> "Ein Mindestlohn w.o. würde den vorhandenen Wettbewerb einschränken und viele Frisöre arbeitslos machen durch Entlassung. Zudem können die neuen Preise durch künstliche Lohnerhöhung nicht aufgefangen werden."
Das halte ich für übertrieben. Ob ich nun wie bisher 14€ bezahle oder 20€, macht bei der üblichen Besuchsfrequenz die Kuh auch nicht fett. Bei Preisen für Frauen wird der Unterschied noch weniger auffallen. Wir reden ja nicht über einen Mindestlohn von 12€.
Es kann aber nicht angehen, daß manche Branchen unter 3€/Std. bezahlen (z.B. Zimmermädchen). Diese Arbeit ist mehr wert, und würde bei anderen Dingen juristisch sicherlich als sittenwidrig eingestuft. Man muss von seinem Lohn schon auch leben können.
> "Die Folge wäre, dass künftig in Schwarzarbeit-wie heute bereits- ausgewichen würde."
Nein, das halte ich für einen Denkfehler. Da ich zufälligerweise einige Friseure kenne: Die arbeiten in erster Linie deshalb schwarz, _weil_ sie offiziell so wenig bekommen, daß sie schwarz hinzuverdienen müssen.
Es wird immer davon geredet, dass man ja zum Friseur gehen muss und nicht ins Ausland oder auf andere Produkte ausweichen kann, wenn im Zuge eines Mindestlohns die Friseurpreise rauf gehen.
Das ist ein Trugschluss.
Man kann sich zu Hause die Haare schneiden lassen. Viele Leute in den Grenzregionen gehen schon heute ins Ausland zum Haare schneiden. Und wenn das alles nicht geht, kann man noch immer "weniger oft" zum Friseur gehen. Anstatt alle 2 Monate, eben nur noch alle 3, etc.
Bei allen ist das Ergebnis: Arbeit geht verloren!
.....da man bekanntlich nur Gleiches mit Gleichem und nicht Äpfel mit Birnen vergleichen darf.
Dafür sind z.B. die sozialen Unterschiede in den jeweiligen Ländern oft gravierend.
Oft wird Luxemburg benannt, wo ein Mindestlohn von 10,10 € besteht. Das reizt natürlich, dem nachzueifern.
Fatal, denn Luxemburg hat einen enormen Arbeitskräftemangel!!!
Daran gemessen, sind 10,00 € noch zu wenig.
Dass das pro Kopf - Einkommen der Luxemburger in Europa an der Spitze steht, ist ein weiteres Indiz für die Unvergleichbarkeit.
Deswegen können nur die innerdeutschen Maßstäbe berücksichtigt werden. Selbst die sind nicht einfach zu ermitteln.
Gerecht wäre es, im Rahmen eines Solidaritätsausgleiches von den mittleren und größeren Einkommen etwas abzuzweigen (Solidaritätsbeitrag) und auf einen dann gesetztlich vorgeschriebenen geringen Mindestlohn
(ca. 4-5 €/Std.) draufzusatteln.
Sodaß das Argument, ein Mindestlohn würde Arbeitsplätze kosten, wegfällt.
Das wäre doch gerecht, oder?
...hier würde besonders deutlich, was ein Mindestlohn von 7,50 € bewirkt.
Die Entlohnung war bereits in der Vergangenheit abweichend, weil z.B. Trinkgeld eingerechnet wurde.
Es ist auch zu berücksichtigen, dass ein Überangebot an Fachkräften und Friseurgeschäften besteht, d.h. ein harter Wettbewerb existiert.
Ein Mindestlohn w.o. würde den vorhandenen Wettbewerb einschränken und viele Frisöre arbeitslos machen durch Entlassung.
Zudem können die neuen Preise durch künstliche Lohnerhöhung nicht aufgefangen werden.
Die Folge wäre, dass künftig in Schwarzarbeit-wie heute bereits- ausgewichen würde.
Verstärkte Arbeitslosigkeit und Schwarzarbeit ist aber nicht das Ziel gesetzlicher Maßnahmen. Der Staat hat bereits in der Vergangenheit gesündigt, als er die Hartz-Regelungen, Minijobs und 1 € Jobs einführte.
Die negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sind deutlich sichtbar und sollten im Zeichen des Wirtschaftswachstums verändert werden.
Die das nicht sehen, sind die wahren ideologischen geblendeten Menschen, die auf beiden Augen "blind" sind.
Die Lobby wird immer dreister.
Ich schlage vor, dass die FAZ den Mut aufbringt, bei der Nennung jedes einzelnen Namens dieser Herren gleich mit anzugeben, für welche Interessengruppe er tätig ist!
Alle werden zwar unisono protestieren, weil sie ja alle " unabhängig" sind. Doch glauben tut das niemand !
