Energie

Gazprom will an Shell-Projekt teilhaben

Begehrlichkeiten beim russischen Monopolisten Gazprom

Begehrlichkeiten beim russischen Monopolisten Gazprom

20. September 2006 Im Streit mit dem Ölkonzern Royal Dutch Shell über das Förderprojekt Sachalin 2 hat Rußland weitere Fortschritte von einer Beteiligung des Gasmonopolisten Gazprom abhängig gemacht. Das Projekt könnte schneller vorankommen, wenn ein Staatsunternehmen wie Gazprom beteiligt werde, sagte Rußlands Botschafter in Japan, Alexander Losjukow, am Mittwoch.

Damit klären sich allmählich die Hintergründe für den jüngsten Gegenwind aus Moskau. Die russische Regierung hatte Shell die Umweltlizenz für das Gas- und Ölfeld-Projekt „Sachalin II“ entzogen. Das Vorgehen der Regierung in Moskau wurde bereits gestern von Beobachtern als Versuch gewertet, direkten Einfluß auf lukrative Energieprojekte zu gewinnen oder einheimische Produzenten zu beteiligen. Der für Energie zuständige EU-Kommissar Andris Piebalgs hatte am Dienstag die russische Regierung mit deutlichen Worten davor gewarnt, Unternehmen aus der EU bei Investitionen in der russischen Energiewirtschaft zu benachteiligen.

Die russische Regierung will eine Beteiligung

Die Gespräche über eine Beteiligung Gazproms könnten noch in diesem Jahr zu einem Ergebnis kommen, sagte der russische Botschafter in Japan. Er ließ jedoch offen, wann dort die Gasförderung beginnen könnte. Losjukow unterstrich mit seinen Äußerungen den Wunsch der russischen Regierung nach einer höheren Beteiligung an dem 20-Milliarden-Dollar-Projekt.

Das Abkommen zwischen der russischen Regierung und Shell über die Gasförderung datiert aus den frühen 90er Jahren, als der Ölpreis noch deutlich niedriger war als heute. Sachalin 2 ist eines der wenigen russischen Gasprojekte, die vollständig in der Hand ausländischer Investoren sind. Neben Shell sind die beiden japanischen Unternehmen Mitsui und Mitsubishi Corp. mit 25 beziehungsweise 20 Prozent beteiligt. Es wird bereits Öl gefördert, mit dem Export von Flüssiggas sollte ursprünglich 2008 begonnen werden.

Warnende Worte aus Japan

Rußland sei es bei den jüngsten Umweltauflagen nicht darum gegangen, das Projekt weiter zu verzögern, betonte Losjukow. Allerdings müßten immer noch etwa 60 Verstöße gegen Umweltauflagen geklärt werden. Die Gaslagerstätten befinden sich in einer ökologisch sensiblen Region vor der Insel Sachalin nördlich von Japan. Dort liegen nach Informationen von Umweltschutzorganisationen die Futtergründe für seltene Walarten.

Der designierte japanische Ministerpräsident Shinzo Abe hatte am Dienstag davor gewarnt, daß weitere Verzögerungen bei Sachalin 2 die diplomatischen Beziehungen zwischen Japan und Rußland belasten könnten. Das Verhältnis zwischen Rußland und Japan wird seit Jahrzehnten durch einen Territorialkonflikt getrübt. Japan und Rußland streiten sich um die Kurilen, eine Inselgruppe östlich der Insel Sachalin.

Gespräche zwischen Gazprom und Shell stockten

Auch die EU-Kommission schaltete sich in die Diskussion ein und forderte Rußland auf, die internationalen Vereinbarungen in Energiefragen einzuhalten. Gazprom hatte mit Shell seit längerem über einen Anteilstausch verhandelt. Der russische Konzern sollte eine Beteiligung von 25 Prozent an Sachalin 2 erhalten, im Gegenzug sollte Shell Zugang zu einem anderen Förderprojekt in Westsibirien erhalten. Die Gespräche sind laut Gazprom jedoch vor einem Jahr ins Stocken geraten, als sich abzeichnete, daß die Kosten für das Projekt das ursprünglich gesteckte Ziel deutlich übertreffen. Shell hatte dem Tausch bereits zugestimmt.

Der amerikanische Ölkonzern Exxon Mobil hat unterdessen Informationen aus Kreisen zufolge seinerseits die Ölförderung bei seinem benachbarten Zwölf-Milliarden-Dollar-Projekt Sachalin 1 gestoppt. Als Grund wurde eine technische Überprüfung angegeben. Exxon wollte ursprünglich Ende des Monats mit dem Export beginnen. An diesem Zeitplan werde festgehalten, sagte ein Sprecher des Ölkonzerns. Zu dem Förderstopp äußerte er sich nicht. Offen ist, ob die Unterbrechung in Zusammenhang mit den jüngsten Entwicklungen bei dem Projekt steht. Eine regionale russische Umweltbehörde hatte ebenfalls am Montag die ökologische und technische Zulässigkeit eines dortigen Exportterminals in Frage gestellt.

Text: FAZ.NET mit Material von Reuters
Bildmaterial: AFP

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