Banken suchen eigene Regeln

Verhaltenskodex soll Krisen verhindern

Von Benedikt Fehr, Daniel Schäfer und Hanno Mußler

09. April 2008 Der internationale Bankenverband IIF will mit einem Verhaltenskodex für die Branche Vertrauen zurückgewinnen und eine zusätzliche staatliche Regulierung verhindern. „Wir werden alles tun, um unsere Häuser selbst zu reinigen und dies nicht dem Gesetzgeber zu überlassen“, sagte der Präsident des internationalen Bankenverbands IIF, Josef Ackermann. „Wir haben die Fähigkeit, schnell und selbständig mit dem Problem umzugehen.“ Das Institute of International Finance, dem weltweit mehr als 375 Finanzunternehmen angehören, präsentierte dazu am Mittwoch in Frankfurt einen Katalog von Vorschlägen, der unter anderem eine Selbstverpflichtung der Branche, eine schärfere Aufsicht über die Ratingagenturen und eine Änderung der Bilanzierungsregeln vorsieht.

Angesichts der seit dem vergangenen Sommer tobenden Finanzkrise erwägt die internationale Politik derzeit in verschiedenen Gremien eine schärfere Regulierung der Branche. In der vergangenen Woche hatten die EU-Finanzminister beschlossen, bis zu 30 europäischen Geldkonzernen öffentliche Expertengremien an die Seite zu stellen. Am Freitag befassen sich die Finanzminister und Notenbankgouverneure der sieben wichtigsten Industrienationen (G7) auf einem Treffen des Financial Stability Forum in Washington mit dem Thema.

Banken wollen Bilanzierungsregeln ändern

Angesichts der Kreditkrise drängt der Bankenverband auch auf Änderungen der Bilanzierungsregeln. Es sei von höchster Priorität, den Schwächen der derzeit vorgeschriebenen Bewertung von Vermögenswerten nach aktuellen Marktpreisen zu begegnen, heißt es in dem von Deutsche-Bank-Chef Ackermann präsentierten Bericht des IIF. Demnach haben die Regeln zur Bewertung nach aktuellen Marktpreisen („mark-to-market“) erheblich zu den jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten beigetragen. Banken, Bankaufseher und Wirtschaftsprüfer müssten nun rasch nach gangbaren Wegen suchen, die Regeln so zu ändern, dass die destabilisierende Abwärtsspirale von Zwangsverkäufen, Wertberichtigungen und erhöhten Liquiditäts- und Risikoprämien gestoppt werde. Die Vorschläge zielten aber nicht darauf, dass Banken nicht die Verluste tragen sollten, die sich aus dem gültigen Regelwerk ergeben, heißt es.

Zu den weiteren Dutzenden von Vorschlägen, die der Bericht auf 24 Seiten auflistet, zählt, dass die Ratingagenturen einer unabhängigen externen Kontrolle unterworfen werden sollten. Hintergrund sind die Vorwürfe, dass den Ratingagenturen bei der Bewertung von amerikanischen Hypothekenanleihen sowie den neuartigen strukturierten Finanzprodukten grobe Fehler unterlaufen seien. Hinsichtlich der umstrittenen Vergütungssysteme, die vielen Bankmitarbeitern Anreize zu riskanten Geschäften gegeben haben, pocht das Bankeninstitut darauf, dass die Vergütung Sache des Bankvorstands und -aufsichtsrats bleiben müsse - also keinen von außen gesetzten Regeln unterworfen werden solle. Künftig müsse aber über Einbehaltung von Boni sichergestellt werden, dass jeder Mitarbeiter die langfristige Ertragslage des Unternehmens im Auge behalte.

Die IIF-Vorschläge stießen auf ein gemischtes Echo. So haben sich die deutschen Genossenschaftsbanken gegen Änderungen an den geltenden Bilanzregeln ausgesprochen. Die Ursachen der Krise lägen in verfehlter Geschäftspolitik, heißt es in einer Stellungnahme. In guten Zeiten hätten die neuen IFRS-Regeln bewirkt, dass nicht realisierte Gewinne zu steigenden Ergebnissen und damit auch zu höheren Gehältern der Bankmanager geführt hätten. Demgegenüber zeigte sich der Sparkassenverband für eine Änderung der Bewertungsregeln offen. Die privaten Banken begrüßten die IIF-Vorschläge. Er sehe keine generelle Notwendigkeit zu neuen aufsichtsrechtlichen Verschärfungen, teilte ihr Verband mit.

Die Vorschläge im Überblick

Stärkung des Risikomanagements: Das Risikomanagement sollte künftig nicht nur der Kontrolle dienen, sondern Bestandteil der Unternehmensstrategie sein. Die vom Vorstand festgelegte Risikobereitschaft muss im Unternehmen klar kommuniziert werden.

Eigenkapital: Noch zu diskutierende Maßnahmen sollten systemgefährdende prozyklische Effekte der neuen Eigenkapitalvorschriften („Basel II“) begrenzen.

Vergütungssysteme: Die Vergütung der Bankmitarbeiter muss durch vorläufige Einbehaltung von Boni oder andere Mechanismen eng nicht mit der kurz-, sondern der langfristigen Profitabilität des Unternehmens verknüpft werden.

Liquiditätsmanagement: Statt generellen Regeln zu unterliegen, sollte das Management des Liquiditätsrisikos auf das Geschäftsmodell der einzelnen Bank abstellen.

Liquiditätsversorgung: Die Zentralbanken sollten bei Refinanzierungsgeschäften mehr Vermögenswerte als Sicherheiten akzeptieren.

Bewertung von Vermögenswerten: Dringend nötig ist ein Dialog zwischen Banken, Aufsehern und Wirtschaftsprüfern über das Prinzip der Bewertung zu aktuellen Marktpreisen. Es gilt rasch festzustellen, ob es gangbare Wege gibt, die destabilisierende Abwärtsspirale von Zwangsversteigerungen, Wertberichtigungen und erhöhten Risikoprämien, die von dem „Mark-to-Market“-Prinzip ausgeht, zu begrenzen.

Ratingagenturen: Die Bewertungsverfahren der Ratingagenturen sollten einer unabhängigen externen Kontrolle unterworfen werden.

Transparenz: Die Qualität der Informationen über strukturierte Produkte muss verbessert werden. Zu erörtern ist, ob die Emittenten solcher Produkte angeben müssen, ob sie einen Teil der Emission auf ihren Büchern halten oder nicht. (F.A.Z.)



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS

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