Ich würde mir an Ihrer Stelle ernsthaft Sorgen um meine Glaubwürdigkeit machen. Oder Sie sind der neuesten Offensive der INSM und der Versicherungswirtschaft erlegen bzw. müssen deren hanebüchene Thesen vertreten. Dann allerdings gehört Ihnen mein volles Mitgefühl.
@shorafix,
"Die Friseurin in Sachsen (Nähe Tschechische Grenze), die in Zukunft einen Mindestlohn erhalten könnte, verliert wohl eher Ihren Arbeitsplatz"
Wie viel Elsässer (Franzosen, Mindestlohn) lassen sich eigentlich im Saarland (Deutsche, keinen Mindestlohn) die Haare schneiden?
@agw,
"Es fehlt also eine (minutengenaue) Definition, was für die SPD/PDS "Vollzeit arbeiten" bedeutet."
Auch Tarifverträge sind nicht minutengenau sondern stundengenau. Stundenforderungen gibt es. Es ist richtig, dass dies dann bei Halbtagstätigkeit zum Leben nicht ausreichen würde. Aber wenn nur noch Halbzeitbeschäftigte zusätzlich staatliche Unterstützung bedürfen, wären wir ja schon mal einen großen Schritt weiter.
@Torsten Klier,
$5,15 ist der bundesweite Mindestlohn. In 18 Staaten und Städten ist er höher (natürlich nirgendwo niedriger, geht ja nicht). Dies reicht bis zu $10,50 ab 2008 in Santa Fe.
@ ASchalk,
"Herr Prof. Bofinger, als Gewerkschaftsnaher Ökonom, für einen Mindestlohn von 5 Euro eintritt."
Er spricht davon mit 5 Euro "zu beginnen". Damit könnte ich auch leben (und dann z.B. jährlich mit 50 Cent erhöhen. Darauf können sich Unternehmer dann auch einstellen).
@ Patou,
da die Grenzen nicht geschlossen werden, keine Zölle erhoben werden und Mindestlöhne für In- und Ausländer in Deutschland gelten, haben Mindestlöhne nicht das geringste mit Protektionismus zu tun.
@ rkimpel,
"Alle Wirtschaftsexperten und Forschungsinstitute bestätigen, dass der Mindestlohn extrem schädlich ist. Drittens: Faktisch haben wir ihn ja sowieso."
Wenn wir ihn eh faktisch schon haben, können wir ihn doch auch einführen. Schaden kann's dann ja nicht...
@ sascha_f,
"Wenn eine Arbeit 3,50 wert ist, wird sie auch so bezahlt."
Und wenn eine Arbeit 7 Euro wert ist, der AG aber aufgrund von Marktmacht 3,50 Euro durchsetzen kann, wird auch nur 3,50 Euro bezahlt werden. Klarer: Ihr Argument gilt nur bei starken Gewerkschaften.
@ Patrick42,
"Wie bereits angesprochen gibt es bereits einen faktischen Mindestlohn durch das ALG II"
Dies wäre nur der Fall, wenn ein ALG II-Bezieher eine Arbeitsaufnahme unterhalb von 6,50 Euro ohne Androhung von Sanktionen verweigern könnte. Da dies nicht der Fall ist, stellt ALG II keinen (faktischen) Mindestlohn dar.
Man nehme 14 mehr oder weniger landbekannte Mietmäuler und Bofinger als zugelassene Gegenstimme, und schon meint man "belegen" zu können, was eine stark wachsende Anzahl Ökonomen inzwischen als unrichtig erkannt hat. (Dort geht der Trend ja wieder deutlich in Richtung Keynes.) Von bisher der äusserst positiven Empirie mal ganz abgesehen.
Nun, die deutliche Mehrheit der Deutschen wollen einen Mindestlohn - und zumindest theoretisch leben wir in einer Demokratie. Ich denke, er wird zwangsläufig kommen, und dann wird man sehen, wie schnell man die Unkenrufe vergessen wird.
FAZ, ihr wart auch schon mal besser...
Es ist schon erstaunlich mutig, die Expertisen von gestandenen Wissenschaftlern als ideologisches
Geschwätz abzutun.
Die Einschätzung wird aber nicht widerlegt. Das ist der entscheidende Unterschied.
Selbst ein Mindestlohn z.B. in USA verhindert nicht die notwendige Annahme mehrer Jobs, um leben zu können.
Dabei werden häufig lange Anfahrten in Kauf genommen.
Also Butter bei die Fische. Nur das zählt!
Von einer notwendigen Qualifizierung ungelernter Kräfte wird eine entsprechende Bezahlung abhängen und daran mangelt es. Die Rolle der Gewerkschaften ist auch nicht hilfreich, wenn keine Interessen verteten werden.
