26. September 2006 Die EU-Kommission sieht die Auflagen der spanischen Regulierungsbehörde für die geplante Übernahme des Stromversorgers Endesa durch den deutschen Energiekonzern Eon als Regelverstoß an. Die Kommission verlangte am Dienstag in Brüssel von der Regierung in Madrid, diese Hindernisse für die Übernahme zu beseitigen.
Andernfalls will die Kommission Spanien vor dem Europäischen Gerichtshof verklagen. Nach Ansicht der EU-Kommission hat Spanien mit den Auflagen für Eon gegen das Recht auf freie Geschäftsausübung innerhalb der 25 EU-Staaten verstoßen.
Harsche Auflagen
Den Aufkauf des mehrheitlichen Endesa-Aktienteils durch Eon hatte die Regulierungsbehörde CNE mit harschen Auflagen versehen. So sollen die Düsseldorfer unter anderem einen zu Endesa gehörenden Atommeiler verkaufen und die Kontrolle über weitere Kraftwerke an spanische Partner abgeben.
Mit ihrer Entscheidung hat sich die EU-Kommission nun auch formell auf die Seite Eons geschlagen. Schon im April hatte die Kommission für die Fusion grünes Licht gegeben. Der Düsseldorfer Konzern will mit dem Deal zum weltgrößten Strom- und Gaslieferanten aufsteigen.
Bernotat sieht sich bestätigt
Eon begrüßte die Entscheidung der EU-Kommission. Der Konzern teilte am Dienstag mit, der Versorger gehe davon aus, daß das spanische Industrieministerium nun zügig über die Beschwerde gegen die Auflagen der CNE entscheidet und dabei der Rechtsauffassung der Kommission folgt.
Die Entscheidung der EU-Kommission bestätigt unsere Auffassung, daß die von der CNE verhängten Auflagen nicht gerechtfertigt sind, so der Eon-Vorstandsvorsitzender Wulf H. Bernotat. Zugleich stärkt sie die Entschlossenheit von Eon, die Übernahme von Endesa weiter voranzutreiben. Eon sei unverändert zuversichtlich, diese Transaktion zu einem erfolgreichen Abschluß führen zu können.
Neuer Rivale für Eon
Neue Übernahme-Hürden haben allerdings die Eon-Aktie am Dienstag vorübergehend auf Talfahrt gesandt. Das Papier notierte gegen 14.40 Uhr bei 92,79 Euro und damit mehr als drei Prozent unter dem Vortageswert. Zeitweise hatte der Kurs sogar mit fast 3,8 Prozent im Minus gelegen.
Auslöser des zeitweiligen Kursrutsches war, daß die spanische Bau- und Dienstleistungsgruppe Acciona am Montag abend überraschend den Kauf von zehn Prozent des Endesa-Kapitals bekanntgegeben hatte. Damit werden die nun schon seit Monaten andauernden Bemühungen des größten deutschen Energiekonzerns zur Expansion in Spanien noch komplizierter. Das bisherige Eon-Angebot in Höhe von 29 Milliarden Euro sei mit dem Acciona-Einstieg hinfällig, urteilte die spanische Presse.
Acciona will angeblich keine Kontrolle
Acciona kaufte den Zehn-Prozent-Anteil an Endesa für 3,38 Milliarden Euro, was einem Preis von 32 Euro pro Aktie entspricht. Dies ist deutlich höher als das Eon-Angebot, das bei 25,40 Euro pro Aktie liegt. Acciona erklärte, daß es nicht um eine Übernahme von Endesa gehe: Der Einstieg bei dem Energieversorger ziele nicht darauf ab, die Kontrolle über die Entscheidungen von Endesa zu erlangen. Deswegen werde über den jetzigen Aktienaufkauf hinaus ein Anteil von maximal knapp unter 25 Prozent angestrebt; bei 25 Prozent liegt die Schwelle, an der Acciona ein offizielles Übernahmeangebot vorlegen müßte.
Acciona erwartet nun, spätestens in vier Wochen grünes Licht von der spanischen Regulierungsbehörde CNE für den Einstieg bei Endesa zu bekommen. Sofort mit Erteilung dieser Genehmigung werde Acciona weitere 3,6 Prozent der Aktien übernehmen, kündigte Acciona-Entwicklungschef Juan Muro-Lara an. Nach seinen Angaben verfügt die Gruppe derzeit über ausreichend Kapital für den Erwerb von insgesamt 20 Prozent bei Endesa.
Eon hält an Plänen fest
Trotz des Einstiegs von Acciona verfolgt Eon sein Übernahmeangebot für Endesa unverändert weiter. Eon habe das Vorgehen von Acciona zur Kenntnis genommen, teilte der Konzern am Dienstag mit. Eon verfolge die Übernahme aber weiter und gehe davon aus, daß sich alle Voraussetzungen dafür in Kürze erfüllten.
Das Angebot steht unter anderem unter der Bedingung, daß Eon mindestens 50,01 Prozent an Endesa erwerbe, wie der Konzern bekräftigte. Die vorübergehend an der Börse ausgesetzte Endesa-Aktie stieg nach der Wiederaufnahme des Handels um knapp acht Prozent.
Text: AFP/DPA
Bildmaterial: AP
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