FAZ.NET-Spezial: Henrico Frank

Gewaschen, rasiert und arbeitslos

Schon fast ein Medienstar: Henrico Frank

Schon fast ein Medienstar: Henrico Frank

23. Dezember 2006 Der Fall Henrico Frank erhitzt seit Tagen die Gemüter. Darf ein arbeitsloser Maurer ungestraft ein halbes Dutzend Stellen ausschlagen, die ihm der SPD-Vorsitzende Kurt Beck höchstpersönlich vermittelt hat?

Ungestraft wohl nicht. Doch mehr als eine Kürzung des Arbeitslosengeldes ist vorerst nicht zu befürchten. Dieser Staat läßt niemanden verhungern. Und niemand fällt – so groß die Maschen bisweilen auch sein mögen – durch das soziale Netz.

Unwillige stärker in die Pflicht nehmen

Selbst die Leistungskürzungen lassen sich umgehen: Wer mit Krankmeldung, ungepflegt oder verspätet zum Vorstellungstermin erscheint oder wie Henrico Frank seine Geisteshaltung durch Anstecker („Arbeit ist Scheiße“) kundtut, schreckt auch den einstellungswilligsten Arbeitgeber ab.

Nach wie vor hat der Staat kaum eine Handhabe, Unwillige zur Arbeit zu zwingen. Das ginge nur, wenn Außendienstkontrollen oder Besuche des Amtsarztes verstärkt würden und man den Erwerbslosen durch die Pflicht zu gemeinnütziger Arbeit keine Chance zu Untätigkeit oder Schwarzarbeit ließe.

Das würde die Betroffenen nicht nur aus der Sozialhilfefalle reißen, ihre Stigmatisierung beenden und Dequalifizierung stoppen. Auch liefen alle Stammtischunterstellungen, die Masse der Erwerbslosen wolle gar nicht arbeiten, ins Leere. Und es würde jene Verkäuferinnen, Krankenschwestern, Busfahrer und Maurer entlasten, die Menschen wie Henrico Frank finanzieren.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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