30. Mai 2008 Angesichts der drastisch gestiegenen Lebensmittelpreise wollen die afrikanischen Staaten, Japan und andere Entwicklungspartner eine Verdopplung der Reisproduktion auf dem schwarzen Kontinent innerhalb von zehn Jahren erreichen. Dazu sollen in den kommenden fünf Jahren konkrete Maßnahmen wie die Entwicklung neuer Reissorten sowie eine Ausweitung der Bewässerungsflächen um 20 Prozent ergriffen werden.
Ein am Freitag zum Abschluss der dreitägigen TICAD-Konferenz zur Entwicklung Afrikas im japanischen Yokohama beschlossener Aktionsplan sieht zudem Investitionen in den Bau von Straßen, Häfen und Märkten in den nächsten fünf Jahren vor.
Schwere Aufgabe
Die größte Herausforderung ist die Umsetzung, sagte der Präsident Tansanias, Jakaya Mrisho Kikwete. Japan und die anderen Partner seien bereit, Maßnahmen zu ergreifen. Afrikas Sorgen seien angemessen gehört worden, sagte Kikwete als Vertreter der Afrikanischen Union. Bei der Konferenz sei es nicht nur um mehr Hilfe für Afrika gegangen, sondern um mehr Handel und Investitionen insbesondere seitens des Privatsektors. So will Japan, das sein Engagement in Afrika im Wettlauf mit China um Rohstoffe und Einfluss ausbauen will, die Investitionen japanischer Unternehmen verdoppeln.
Vertreter fast aller afrikanischen Staaten sowie internationaler Organisationen erinnerten in einer gemeinsamen Abschlusserklärung die Gruppe der acht wichtigsten Industrienationen (G8) an die Einhaltung ihrer Zusagen zur Unterstützung des schwarzen Kontinents. Die Einhaltung der beschlossenen Millenniumsentwicklungsziele bis 2015 sei eine schwere Aufgabe. Zwar gebe es in Afrika positive Trends wie zunehmende politische Stabilität, starkes Wirtschaftswachstum und zunehmende ausländische Direktinvestitionen. Dennoch bestünden weiter ernste Herausforderungen wie die noch immer weit verbreitete Armut, die niedrige Agrarproduktivität und unzureichender Zugang zu Schulen.
Steigende Lebensmittelpreise auf der ganzen Welt
Die Konsumenten in aller Welt müssen sich auf weiter steigende Lebensmittelpreise einrichten. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) rechnen in den kommenden zehn Jahren mit einem deutlichen Anstieg der Agrarpreise über die allgemeine Inflationsrate hinaus. Das aktuell hohe Preisniveau werde sich zwar nicht halten, doch im Vergleich der Durchschnittspreise der vergangenen zehn Jahre mit den Preisen der kommenden zehn Jahre werden die meisten Agrargüter bis 2017 um zehn bis fünfzig Prozent teurer, schätzt die OECD. Dies werde zur Unterernährung von mehr Menschen auf der Welt führen. Das Ende von billigen Lebensmitteln in einer Welt, in der die Hälfte der Bevölkerung von weniger als zwei Dollar am Tag leben muss, gibt Anlass zu großer Sorge, sagte der OECD-Generalsekretär Angel Gurría vor der Presse in Paris. Jacques Diouf, der Generaldirektor der FAO, forderte, Investitionen in die Landwirtschaft wieder stärker in der Entwicklungspolitik zu berücksichtigen.
Der Zusammenhang zwischen Agrar- und Lebensmittelpreisen ist von Land zu Land und Produkt zu Produkt unterschiedlich, weil auch Faktoren wie Zölle, Energiepreise oder Löhne einfließen. In den Industrieländern machen die Agrarpreise rund 25 bis 35 Prozent der Lebensmittelpreise aus. Der Anteil in Entwicklungsländern ist höher, weil der Verarbeitungsgrad der konsumierten Lebensmittel dort geringer ist.
Rund ein Drittel der zu erwartenden Preisanstiege führt die OECD auf die Nachfrage nach Bio-Kraftstoffen zurück. Die Organisation fordert eine Überprüfung dieser Art von Energiepolitik, denn sie zweifelt an ihrer Wirksamkeit. Bei den drei Zielen der Verringerung von Treibhausgasen, der Erhöhung der Versorgungssicherheit und der Verbesserung der ländlichen Entwicklung ist weniger erreicht worden als erwartet, sagte Agrarexperte Loek Boonekamp. Manchmal sei die Wirkung sogar negativ. Es wäre besser, auf Maßnahmen zu setzen, die den Energiebedarf senken, und den freien Handel der heute häufig protektionistisch geschützten Bio-Kraftstoffe zu erleichtern.
Bio-Kraftstoffe bieten auch Chancen
Der FAO-Experte Merritt Cluff erinnerte aber auch daran, dass die Bio-Kraftstoffe eine enorme Chance zur Entwicklung der ländlichen Räume darstellten. Zwischen 2000 und 2007 hat sich die Produktion von Äthanol als Treibstoff verdreifacht. Der Großteil des Wachstums geht auf den Anbau in den Vereinigten Staaten und Brasilien zurück. Die Rekordpreise für Mais, Weizen und Pflanzenöl haben nun auch die Kosten für die Produktion von Bio-Kraftstoffen erhöht. Diesen Kostenschub durch Steuersubventionen und Einfuhrtarife ausgleichen zu wollen - so wie es viele Regierungen anstrebten - sei der falsche Weg, meinen OECD und FAO. Eine positive Ausnahme stelle der Anbau von Zuckerrohr in Brasilien dar, der sich auf Grundlage freier Marktbedingungen als lohnend erweise. Die weltweite Äthanol-Herstellung werde sich bis 2017 auf jährlich 125 Milliarden Liter verdoppeln, schätzen die Fachleute. Die Produktion von Biodiesel werde mit einer etwas höheren Rate auf 24 Milliarden Liter im Jahr steigen.
Durch die hohen Lebensmittelpreise sei das international vereinbarte Millenniums Ziel, bis 2015 die Zahl der Menschen mit täglich weniger als einem Dollar Einkommen gegenüber 1990 zu halbieren, zu einer großen Herausforderung geworden, stellt die OECD fest.
Text: FAZ.NET / chs. / F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, dpa, F.A.Z., REUTERS
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