
Als ob es Herrn Nolte oder seinen Claqueuren jemals in den Sinn kommen würde, die Drangsalierung, Gängelung und Bevormundung, die mit dem Leben im sozialen Abseits einhergeht, zu beheben. Ortsanwesenheitspflicht, Zwangs-Ein-Euro-Jobs, Zuweisung von "Schulungsmaßnahmen" unter Androhung von Sanktionen, ungebetene Hausbesuche, Offenlegung sämtlicher persönlicher Verhältnisse, etc. etc. - es gibt etliche Punkte, an denen Sie hierzulande für mehr persönliche Freiheit streiten können, Herr Nolte. Und Sie hätten diejenigen, die sich nach Gerechtigkeit sehnen, sogar auf Ihrer Seite. Aber ich weiß ja: Diese Freiheit meinen Sie nicht. Sie meinen eine "Freiheit", die Ihnen persönlich zugute kommt, weil Sie sie sich finanziell leisten können - und die Ihnen ansonsten nicht in die Quere kommt, weil die Minderprivilegierten sie natürlich nicht beanspruchen dürfen.

In dem Kommentar wird das Klischee der armen alleinerziehenden Mutter gepflegt. Heutzutage ist in D die Alleinerziehende ein extrem privilegiertes Wesen das allenfalls durch ein radikalfeministisches Unterhaltssystem davon abgehalten wird seine Faehigkeiten zum Erwerb zu nutzen. In meiner ersten Ehe hatte meine Gattin sich mehrfach als Alleinerziehende ausgegeben um einen Kindergartenplatz (Ausl. und AE bevorzugt) zu erhalten oder andere Privilegien in Anspruch zu nehmen. Wenn Sie Arme in D suchen sollten Sie eher bei den Betroffenen des Scheidungssystems schauen. Vandale

damit sollten wir endlich anfangen. Absurd, wenn Ottonormalverdiener (je nach Lebenssituation) 55...65% seines Brutto in die gemeinsame Kasse zahlen muss. Noch schlimmer, dass er dann Null-Einflussmöglichkeit für die Verwendung dieser Mittel hat. Tut mir leid, aber mir kommt das große K. wenn ich lese, dass die „Bedürftigen“ ihre Butox-Rationen von der Krankenkasse gesponsort kriegen, die öffentlich-rechtlichen Banken 16.000.000.000€ verzockt haben, jährlich 1 Mrd. für die „Implementierung des Gendermainstreaming“ verbrannt, dass ... diese Aufzählung ließe sich seitenweise fortsetzen. Was mir am meisten auf den S. geht ist das verlogene Armutsgequatsche. Tatsächlich lebt ein Hartzi heute besser als ich zu DDR-Zeiten als Dipl.-Ing. Und falls Sie es interessiert, ich habe eine Einzelhandelsverkäuferin in der Verwandtschaft: Meine Frau. Was Ihre Rede vom „sozialen Brennpunkt eingesetzten Polizisten“ meint, erschließt sich mir leider nicht. Denn was der in Düsseldorf-Marxloh oder Berlin Neu-Kölln erlebt, unterliegt bekanntlich der totalen Geheimhaltung, einer Geheimhaltung, die weder von meiner Wenigkeit noch von Nolte institutionalisiert wurde. So viel zur Aufrichtigkeit der Beschwerden über Noltes angebliche „Elfenbeintürmchen“.

Welche Gerechtigkeit? Ihre, meine, die Dritter? Ist nicht vielmehr Gerechtigkeit eine Art Fiktion? Wer bestimmt Gerechtigkeit? Wo fängt sie an, wo hört sie auf? Lösen sich Dinge in Luft auf, wenn sie an einer Stelle weggenommen werden? Wieviel ist arm – ein bissel weniger als reich? Wieviel ist reich - ein bissel mehr als arm? Frohe Weihnachtsgerechtigkeit im Ansatz eines besonders beliebten Verallgemeinerungsprinzips, Ihre Karo Einfach

Beim Lesen vieler Kommentare zu diesem Artikel wird klar, dass nicht nur der Verfasser ein paar Flausen zu viel im Kopf hat und in seinem Elfenbeintürmchen lebt, wird hier das theoretische Konstrukt einer Abwägung zwischen Freiheit und Gleichheit, doch tatsächlich noch ernsthaft weiter diskutiert. Dass dies offenbar bar jeder Kenntnisse der Verhältnisse in unsere Gesellschaft getan wird, weiß, wer z.B. eine Einzelhandelsverkäuferin in der Verwandtschaft hat, einen in einem sozialen Brennpunkt eingesetzten Polizisten kennt und/oder selbst einmal in einem Krankenhaus beschäftigt war. Man muss schon lange nicht mehr zu Hartz IV-Empfänger zitieren, um eine aus dem Gleichgewicht gekommene Ungleichheit in unserer Gesellschaft zu beschreiben. Dass das Gejammer über als zu hoch empfundene Abgaben schlußendlich lediglich offenbart, dass ein seit zwei Jahrzehnten stattfindendes Rattenrennen um soziale Sicherheit und wirtschaftliche Perspektive seit einiger Zeit auch die Mittelschicht zwingt, sich an diesem zu beteiligen, ist so offensichtlich, wie es beharrlich von Leuten wie Herrn Nolte ignoriert oder geleugnet wird.

