast zu der traditionellen zielfreien antiärztlichen Nörgelei der FAZ und anderer Blätter, angefangen mit dem historischen Hetzartickel gegen die Halbgötter in weiss vom Spiegel :-).
Nun exakt in dieser Tradition ist dieser Beitrag, unglaubwürdig
Es steht ihnen ja frei, die einzelnen Gebührenpositionen anzuzweifeln und ggf. nicht zu bezahlen. Welche Untersuchungen notwendig sind um einen sogenannten Notfall vernünftig zu behandlen ist letztendlich wohl ermessenssache jedes einzelnen.
Bei einer Inanspruchnahme des Arztes am Sonntag sind unter dem Strich 60 Euro keine zu große Summe. Einen Schlüsseldienst oder Ähnliches hätte man dafür wohl kaum bekommen. ;))
...ideologisch verblendete Ansichten werden nicht durch Deklaration zu "Tatsachen".
Der Artikel zeigt sehr deutlich, wer die Leistungserbringer im Gesundheitssystem finanziert und wer demgegenüber mit seinen "Zwangsbeiträgen" Bürokratie, Missmanagement und marktferne "Leistungen" mitbestreiten muss.
Und letzteres alles nur mit dem Ziel der Politik(er), Einfluss, Kontrolle und Macht auszuüben - denn "der Markt" muss ja "gezähmt" werden...
habe ich aktuell eine Diskussion mit der Augenklinik meines Wohnortes. Wegen eines winzigen Sandkornes o.dgl. im Auge meines Sohnes suchten wir an einem Sonntag abend einen Arzt auf. Privatpatient, gut, keine Überweisung nötig. Aber statt nun den Fremdkörper zu suchen und zu beseitigen, wurde erst einmal, trotz Schmerzen, ein Sehtest, angeblich auch eine Innendruckmessung, an beiden Augen, obwohl nur eines betroffen war, versucht durchzuführen. Trotz Abbruchs der Untersuchungen wegen Unzweckmäßigkeit, erscheinen alle diese auf der Rechnung. Der eigentliche Punkt nach GOÄ, Entfernung eines oberflächlichen Fremdkörpers, taucht nicht auf, das wären nämlich nur knapp 5 € gewesen. Mit viel Wohlwollen kann ich eine Rechnung von ca. 36 € akzeptieren, der Arzt will aber über 60 €. Es scheint in diesem Sektor normal zu sein, nur Komplettuntersuchungen durchzuführen, um Patienten oder deren Versicherungen um ihr gutes Geld zu bringen.
Eine genaue Rechnungskontrolle ist also notwendig und eine bessere Unterstützung des Patienten durch die Versicherungen gegenüber dem Arzt muß ebenfalls erfolgen. Vielleicht sollte man stets vor der Behandlung nach den Kosten fragen.
Ich bin seit 10 Jahren privat versichert und bin tatsächlich noch nicht einmal eher drangekommen. Habe es auch nie versucht, weil mir das unangenehm wäre. Aber ich war auch noch nie wirklich krank. 3 Monate auf einen Tag zu verkürzen, ist ein starkes Stück und spricht dafür, das sozialistische Versicherungssystem ganz abzuschaffen, meine ich. Der Arzt hat sich lediglich systemkonform verhalten.
Warum wurde unser Gesundheitssystem überhaupt in Privat- und Pflichtversicherte aufgeteilt? Solidarische Gründe können hier wohl nicht der Grund sein.
Diese allererste Entscheidung, die überhaupt unsere Diskussionen ermöglicht, wurde bis heute nicht ehrlich geklärt.
Vielmehr kursiert wohl die Angst, dass "Privatpatienten" in Zukunft zu gleichen Teilen an den Aufwendungen unseres Gesundheitssystem beteiligt werden könnten.
Tatsache ist: Die Privatpatienten profitieren überproportional vom Gesundheitssystem, das die Pflichtversicherten bezahlen und aufrecht erhalten.
Aber wenigsten können jetzt nicht mehr alle so einfach in die Gesetzliche abgeschoben werden, wenn sie alt, krank und arm geworden sind.
Aber trotzdem bleiben die Rücklagen bei den Privaten, um die Beiträge niedrig zu halten und die Gesetzlichen dürfen diese Menschen aus Solidarität mit ihren immer weiter steigenden Beiträgen mitversorgen.
Das ist der wirkliche Grund für unser zweigeteiltes Gesundheitssystem.
