26. Dezember 2007 Wendelin Wiedeking und Jürgen Schrempp - in der seit Wochen dauernden Debatte um Managergehälter fallen diese zwei Namen immer wieder. Was die zwei verbindet, sind die Millionen, die sie für ihre Arbeit erhalten. Was sie unterscheidet, ist ihre Bilanz. Wiedeking verhalf dem einst kriselnden Sportwagenhersteller Porsche zu einem Rekordgewinn und kassierte deshalb für das abgelaufene Geschäftsjahr geschätzte 60 Millionen Euro. Schrempp dagegen scheiterte mit seiner Daimler-Chrysler-Vision, trotzdem kann er sich über Aktienoptionen im Wert von rund 50 Millionen Euro freuen.
Wie viel ist ein Manager wert? Vieles spricht dafür, dass die Diskussion im kommenden Jahr fortdauern wird. Wirtschaft und Politik haben sich vorgenommen, das Thema weiter voranzutreiben, sagt Alexander von Preen, Geschäftsführer der Managementberatung Kienbaum. Er ist wie andere Fachleute überzeugt, dass den Worten bald Taten folgen werden.
Steuerliche Absetzbarkeit umstritten
Zu einer Begrenzung der Gehälter wird es nicht kommen, damit würden wir uns international lächerlich machen, sagt Marcus Lutter, Sprecher des Zentrums für europäisches Wirtschaftsrecht der Universität Bonn und Mitglied der Corporate-Governance-Kommission. Er kann sich aber vorstellen, dass die steuerliche Absetzbarkeit der Gehälter gesetzlich begrenzt wird. Lutter plädiert jedoch für einen anderen Weg: Eine gute Lösung wäre, dass ab einer bestimmten Größenordnung nicht mehr nur ein kleiner Ausschuss des Aufsichtsrats über die Vorstandsvergütung entscheidet, sondern alle Mitglieder. Ein solcher Passus ließe sich schnell ins Aktienrecht integrieren.
Nicht nur in der Gesetzgebung werden Änderungen erwartet. Kienbaum rechnet damit, dass die Unternehmen die Vergütung ihrer Top-Führungskräfte in Zukunft transparenter machen als bislang. In der Wirtschaft ist man bemüht, Glaubwürdigkeit zurückzuerlangen, sagt Preen. Die Unternehmen arbeiten daran, sowohl die Zusammensetzung der variablen Bezüge als auch die Pensionszusagen besser aufzuschlüsseln. Schon seit 2006 sind die Unternehmen verpflichtet, die Vorstandsbezüge offenzulegen. Es bestehen jedoch Unklarheiten, wie Pensionsverpflichtungen und langfristige Vergütungsbestandteile ausgewiesen werden sollen. Neben mehr Transparenz erwarten Wirtschaftsexperten auch Änderungen in den Verträgen. Jürgen Mülder, einer der renommiertesten Personalberater Deutschlands, erwartet, dass die Unternehmen die Pensionszusagen an Vorstände reduzieren. Die Manager sollen die Barvergütung nutzen, um selbst für das Alter vorzusorgen. Und Corporate-Governance-Experte Lutter erwartet mehr Verträge, die vorsehen, dass die variable Vergütung in einem bestimmten Verhältnis zum Gewinn stehen muss - verbunden mit einer Obergrenze. Das schütze vor Auswüchsen wie im Fall Porsche.
Wettbewerb der Vergütungsmodelle
Die Debatte betrifft allerdings nur einen kleinen Teil der Vorstände. Die Masse in Deutschland kann von den Bezügen Wiedekings nur träumen. Auch vom Dax-Spitzenreiter Josef Ackermann - der Deutsche-Bank-Chef erhielt 2006 rund 13,6 Millionen Euro - ist sie weit entfernt. Die Beratungsgesellschaft Towers Perrin hat errechnet, dass die Vorstandsvorsitzenden der Dax-Konzerne 2006 im Mittel 4,7 Millionen Euro verdient haben. Am wenigsten gab es mit 2,2 Millionen Euro für den Chef von Infineon.
Das Gros der Unternehmenslenker liegt nach Kienbaum-Analysen deutlich darunter. In den 100 umsatzstärksten deutschen Unternehmen erhält ein Vorstand demnach im Durchschnitt 1,8 Millionen Euro. In den übrigen rund 1400 von Kienbaum erfassten Aktiengesellschaften in Deutschland sind es 440.000 Euro. Mit wesentlich weniger muss sich der Mittelstand begnügen. Der Geschäftsführer einer mittelgroßen GmbH erhält durchschnittlich 260.000 Euro jährlich, in kleineren Unternehmen mit maximal 5 Millionen Euro Umsatz 160.000 Euro.
Von dem Vorschlag des Gewerkschaftsbundes DGB, den Anteil der Fixgehälter zu stärken und die variablen Vergütungen zu begrenzen, hält Kienbaum-Experte Preen nichts. Wir brauchen im internationalen Wettbewerb Vergütungsmodelle, die zu Leistung anspornen. Er empfiehlt, dass Vorstandsvorsitzende und Finanzvorstände von Dax-Gesellschaften 30 Prozent ihrer Bezüge fix erhalten. 40 Prozent sollten variabel und an kurzfristige Ziele für das Geschäftsjahr gekoppelt sein, die übrigen 30 Prozent sollten variabel und langfristig ausgerichtet sein, etwa in Form von Aktienoptionen. Auf Skepsis stößt auch der Vorschlag, die Hauptversammlungen ähnlich wie in Großbritannien stärker in die Gehaltsfindung einzubinden. Die Entscheidung sei bei den Aufsichtsräten in guten Händen, sagt Personalberater Mülder. Die Professionalisierung der Räte werde sie noch weiter verbessern. Allerdings hat dies einen Haken: 84.000 Euro verdienen die Kontrolleure der Dax-Konzerne derzeit im Durchschnitt. Stecken sie mehr Zeit in ihre Arbeit, werden sie mehr Geld verlangen.
Text: loe./F.A.Z., 24.12.2007, Nr. 299 / Seite 14
Bildmaterial: AP, ddp
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| TecDax | 719,88 | -0,24 |
| DowJones | 11.360,03 | +0,09 |
| Nasdaq | 2.302,76 | +0,99 |
| STOXX 50 | 3.323,32 | -0,93 |
| Nikkei 225 | 13.334,76 | -1,97 |
| S&P 500 Zert. | 12,50 | -2,34 |
| Euro/Dollar | 1,57 | -0,07 |
| Bund Future | 111,00 | +0,05 |
| Gold | 924,05 | -0,39 |
| Öl | 124,98 | -1,22 |