Die Wirtschafskrise 1927/29 spülte die Nazis an die Macht. Aber erst NACH 1933 wuchs ihre Zustimmungsrate über 50%; und sie wuchs stetig weiter! Nachdem Hitler die Herrenmenschen aus den angeblichen Klauen des internationalen „Finanzjudentum“ befreit und diese enteignet hatte, die Suppenküchen verschwanden waren, jeder wieder Arbeit hatte, machten es sich; zumindest die, die kein „J“ im Pass hatten; in der klassenlosen Volksgemeinschaft so richtig gemütlich. Alles war Friede, Freude, Eierkuchen, und auch der „kleine Mann“ machte nun z.B. tolle Kreuzfahrten auf KdF-Schiffen und die Jugend kostenlose Abenteuerurlaube. Ein riesiger Sozialstaat wurde aus dem Boden gestampft und der Volksgenosse erfreute sich des Zusammengehörigkeitsgefühls der „Gemeinschaft“, in der die alten Eliten endlich abgeschafft, alle Deutschen gleich waren. Was interessierte da noch Freiheit, wo doch nun jeder ein Arbeiter; entweder der Faust oder der Stirn; innerhalb der Volksgemeinschaft war und es allen so gleich „gut“ ging? Im Mordregime der DDR wurde dann dieser Unsinn noch mal auf einem anderen Level wiederholt. Statt des Umwegs über Krieg (Gott und der NATO sei Dank!) stand hier dann gleich die Pleite am Ende. Toll!

"Die soziale Idylle, in der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit herrschen, hat es niemals gegeben. In der DDR wurde es versucht, und man ist kläglich gescheitert." Gerechtigkeit ist aber eben keine(!) Gleichheit. Wer viel arbeitet, hoch qualifiziert ist soll mehr Geld verdienen als jemand, der unqualifiziert ist oder arbeitslos. Wer als unqualifizierter seine tägliche Arbeit für die Gesellschaft leistet die gemacht werden muss, soll aber auch das Geld zum Leben haben, mit dem er (über)leben kann, alleine schon weil das Geld zum Leben eine ökonomische(!) Notwendigkeit darstellt, dam muss man erst gar keinen Gerechtigkeitsbegriff aufrufen. Ich weiss nicht, woher die pawlow'sche Reaktion bei vielen in unserer Gesellschaft kommt beim Wort Freiheit immer sofort das Wort "DDR" zu bellen. Das war ein Unrechtsregime, welches den Begriff der Freiheit pervertierte. Leider sind wir in unserer Gesellschaft wieder auf dem gleichen Weg. Herr Noltes Beitrag ist da ein trauriges Beispiel, wie das wichtige Menschenrecht der Freiheit wieder für das Interesse einiger "Chefideologen" mißbraucht wird.

Als in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die ersten Europa-Verträge geschaffen wurden, war es selbstverständlich, dass geldwerte Hilfen aller Art, so sie die Staatsgrenzen überschreiten sollten, öffentlich zu diskutieren, zu beschliessen und auszuweisen seien. Der EG-Vertrag erhielt einen Art 103, wonach kein Staat für einen anderen haftet. Heute, ein halbes Jahrhundert später, haben wir eine dem Bürger nicht einsehbare oder gar nachvollziehbare EU-Mauschelei, die faktisch auf Annäherung der realen Lebensumstände in den Mitgliedsstaaten gerichtet ist. Das ist nicht nur rechtswidrig, sondern auch oekonomisch unsinnig. Denn wer auf solchem Wege mehr konsumieren kann als er produziert, legt sich unweigerlich auf die faule Haut, und wem im Übermaß von dem weggenommen wird, was er produziert hat, verliert die Lust an der Arbeit und am System. Die Dispute über "Solidarität" und "Gerechtigkeit" werden in der EU ausserhalb der Spielregeln von Demokratie und Rechtsstaat entschieden.

nur nicht in unserer Gesellschaft. Die Grundstruktur unserer Gesellschaft ist auf soziale Ungerechtigkeit ausgerichtet. Wir haben die Hierarchie der Werte. Einige Menschen sind wichtiger, besser als andere, sie verdienen Wertschaetzung mehr als andere. Wie bauen wir die Hierarchie der Werte auf? Wir vergleichen. Wir vergleichen uns miteinander. Fragen wir uns fuer einen Moment: aufgrund welcher Basis koennen wir uns vergleichen? Jeder und jede ist verschieden. Wir alle sind einzigartig, mit unseren persoenlichen Begabungen, auf uns allein zugeschrieben. Niemand kann mit niemandem verglichen werden. Wir sind alle verschieden. Gleichzeitig sind wir alle gleich. Wir alle wollen Wertschaetzung erhalten. Wir alle wollen uns wertvoll fuehlen, anerkannt und angesehen. Ich arbeite seit Jahren an der Idee der Wertschaetzungsgesellschaft Sikantis. Es ist tatsaechlich so: soziale Gerechtigkeit existiert. In der Wertschaetzungsgesellschaft gibt es soziale Gerechtigkeit - und dies ist keine Vision, sie ist zu real dazu.

Die Diskussion um Freiheit und Gerechtigkeit ist alt. Die Eliten definieren Freiheit als ihr Recht zur Aneignung.