Der Geldstrom führt dich zum Urheber.
.....Gesundheitssystem, auch wenn er darüber ein Buch geschrieben hat. Deswegen werde ich mir dieses Buch nicht kaufen.
Hr. Lauterbach würde ich empfehlen, eine Auszeit von seinem Mandat zu nehmen und längere Zeit sich vor Ort kundig zu machen.
Danach kommt er vielleicht auf den Trichter, was seine Vorstellungen bewirken.
Vor allem wird er feststellen, dass Theorie und Praxis voneinander abweichen.
Im Besonderen wird er feststellen, dass die von ihm negativ belegte "Zweiklassengesellschaft" besser funktioniert als er unterstellt.
Gesundheitsfachleute sind eh nur so gut bzw schlecht, wie es seine Ideologie von der Klassengesellschaft zulässt. Dadurch wird er stets im Nachteil und im Ruf sein, auf einem Auge zumindest blind zu sein.
Das deutsche Gesundheitssystem ist grundsätzlich belastbar. Ob es stets effektiv und damit auch wirtschaftlich praktiziert wird, ist wohl eine berechtigte Frage. Je mehr sich der Staat einmischt oder die Abläufe und Kosten für den Patienten als Kunden wenig transparent sind, steigt die Gefahr der Ineffizienz.
Wenn der Staat z.B. die Kosten in der GKV deckelt, zeugt das auch von Mißtrauen. Dadurch erwächst die Gefahr, dass das private System der PKV als Ausgleichtopf herhalten muss.
Ein Patient hat, wenn er die Augen und Ohren aufhält, schon ein Gespür dafür, ob er ggf mehr als erforderlich therapiert wird. Wenn er mutig ist, weist er darauf hin.
Da unsere Mitbürger sehr aufgeklärt erscheinen, dürfte ihnen der Mut eigentlich nicht fehlen. Aber diese Rechnung geht leider nicht auf. Also bleibt alles beim alten.
Ich finde es jedoch nicht sachgerecht, wenn Ärzte und Pflegepersonal die Folgen der Gesundheitsreform allein ausbaden müssen.
Da gibt es sicherlich Bereiche, in denen wirtschaftlicher gehandelt werden kann. Wenn das Kostenbewußtsein auf allen Ebenen noch mehr verstärkt wird-insbesondere im Bereich der Verwaltungen-durch Schulungen etc. könnten die Verwerfungen i.B. der GKV sicherlich zurückgeführt werden.
Das ist der Versuch, ein privates, gut funktionierendes Gesundheitssystem, das den Steuerzahler nicht belastet, zu diskreditieren. In dieses Weltbild passen nur gleichmacherische Systeme, bei denen nach sozialistischer Art in die Taschen der Leistungsträger gegriffen wird, um es dann im Appel an die Neidkomplexe nach Gutdünken zu verteilen.
Der "mündige Bürger", den einer seiner Parteivorsitzenden einst erfand, bedarf seltsamerweise bei der Regelung seiner ureigensten Angelegenheiten des Staates. Welche Schizophrenie!
Ernst-Markfried Kraatz
Die Angaben zu den unterschiedlichen Steigerungsraten für Arzneien und sonstige Behandlungen bei Kassen- bzw Privatpatienten sind insofern nicht ganz aussagekräftig, weil darin nicht berücksichtigt ist, wieviele Leistungen von den Kassenpatienten selbst bezahlt werden, wenn die Kasse dafür nicht (mehr) aufkommt, die bei privater Versicherung noch von der Krankenkasse übernommen werden.
Zitiere Sie:
"Falsch ist, daß Privatpatienten nicht warten: ich bin bei keinem Arzt anders behandelt worden als die Kassenpatienten."
Meine Erfahrrung diesbezüglich ist eine andere.
Im Januar d. J. Anruf beim örtlichen Orthopäden wegen eines Arzt-Termins. Zunächst als vermeintlicher Kassenpatient wurden mir ca. 3 Monate Wartezeit offeriert. Nach einem Hinweis darauf, daß ich privat versichert wäre wurde daraus ca. 1 Woche Wartezeit. Und nachdem ich sämtliche Überredungskünste eingesetzt hatte, bekam ich einen Termin am nächsten Tag.
Ein Kassenpatient wäre wohl an den Hausarzt bzw. an die örtliche Ambulanz eines Krankenhauses verwiesen worden.