Es ist schon seltsam. Da gibt es in beinahe allen entwickelten westlichen Ländern, sowohl in Europa als auch in Übersee, Mindestlöhne. Und dort wo es keine Mindestlöhne gibt sind die Gewerkschaften institutionell so eingebunden das sie ob ihrer Stärke Tariflöhne durchsetzen können (Skandinavien). In keinem dieser Länder kam es zu den Erscheinungen die unsere Experten für diesen Fall vorhersehen. Das kann natürlich nur heißen das Deutschland ein so einzigartiges, wunderbar anderes Land ist das sämtliche Regeln, die in anderen Ländern gelten, bei uns aufgehoben sind. Denn würde man der praktischen Erfahrung anderer Länder und deren empirischen Daten glauben schenken würde das ja andersrum heißen das wir es in Deutschland nicht mit Wirtschaftsexperten sondern mit einem Haufen Ideologen zu tun haben welcher raionale Erfahrung knallhart ignoriert. Und das glaubt doch wohl keiner...
Das kennen wir doch längst vom Studium: Jeder Prof muss sich nuanciert absetzen. Und fleißig wird am Problem vorbei diskutiert. In Großbetrieben wird für die gleiche Arbeit und Leistung oft das Doppelte und Dreifache bezahlt, obwohl sich die Qualifikation der Beschäftigten nicht unterscheidet. Da müssten diese Betriebe also nach der Logik dieser Diskussion längst pleite oder wenigstens in Moldawien sein.
Nächstes Glanzstück sind die kolportierten Zahlen der verloren gehenden Arbeitsplätze: 100.000, 250.000, mehr bietet mehr? Ah, da wird eine Million aufgerufen! Höre ich 2 Millionen? Keiner Ex - perten bringt einen annähernd stichfesten Beweis. Saudummes Geschwätz, würde der Valentin sagen.
Bei der SZ erschien ein ebenfalls interessanter Artikel zum Thema: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/876/118737/
Auch mit dem Bewusstsein eines drohenden Angebotsüberhangs aufgrund eines Mindestlohnes, bedingt doch eine gewisse Menschlichkeit sich aktiv gegen 3.20€ die Stunde zu wehren? Um Stundenlöhne in dieser Größenordnung gut zu heißen, braucht es schon einen stark ausgeprägten Marktfetischismus. Wenn man bedenkt, dass all die schönen Rechnereien von einem vollkommen polypolistischem Ideal ausgehen, was es nicht gibt.
Ich frage mich auch, wie der gerechte Mindestlohn errechnet werden soll und wie dadurch das Ziel erreicht werden kann, dass kein Arbeitender je wieder Hartz-IV beantragen muss.
Selbst im Falle eines Alleinstehenden finde ich dort keine Antwort.
Wenn man von 40 Stunden/Woche und 7,50 Euro ausgeht, liegt das gerechte Monatsbrutto also bei 1290 Euro.
Darunter wäre zu wenig.
Jeder, der nur einen Job mit z.B. 38,5h Stunden/Woche und Mindestlohn angeboten bekommt, müßte ja doch wieder zum Amt (was ja verhindert werden soll).
Es fehlt also eine (minutengenaue) Definition, was für die SPD/PDS "Vollzeit arbeiten" bedeutet.
Sobald dann weitere Personen zum Haushalt dazukommen kann man die obige Rechnung aber wieder über den Haufen werfen.
Im Prinzip kann (auch im Zuge der Familienförderung) von Links nur ein Mindestlohn gefordert werden, der abhängig von der Anzahl der im Haushalt lebenden Personen ist.
Und das ist so wahnwitzig, dass man darüber wohl nicht diskutieren muss.
Der Weg zum Amt würde also in jedem Falle nur dem Alleinstehenden mit min. 40h Wochenarbeitszeit oder Doppelverdienern erspart bleiben.
Ich denke die hier dargestellten Meinung der Ökonomen treffen auch die Mehrheitsverhältnisse der Wissenschaft. Dabei finde ich es besonders Interessant, dass Herr Prof. Bofinger, als Gewerkschaftsnaher Ökonom, für einen Mindestlohn von 5 Euro eintritt. Damit bleibt er doch sehr deutlich unter dem, was SPD und Linke vorschlagen. Der Populismusverdacht verstärkt sich dadurch.
Das hier das Problem der Mitnahmeeffekte bei einer negativen Einkommensteuer/Kombilohn angesprochen worden ist, finde ich exemplarisch. Jeder kann sich das Vorstellen und es erscheint auf den ersten Blick auch logisch. Jedoch ist es falsch, nur die Erklärung ist etwas komplexer. Dazu muss man wissen, was das Wertgrenzprodukt ist und was passieren würde wenn, wie hier impliziert, der Lohn unter diesem Niveau liegt. Da ist es einfacher Stammtischargumenten zu Vertrauen und an das Bild vom Ökonomen im Elfenbeinturm zu glauben.