Ich denke, man sollte keinen allzugroßen Zusammenhang zwischen öffentlicher Sicherheit und Umverteilung konstruieren. Niemand in Deutschland muß verhungern, und wird deshalb anfangen, Leute zu berauben. Auch nicht mit Hartz IV. Und ehrlich, wenn HartzIV-empfangende Eltern ihren Kindern (denen steht monatlich 260+100 Kindergeld=360EUR zu) kein Pausenbrot mit in die Schule geben können, liegt das nicht an der Armut, sondern daran, daß die Eltern das Geld anderweitig (Schnaps, Zigaretten, Tatoos, Videos, Computerspiele?) ausgeben: Für 360/4=80EUR/Woche fuer Essen, saubere Kleidung und Schulsachen sollten wohl reichen, wenn man sparsam lebt. Und dieses Geld kommt zum Großen Teil von Mittelklasseverdienern. Kleines Rechenbeispiel der Abgabenlast: Ein 30jähriger, BATIIa im öff. Dienst bekommt brutto 3761EUR/Monat. Ist er verheiratet, hat Steuerklasse II und 2 Kinder (15% GKV) bleiben netto 2214.75. Immernoch ein guter Verdienst, aber die Abgaben: Lohnsteuer 440, Rente 355, Arbeitslosenvers 118, GKV 258 und noch ein bisschen Rest. Summa summarum: 36,6% Abgabenquote. Ist das denn noch gerecht?

Sie haben mich mißverstanden. Ich behaupte nicht, die Finanzkrise habe den von mir durch sozialethische Kriterien definierten Freiheitsbegriff "ad absurdum" geführt. Vielmehr meine ich, die Finanzkrise beweise, daß der sozialethisch definierte Freiheitsbegriff in unserer Werteordnung nicht die ihm eigentlich zukommende Rolle spiele. Selbstverständlich beklage ich diesen Werteverfall nachdrücklich.

Es ist schon merkwürdig wie schnell die Menschen vergessen. Die soziale Idylle, in der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit herrschen, hat es niemals gegeben. In der DDR wurde es versucht, und man ist kläglich gescheitert. Bedenklich stimmt, dass der abnehmende Wunsch nach Freiheit wohl auch etwas mit der zunehmenden Alterung der deutschen Gesellschaft zu tun hat. Woher kommen die Jungen und Agilen, die daran etwas aendern koennten?

Auch wenn sein Artikel interessant und inhaltlich wichtig ist, redet er zu sehr um den heissen Brei herum. Ich fürchte, die meisten Politiker werden diese spezielle Semantik und Fachsprache nicht verstehen. Tatsache ist, daß zunehmend seit einigen Jahren wesentliche Grundbegriffe der Verfassung und der politischen Sprache völlig anders gebraucht werden (missbraucht werden) als sie in der Verfassung und über lange Zeit in der Vergangenheit gebraucht und verstanden wurden. Gerechtigkeit hat(te) nur bei Kleinkindern irgendeinen Zusammenhang mit der Verteilung von Gütern (wenn ich das nicht auch kriege, dann ist das ungerecht..) oder Geld.Es geht bei diesem Begriff "nur" um die Existenz eines klaren Rechtssystems, das für alle Bürger einer Gemeinscht/eines Staates geht. Mit Umverteilung hatte das nichts zu tun - aber der Begriff wurden von Linken geklaut und anders verwendet. Einige Leserkommentare hier zeigen übrigens sehr gut, daß Herr Nolte das Thema etwas klarer auf den Punkt bringen sollen. Manche Deutsche beklagen aber auch einen echten Mangel an Gerechtigkeit - daß Staatsdiener mit Kündigungsschutz und mit Verhalten durchkommen, für die jeder andere seinen Job verliert oder haftbar gemacht wird.

mit Bildungsunfähigen und/oder Arbeitsunwilligen diskutieren? Im Übrigen wurde das schon versucht. Als vor 4 Jahren die Hartz-IV-Demos ("Hartz-IV ist Armut per Gesetz") liefen, haben sich die Arbeitsvermittler mit dem Campingtisch voller Angebote denen in den Weg gestellt. Das Ergebnis wurde im Fernsehen ausführlich gezeigt; und in der FAZ beschrieben (FAZ 060808, Der Arbeitsbeschaffer). Nein, keinen Bedarf. Es sei denn (haben Sie inzwischen Informationen?) diese Klientel hätte irgendwie ein Damaskus erlebt und wäre nun wildentschlossen, ihren Lebensunterhalt durch ehrliche Arbeit zu verdienen; dann helfe ich gern.

Seit wann ist Gerechtigkeit durch Geld oder Vermögen zu definieren? Gerechtigkeit heißt doch nie Gleichheit und Gleichheit wer bitte will die? Jeder hat andere Anforderungen und andere Bedürfnisse und viele ja allzuviele Hartz IV Empfänger stehen sich eben sehr viel besser als Leute mit einem kleinen Häuschen wo noch viele Schulden drauf sind die zwar theoretisch Aufstocker wären aber weit weniger haben als andere die alles inklusive Miete und Heizkosten vom Staat bekommen. Was bitte ist denn Gerechtigkeit? Ist es nicht eher eine ganz persönliche Empfindung. Wer immer nach dem anderen schielt wird immer damit ein Problem haben. Und der Leistungunwillige sagt immer es geht nicht gerecht zu. Und irgend welche Leute anzuführen denen es vielleicht finanziell gut geht hat eben nichts mit Gerechtigkeit zu tun, eher mit Neid. Das größte Problem ist der relative Wohlstand aller und die allzu große Freizeit die jeder einzelne hat. In den Nachkriegsjahren war die Zufriedenheit weit größer als heute weil jeder einfach mehr tun mußte um über die Runden zu kommen. Gerechtigkeit ist nicht mit der Gießkanne herzustellen weil es immer individuelles Empfinden ist und zu erst Zufriedenheit voraussetzt. Ja eigene Einschränkung

