14. Mai 2007 Im Konflikt mit der Deutschen Telekom hat die Gewerkschaft Verdi ihre Streiks ausgeweitet. Bis zum Mittag seien rund 15.000 Beschäftigte der Arbeit ferngeblieben, um gegen den Sparkurs im Service zu protestieren, teilte Verdi mit.
Schwerpunkte der Streiks waren Berlin-Brandenburg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Der Arbeitskampf ziele auf die Call-Center, den technischen Kundendienst und die technische Infrastruktur, sagte ein Verdi-Sprecher.
Glos fordert Rückkehr an den Verhandlungstisch
Rund 50 Telekom-Beschäftigte protestierten am Montag vor der CSU-Vorstandssitzung im bayerischen Rosenheim gegen die Auslagerung ihrer Arbeitsplätze. Sie appellierten an Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (beide CSU), ihren politischen Einfluss auf Telekom-Vorstandschef René Obermann geltend zu machen.
Huber sagte zu den Beschäftigen, er und Glos könnten die Verhandlungen zwischen Unternehmen und Gewerkschaft nicht ersetzen. Die Tarifpartner sollten weiter nach einer gemeinsam Lösung suchen. Glos sagte, die Telekom müsse ein leistungsfähiges Unternehmen bleiben, damit es nicht von einem ausländischen Käufer übernommen werde. In Bayern legten am Montag laut Verdi rund 2500 Beschäftigte an allen 19 Telekom-Standorten die Arbeit nieder.
In der Ostseehafenstadt Rostock streikten rund 150 Telekom-Mitarbeiter. Betroffen waren Bereiche, die an den technischen Vorbereitungen des G8-Gipfels im benachbarten Heiligendamm beteiligt sind, wie ein Verdi-Sprecher in Kiel sagte. In Niedersachsen und Bremen legten nach Gewerkschaftsangaben insgesamt mehr als 1600 Beschäftigte ihre Arbeit nieder. In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt waren laut Verdi 1100 Beschäftigte zu Streiks aufgerufen.
Kompromiss scheint kaum möglich
Der Streik ist der erste in der Geschichte des früheren Staatsunternehmens. Seit Freitag protestieren Beschäftigte des Bonner Konzerns gegen die Pläne des Vorstands, rund 50.000 Mitarbeiter in konzerneigene Service-Gesellschaften auszugliedern. Die Beschäftigten sollen dort 38 statt bislang 34 Stunden in der Woche arbeiten und weniger verdienen. Damit will das Management den Konzern im Inland wettbewerbsfähiger machen und die Arbeitsplätze langfristig sichern. Auch am Wochenende waren Telekom-Mitarbeiter in den Ausstand getreten. Am Freitag hatten nach Gewerkschaftsangaben gut 11.000 Menschen die Arbeit niedergelegt.
Verdi lehnt die Pläne des Managements ab: Damit würden weder die Service-Probleme des Konzerns gelöst noch der Kundenschwund gestoppt. Mit dem Streik will die Gewerkschaft bessere Beschäftigungsbedingungen und Löhne herausholen. Seit Verdi auch ein zweites Angebot der Telekom ausgeschlagen hat, ruhen die Gespräche. Ein Kompromiss bis zum Stichtag für die Ausgliederung am 1. Juli scheint kaum möglich, da die Telekom zwar ihre Gesprächsbereitschaft signalisiert, nun aber Verdi am Zug sieht.
Erste Auswirkungen des Ausstandes
Die Telekom wird den betroffenen Mitarbeitern bis Ende Mai bereits mit Verdi für andere Bereiche ausgehandelte Tarifverträge anbieten. Theoretisch bliebe auch die Möglichkeit, die Mitarbeiter ohne Tarifvertrag in die Gesellschaften zu überführen. Auch mit dem möglichen Verkauf von Service-Sparten müsse sich die Telekom auseinandersetzen, hatte Konzernchef Rene Obermann am Wochenende betont. Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder unterstrich daraufhin, dass die Gewerkschaft auf einen langen Arbeitskampf vorbereitet sei.
Verdi sieht erste Auswirkungen des Ausstands: Die Telekom sei angesichts der großen Zahl an Streikenden nicht in der Lage, die Ausfälle immer schnell genug zu kompensieren, sagte der Verdi-Sprecher. Obermann hatte eingeräumt, dass es zu Beeinträchtigungen im Außendienst und den Call-Centern kommen könne. Der Konzern versucht dies aufzufangen, in dem Mitarbeitern von anderen Standorten, Beamte oder externe Kräfte eingesetzt werden oder Arbeitszeitkonten ausgenutzt werden, hatte ein Sprecher erklärt.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, reuters
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