Nolte schreibt einen bemerkenswerten Satz wie folgt: "...eine Zeit... in der das Gymnasium eine Eliteschule, nicht die Gesamtschule der Mittelschichten war, die es heute ist".- Ich kann diesen Satz nur nachhaltig bestätigen.- Ich bin 72 Jahre alt. Mein Abitur habe ich 1957 an der Grossen Schule Wolfenbüttel gemacht, humanistischer Zweig- 9 Jahre Latein, 7 Jahre Altgriechisch. Meine Schule ist über 400 Jahre alt und gilt schon lange als Eliteschule, weit vor der Ratzeburger Gelehrtenschule. Wir waren in der Sexta-5.Klasse-weit über 100 männliche Schüler -die Schule nahm damals aus mir unerfindlichen Gründen keine Mädchen auf-. Von denen haben an der nämlichen Schule mit mir nach meiner Erinnerung ganze 26 ohne "Rausschmiß" auf leichtere Schulen und ohne "Sitzenbleiben" Abitur gemacht.Wir bekamen sog.Schulspeisung, süßen Griesbrei, weil unsere Eltern für uns nicht einmal-aus Bedürftigkeit selbst- ein Pausenbrot erübrigen konnten.- Und auf dieser Eliteschule wurde nicht etwa nach "sozialem Hintergrund" selektiert, sondern nach persönlicher Begabung.- Niemand fragte dort , woher jemand kommt, nur die Begabung zählte, und die konnte durchaus aus dem Arbeiterstand stammen.Das meinte Willy Brandt ändern zu müssen, mit fatalen Folgen.

Für alles muss bezahlt werden. Auch für den Luxus, ich nenne das mal zur Verdeutlichung so, dass z.B. ein Herr Prof. Nolte sicher auf einem Bürgersteig gehen kann, ohne überfallen zu werden. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Nur ist dieser Luxus bei Herrn Nolte so zur Gewohnheit geworden, dass er ihn nicht mehr wahrnimmt und ihn als umsonst betrachtet. Eigentlich ein Armutszeugnis, gerade für einen Historiker. Für diesen Luxus muss eine Gesellschaft auf die eine oder andere Weise, aber immer bezahlen. Z.b. mit Gerechtigkeit. Und dass diese Geld kostet, die die maximale Rendite mindert, ist auch einem Prof. Nolte und Konsorten schon bewusst geworden. Fehlende Gerechtigkeit mit dem Hinweis Freiheit zu ersetzen, ist natürlich billiger und deswegen besser für die Rendite. Den Luxus unbehelligt auf der Strasse zu gehen, könnte ein Prof. Nolte bei abwesender Gerechtigkeit und umfassenden Freiheiten auch mit vier Bodyguards kriegen. Aber die muss er dann auch bezahlen. So oder so. Es scheint nur so, dass der staalich alimentierte Herr Professor die zweite Variante entschieden bevorzugt.

Ein großer Teil der sog. Eliten, die Manager, sind doch in Ihrer Normalausprägung ANGESTELLTE. Nicht haftend, risikofrei. Und wenn schon fantastische Summen verdient werden, sollte auch die fantastische Gabe, Krisen vorauszusehen und diese vor deren Eintreten abzuwenden, vorhanden sein. Und Freiheit mit Milliarden-Schutzschirmen ist ja wohl … Das wirklich Schlimme, diese Leute sind jenseits von Gut und Böse, es geht Ihnen nicht mehr ums Geld, ja man bekommt eher das Gefühl als wär alles nur ein Spiel – heute versuchen wir mal Gobal Player, morgen eben mal was Anderes.

Für mich lautet die Kernaussage: vieles wird fälschlich als Nullsummenspiel dargestellt. Die moderne Politik vespricht denjenigen, die sich ungerecht behandelt fühlen, Verbesserung dadurch, daß sie anderen etwas wegnimmt und es ihnen gibt. Das hat aber inzwischen Ausmaße angenommen, die zur Folge haben, daß den auf diese Weise um die Früchte ihres Lebens gebrachten, ihre Bemühungen reduzieren. Der Kuchen wird zwar gleichmäßger verteilt, aber er wird immer kleiner. - TF

Wieso wird dieser Freiheitsbegriff durch die Finanzkrise ad absurdum geführt? Ich denke, die Finanzkrise zeigt doch eher, daß die durch diesen Begriff definierte Freiheit überschritten wurde, weil eben gewisse spekulative Praktiken vielen Leuten Schaden zugefügt haben, auch ganzen Volkswirtschaften. Deshalb gehört nicht der Begriff über Bord geworfen, sondern diese Praktiken verboten, und zwar auf globaler Ebene (das war ja bei dem internationalen Gipfel zur Finanzkrise auch angedacht, da herrschte offenbar große Einigkeit zwischen dem Westen, und auch Asien). Ich denke nicht daß der Grundbegriff des Liberalismus, nämlich Freiheit, die niemandes Freiheit beschränkt, nicht mehr aktuell ist. Vielmehr müssen neue Entwicklungen immer darauf abgeklopft werden, ob sie diesem Begriff nicht zuwiderlaufen. Auch in der Wirtschaft.

Also ich schlage mal vor, dies in den Lebensmittelausgabestellen, Suppenküchen, Kleiderkammern, Jobcentern, Kältebussen, Bahnhofsmissionen, Leiharbeitervermittlungen, Pflegeheimen u.ä. zu diskutieren ...

Ja, diese Art der Arbeit, 8h, ruhige Kugel, das gab es mal. Aber warum gibt es das heutzutage nicht mehr? In der freien Wirtschaft einfach zu beantworten: Die Unternehmen schreiben keine derart hohen Gewinne mehr, Mittelstand wie Großunternehmen. Man ist in der globalisierten Welt angekommen, und muß sich der Konkurrenz stellen. Das ist einerseits gesund, weil sich unsere Wirtschaft unter dem Druck weiterentwickelt, andererseits ist eben das Paradies für die "einfachen Arbeiter" zu Ende. Andererseits ist es ganz klar, daß es ein solches Paradies in einer freien Marktwirtschaft nicht für alle geben kann: Der Sozialismus hatte versucht, dies zu produzieren, und da haben die Leute wirklich keinen Druck bei der Arbeit gehabt, und was ist aus ihm geworden? Genau, der Ostblock ging Pleite. Fakt ist doch: Wer keinen Druck hat, schiebt eine ruhige Kugel, und damit wird weniger Mehrwert produziert. Es ist vielleicht aus einer extrem wohlhabenden Perspektive heraus unmenschlich aber war: Wer rastet, der rostet. Das gilt für Menschen wie für Volkswirtschaften. Deshalb können wir nicht mehr zurück ins Paradies Wirtschaftswunder West, und deshalb ist das auch gut so.

...jedenfalls diejenigen, die den Nazistaat nicht mehr erleben mussten. Merkwürdig allerdings, dass auch im Osten (Ex-DDR) das Freiheitsbedürfnis so eingeschränkt zu sein scheint, wie es sich in den Wahlergebnissen dort ausdrückt. >>> Jeder darf doch längst alles oder benimmt sich zumindest so. Also gibt es in Sachen Freizeit auch kein Defizit - oder? Die Möglichkeiten der "Selbstverwirklichung", wie sie in den Medien schillernd inszeniert werden, sind so unübersehbar - das macht den meisten, die darunter etwas für sich auszusuchen sich verpflichtet fühlen, doch schon wieder Angst. >>> Freiheit macht im übrigen nur Sinn zusammen mit VERANTWORTUNG. Ach, welch böses Wort. Verantwortung ist anstrengend und lästig, man muss Entscheidungen treffen und dafür geradestehen. Nach meiner Erfahrung ist das etwas, vor dem selbst hochbezahlte Beamte und Angestellte großer Institutionen sehr zurückschrecken. >>> Jedenfalls: Wer die Verantwortung der Gesellschaft für sich einfordert, muss auch selbst welche zeigen. Für sich selbst und für die anderen. DAS wäre sozial und gerecht! >>> Also: Nolte hat eigentlich Recht, jongliert aber zu sehr mit den Begriffen herum. Da kann nicht jeder gleich folgen - was übrigens auch wieder ungerecht ist ?

Die Verteilungsgerechtigkeit unterscheidet in ihrem theoretischen Ansatz von alters her nicht zwei sondern drei Gerechtigkeitskriterien: 1) jedem das, was er braucht, 2) jedem das, was er verdient (was sein Beitrag für Andere wert ist) und 3) allen das Gleiche. Die beiden ersten Gerechtigkeitskriterien haben je nach dem Kontext, in dem sie gebraucht werden, nach wie vor ihre - keinesfalls schwindende - Berechtigung. Das dritte Gerechtigkeitskriterium hingegen hat stets nur als (ideologisches) Postulat existiert und nie reale Bedeutung erlangt. Noch in keinem Gemeinwesen ist je ein System völlig einheitlicher Remuneration/Versorgung praktiziert worden. Und selbst die politischen Parteien, die aus "Ungleichheit" als einem Gerechtigkeitsproblem politisches Kapital schlagen wollen, streben nicht an, den Gegenwert der nationalen Wertschöpfung völlig gleich auf alle Arbeitenden und Nichtarbeitenden zu verteilen. Dies Alles ist vom Autor nicht wirklich treffend dargestellt. Zudem läßt die Proklamation eines auf "Verteilungsgerechtigkeit" fokussierten "Abschieds von der Gerechtigkeit" die unverändert wichtige Gerechtigkeit außer Acht, die die verläßliche Gültigkeit des Rechts meint.

der „Benachteiligten“ als eine Art Naturzustand darzustellen (wie etwa die Hautfarbe) der nicht durch eigenes Verhalten zustande kam und nicht durch eigenes Tun änderbar ist. Tricky auch, die Diskussion nicht auf der Lebenswirklichkeit aufzusetzen, sondern auf den „wissenschaftlichen Erkenntnissen“ unserer gleichgeschalteten Sozial“wissenschaft“. So lässt sich trefflich schwadronieren. Man könnte ja mal fragen, warum trotz Arbeitskräfteknappheit der verehrte ALG-2-Empfänger sich nicht mal aus dem Sessel erhebt; oder warum die Alleinnichterziehende es nicht einfach mit einem ehelichen Zusammenleben versucht (ach so, Ehe ist ja traditionell+reaktionär). Es sind gar nicht so sehr die unmittelbaren Kostgänger unseres Umverteilungssystems, die ihre Passivität und Anspruchsdenken „begründen“ (die sind sogar dazu zu faul). Es sind die Funktionäre der raffgierigen Helferindustrie, die namens ihrer Schutzbefohlenen die „Argumente“ streuen. Und so lange der Helfersumpf nicht trockengelegt wird, werden immer weniger Arbeitende immer mehr Nichtarbeitende durchfüttern müssen - natürlich aus hochtrabenden „Gründen“ (Solidarität, bla bla). Und werden zum Dank als Ausbeuter stigmatisiert. Aber wie lange geht das noch?

am Thema vorbei. Auch für ihn existiert nur die Ober- und die Unterschicht, den Mittelstand blendet er - wie viele andere auch - aus. Es ist der Mittelstand, der zusehen muss, wie er zwischen den Wohlhabenden (in den 80ern rechneten wir noch mit einem Spitzensteuersatz von 56 %, heute sind es 42 - 45 %, bei Kapitaleinkünften demnächst sogar nur 25 %) als behüteter Klientel der Politik und dem "Prekariat" zerrieben wird. Und obendrauf wird man dann noch als Finanzierer der Fehlentscheidungen der Politik herangezogen. Die Finanzkrise hat uns als Beschleuniger direkt in die Wirtschaftskrise geführt, der Weg in die Sozialkrise und damit zur politischen Krise ist bereits vorgezeichnet. Erneut sei daran erinnert, dass der letzte umfängliche Absturz des Mittelstandes in Deutschland direkt zu Adolf Hitler geführt hat. Vor diesem Hintergrund erscheinen die Ausführungen von Herrn Nolte etwas abgehoben...

In Deutschland wächst der Teil der Bevölkerung, der überwiegend von staatlichen Umverteilungsleistungen lebt, immer mehr an und stellt inzwischen fast 40% dar. Dieser Teil der Bevölkerung fordert mit Unterstützung der populistischen Politik und Medien einen immer höheren Anteil am Sozialprodukt und bekommt ihn auch zu Lasten derjenigen, die von selbst gebildetem Finanzkapital oder aufgrund von Investitionen in ihre Ausbildung von eigener Arbeit leben. In ihren Augen ist soziale Gerechtigkeit erst dann erreicht, wenn ihr Transfereinkommen ihren Bedürfnissen entspricht- eine auf Karl Marx zurückgehende Forderung der Kommunisten. Je mehr die Gesellschaft dieser Forderung nachgibt, desto geringer wird der Anreiz, Finanz- oder Humankapital zu bilden, zu sparen und zu investieren. Das zu verteilende Sozialprodukt wächst dann nicht mehr oder schrumpft, was die Anzahl der Transfereinkommensbezieher erhöht. Der Schrei nach sozialer Gerechtigkeit wird noch lauter. Irgendwann werden Kapitalerträge nicht nur immer höher besteuert sondern auch Vermögen enteignet. Die letzte Konsequenz sind Zustände wie in der DDR. Dort lag 1989 der durchschnittliche Lebensstandard unter dem Lebensstandard eines Arbeitslosen in der BRD.

... bleibt merkwürdig nebulös, und damit sind seine ganzen Darlegungen recht eigentliche Sandburgen, eines akademischen Lehrers unwürdig. Wenn ich recht sehe, galt früher einmal die Freiheit in einem Rechtsstaat als derjenige Handlungsspielraum, durch dessen Nutzen ich einem anderen keinen Schaden zufügen kann. Dieses einfache Verständnis von Freiheit ist jedoch längst zur Illusion geworden, was gegenwärtig nichts besser illustriert als eben die Finanzkrise, die ganze Volkswirtschaften an den Abgrund gedrängt hat. Offensichtlich hat ein pervertierter Freiheitsbegriff hier ungeheuren Schaden angerichtet - zugleich aber haben von diesem Schaden zuvor jahrelang einige Eliten in riesigem Ausmaß profitiert. Leider bleibt Herr Nolte gegenüber diesem zentralen Aspekt blind, vielleicht weil er von ebendiesen Eliten allzuoft zum Festvortrag eingeladen wird.

Es macht einigermaßen fassungslos, mit welchen Taschenspielerstückchen ein "Wissenschaftler" wie Herr Nolte uns hier abgestandenen Neoliberalismus als höhere Philosophie verkaufen möchte. Das hat man alles schon hundertmal gelesen - und es wird nicht ein Stückchen plausibler. Zunächst reduziert er den Begriff der gerechten Gesellschaft auf platteste Verteilungsgerechtigkeit, um dann gegen diese die Freiheit ins Feld führen zu können. Doch selbst dieser Trick bleibt hohl. Denn auch gegen die Freiheit ließe sich ebendas anführen, was er zur Gerechtigkeit sagt, Zitat: "Aber sie funktioniert nicht bedingungs- und grenzenlos. Sie führt vielmehr häufig in die Irre. In diesem Sinn heißt es also „Abschied von der xxx“ zu nehmen." Es ist wohl eine besondere Freiheit, die ein Professorengehalt (zzgl. Vortragshonorare vom IW Köln) verleiht - die Freiheit, sich zugunsten von Propaganda der präzisen Denkarbeit am Begriff zu entheben. Im 19. Jh. hat das übrigens jemand mal bezahlte Klopffechterei genannt.

Würden Ängste der Realität entsprechen, dann wären es keine. Aber sind es nur dumpfe Ängste, die den Bürger zu einem verfälschten Urteil seiner wirtschaftlichen und sozialen Situation treiben? Endlich wieder ein universitärer Prophet, der dem arbeitenden Bürger erklärt, was er zu wissen hat, dass er nur einem Schein aufliegt und dass ihm seine Realität neu verständlich gemacht werden muss. Fügt euch in die neue sozio-symbolische Ordnung, in der auch ihr "gerecht" behandelt werdet und "frei" seid, auch wenn ihr nicht den Eindruck habt. Freiheit und Gerechtigkeit werden von dem Autor auf recht plumpe Weise zu leeren Signifikanten erklärt, die er dann neu besetzen will bzw. soll man sich von der "Gerechtigkeit" gleich ganz verabschieden. Was will uns der Autor damit sagen? Die bestehenden Verhältnisse sind gut wie sie sind? Ein Arbeiter, der gekündigt wurde und zu schlechteren Bedingungen wieder von einer Zeitarbeitsfirma eingestellt wurde, hat sich einfach zu fügen? Soll das heißen, dass die Schieflage der bestehenden Produktionsverhältnisse nicht zu kritisieren ist? Gerechtigkeit mag zwar kein politischer Ratgeber sein, Ungerechtigkeit ist aber sehr wohl ein Motor, der zur Veränderung bestehender Verhältnisse führen kann.

dass die Gesellschaft die Rechnung fuer ihre Falschentscheidungen und Ideen zur Selbstverwirklichungen begleicht.

Herr Nolte mag im Rahmen eines verheerenden Ideolgieausstoßes Abschied von der Gerechtigkeit nehmen. Aber er vergisst, dass es andere nicht tun werden, weil sie ein anderes Leben führen als er und weil sie darüber hinaus dieses andere Leben nicht wollen. Gerechtigkeit bleibt geschichtlicher Motor. Zur Erinnerung: Es ist jenes Gerechtigkeit anzeigende "Rechtsgefühl", das Kleists Kohlhaas antreibt. Da kann sich Herr Nolte sich im Junkers-Stile von Gerechtigkeit verabschieden. Eingeholt wird er von ihr doch.

Es ist eigentlich ganz einfach: Die Deutschen sind Neider bis aufs Blut, und das ist das Einzige, was sich im Gerechtigkeitsbegriff ausdrückt, nämlich der Wunsch, daß der Staat den Anderen, die mehr haben oder denen es auf irgendeine Weise besser geht, den Überschuß wegnimmt und möglichst an den Neider selbst verteilt. Da der Staat das gerecht machen muß, nämlich gleich an alle, denen es schlechter geht verteilen, bleibt am Ende für jeden nur wenig übrig (aber genug, zB der HartzIV-Satz) , die Ungerechtigkeit ist scheinbar immernoch da, und die Spirale dreht sich, angeheizt von "Bild", immer weiter, solange, bis am Ende "jeder die Hand in der Tasche des Nachbarn" hat (Ludwig Erhardt), bis sich Leistung nicht mehr lohnt, weil man zu viel abgeben muß und damit die "Leistungsträger" auch nur noch ruhige Kugeln schieben, wenn sie können. Damit wird die Dynamik der Wirtschaft systematisch erstickt. Wäre es nicht besser, wenn die Leute von den Früchten ihrer Arbeit leben würden (dafür müssen aber auch Rahmenbedingungen geschaffen werden), und damit glücklich wären (da müßte sich die Geisteshaltung der Leute ändern, weg vom Neid)? Aber was wäre das für eine Gesellschaft, wenn wir unserem Nächsten nichts mehr neiden würden!

Auf der Jagd nach den Reichen zur gerechten Umverteilung werden nur die Wehrlosen, die Mittelschicht und der Mittelstand getroffen. Der Staat, repräsentiert von Politikern, die nur noch Mehrheiten im Proletariat - im angestammten und im von der Politik geschaffenen - finden, hat nicht das mindeste Interesse die Wehrlosen zu schützen. Es gibt nichts, wie Mittelschicht und Mittelstand "vor" dem Staat geschützt werden können. Wer einmal zum Proletariat gehört, will mehr Gerechtigkeit: d.h.: mehr Geld vom Staat. Es gibt keinen Ruck nach links. Die Linksorientierung ist ein fortlaufender Prozeß, höchstens Ende der 60-er Jahre etwas beschleunigt. Aber bald gibt es niemanden mehr zu proletarisieren. Die Wehrlosen sind selbst Proletariat und die Wehrhaften haben dies unwirtliche und in höchstem Maße ungerechte Land verlassen. Vielleicht wird man sich dann wieder daran erinnern, daß Gerechtigkeit etwas sehr individuelles ist, da jeden gleich zu behandeln keinem gerecht wird.

Eine kurze, nicht politisch-korrekte Ausschmückung zum Thema Alleinerziehende und Armut: Die Ursache für die statistisch hohe Anzahl an armen Alleinerziehenden ist die Tatsache, dass diese Frauen alleinerziehend sind. Wir dürfen Alleinerziehende nicht mehr als Heldinnen des Alltags ehren. Sie haben entweder unverantwortliche Entscheidungen in ihrem Leben getroffen oder haben Pech in ihrem Leben gehabt (Mann hat sie verlassen oder ist gestorben). Sie leben ein Modell, mit dem sie sich selbst und ihren Kindern schaden. Sie sind als Alleinerziehende zu bedauern, nicht zu bewundern. Ihre Kinder haben keine Väter, was besonders die Entwicklung den Jungen erheblich erschwert. Sie zerreißen sich zwischen Job und Kind und könne dabei entweder beidem, Job und Kind, oder einem von beiden nicht gerecht werden. Sie sind unzufrieden, weil sie im Job weiter kommen können, hätten sie kein Kind oder weil sie sich mehr um ihr Kind kümmern könnten, hätten sie keinen Job. Sie geben außerdem dieses falsche Familienmodell und das eigene Rollenvorbild automatisch als Vorbild an ihre Kinder weiter.

Zusammengefasst möchte Herr Nolte also in etwa folgendes sagen: Lieber ALG-Empfänger, liebe Alleinerziehende und andere Randgruppen, statt euch beständig über die fehlende Gerechtigkeit zu beschweren solltet ihr euch besser von euren (falschen) Vorstellungen bezüglich Gerechtigkeit verabschieden. Dann werdet ihr euch besser fühlen. Herr Nolte stellt die Gerechtigkeitsdebatte als ideologisch verzerrt dar, weil er selbst eine bestimmte liberale Ideologie stärken möchte. Aus diesem Grund weicht er einer Analyse der Ursachen des verbreiteten Ungerechtigkeitsempfindens aus. (Zitat: "Die realen ökonomischen und sozialen Entwicklungen sollen hier im Hintergrund bleiben.") Wenn er dies täte, dann müsste er letztlich zugeben, dass dieses auf harten Fakten beruht. Das Thema Gerechtigkeit ist nicht aufrgund irgendwelcher "Gerechtigkeitsromantik" so wichtig geworden. Die Leute haben einfach nur gemerkt, dass die Freiheit (eine pervertierte Freiheit) als Deckmantel für die Verschärfung der Ungerechtigkeit dient.

Danke vor allem für den Hinweis auf den institutionellen Hintergrund: Das IW Köln und die Stiftung Avenir Suisse wollen sicher auch nichts anderes hören als das, was Herr Nolte hier auseinandersetzt. Mich stört hier - wie auch bei vielen anderen Vertretern dieser Position - dass allen Mitgliedern der Gesellschaft unterstellt wird, sie wollten "aufsteigen" oder sich "entfalten". Vielleicht wollen ja manche Menschen auch einfach ihre Ruhe haben, wollen ihre acht Stunden am Tag arbeiten, dafür die entsprechende Kohle bekommen und davon komlplikationslos existieren können - das ist das, was es einmal gab und was es jetzt so nicht mehr gibt. Wie man eine solche Sicherheit, die mit gewaltigen Worten wie "Gerechtigkeit" und "Freiheit" gar nicht ausgedrückt werden muss, wieder hergestellt werden kann, darauf finden Herr Nolte und Konsorten ebenso wenig eine Antwort wie die Rhetoriker am linken Ufer des Wortflusses.

Bei einem bestimmten Grad an gesellschaftlicher Ungleichheit bleibt Chancengleichheit eine Fiktion. Ohne positive Freiheitsrechte bleibt negative Freiheit eine Fiktion. Das ist das Problem, das die Finanzkrise aufwirft. Nicht ob Gerechtigkeitsromantik den Stellenwert der Freiheit untergräbt. Die Finanzkrise entlarvt vielmehr die Freiheitsvorstellung von Herrn Nolte als Freiheitsromantik. Diese kann die jetzige Gesellschaft nicht vor der Legitimitätskrise bewahren, in der die "Gerechtigkeitsromantik" sie stürzt.

... stielt den Menschen die Freiheit, die sich diese "Freiheit" die Herrn Nolte hier vorschwebt, nicht leisten können. Wobei die Geschichte lehrt, dass es ja natürlich diejenigen sind die immer laut nach Freiheit rufen, die sie sich leisten können. Mir scheint Herrn Nolte schwebt hier ein Volk von Dummköpfen vor, die sich demütig jede Ungerechtigkeit gefallen lassen mit dem Hinweis auf eine Freiheit, die aber nicht ihre eigene ist. Langfristig ist das in der Geschichte noch nie gutgegangen. Die Realität (also eben die Menschen) war letztlich immer stärker als jede Ideologie, die in irgendwelchen Politbüros oder universitären Elfenbeintürmen dem "gemeinen Volk" gepredigt wurde. Da sind auch die Ausführungen von Professor Nolte keine Ausnahme.

Die Begriffe "sozial" und "gerecht" sind inkompatibel. Was in dem landläufigem Sinne sozial ist, das ist keineswegs gerecht. Beispiele dafür sind Legion: warum muss ich mehr als ein halbes Jahr für Staat und Sozialwesen arbeiten und andere, die dasselbe Einkommen aus ererbtem Vermögen haben, müssen das nicht ? Wären nicht Steuern gerechter, wenn jeder pro Jahr ein bestimmte Zahl Stunden für den Staat leisten muss ? Die soziale Gerechtigkeit im Sinne der "political correctness" ist ein totalitäres Unterdrückungsinstrument der Freiheit der Bürger. U. Reinking

Das ist der Kern der Sache. Gerechtigkeit lässt sich immer in Anspruch nehmen, insbesondere passiv. Ich lehne mich zurück und fordere Gerechtigkeit: dass die bösen Banker weniger bekommen, dass mein Nachbar nicht mehr bekommt, wenn ich nicht auch mehr bekomme. Es wird versucht, durch einen zentralen Wertbegriff ein Umfeld zu beeinflussen, das letztlich ausserhalb der individuellen Beeinflussbarkeit liegt. Um aus Freiheit Vorteil zu ziehen muss man aktiv sein oder werden. Freiheit lässt sich nicht passiv nutzen. Deswegen wird sie auch zunehmend unbeliebt. Man muss aus dem Sessel aufstehen. Wer das tut, bringt sich schnell in eine bessergestellte Position, man bemerke: hier entsteht Ungleichheit, vulgo Ungerechtigkeit. Die Politik hat mit der Umsetzung schon begonnen. AGG, BKAG und so weiter. Alles Maßnahmen, die den freiheitlichen Spielraum immer mehr einengen und für mehr Gleichheit sorgen: wer sich nicht bewegen kann, kann sich nicht von anderen abheben und damit Ungleichheit (Ungerechtigkeit) erzeugen. Armes Land.