Ich habe das Interview mehrmals gelesen und komme zu dem Ergebnis, dass Frau Koeppen das wirklich alles ernst zu meinen scheint. Mich erinnern solche Aussagen immer ein wenig an die Interviews mit kadergeschulten Parteimitgliedern in der spaeten DDR. Ein von der Realitaet absolut enthobenes Gerede, welches nur erkennen laesst, dass Politik und politische Verwaltung in einem Paralleluniversum leben. Das Privatrecht wird auf dem Altar eines gesinnungsorientierten "Buergerrechts" geopfert. Das Buergerliche Gesetzbuch, wie ich es noch kennen lernen durfte ist laengst in ein Gesetzbuch zum Schutze von Verbrauchern und sonstigen vermeintlich Benachteiligten verformt worden. Der selbstbestimmte und emanzipierte Buerger als Ausgangspunkt eines umfassenden Privatrechts existiert nicht mehr. Schade, dass diese Entwicklung auch noch so still und leise, ohne grosse Proteste vor sich geht - und offensichtlich noch laengst nicht an ihr Ende gelangt ist.
Die Menschen haben keine Vorurteile, sind immer gerecht und entscheiden objektiv. (Wie kann ein Subjekt eigentlich objektiv sein!?) Diese Zielsetzung steht offenbar hinter dem AGG. Frei nach dem Motto, weil nicht sein kann, was nicht sein darf, machen wir uns die Welt, wie sie uns gefällt. Keiner weiß, was wir gegen die (jetzt etwas verstecktere) Diskriminierung wirklich tun können, aber das machen wir gründlich! (Mit gleich 21 neu geschaffenen Beamtenstellen.) Vielleicht täte es der Gesellschaft einmal gut, zu akzeptieren, dass es in Ihr viel Unschönes, Ungerechtes gibt und für dessen Beseitigung jeder einzelne in der Verantwortung steht. Stattdessen findet man faul und feige den Schuldigen immer in nebulösen Begriffen wie "Staat" und (besonders beliebt) "die da oben".
"Handle stets so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte." (Kant) Das Leben könnte so einfach sein!
wird Schluss gemacht mit dem vom neoliberalen Mainstream verbreiteten Irrglauben, die Menschen wollten keine Bürokratie.
Erfreulich deshalb, dass Frau Dr. Köppen den Mut hat zuzugeben, dass die Menschen in Wirklichkeit mehr Bürokratie wollen (war das nicht die Losung von Willie Brand, „Mehr Bürokratie wagen“?) und dass die natürlich auch und gerade den Firmen nützt.
Die Unternehmer sind dankbar für diese Entlastung. Wenn die schon die Last von Risiko und Verantwortung tragen, sind die heilfroh, wenn denen wenigstens die Personalentscheidungen abgenommen werden.
Die Sozial“wissenschaftlerinnen“ haben ja auch schon wissenschaftlich bewiesen, dass ein Unternehmen um so erfolgreicher ist, je mehr Leute dort entscheiden, die selbst keine Verantwortung tragen.
In der FAZ 14.05.07, Kommen Sie uns doch mal besuchen, wurden wir informiert, wie sehr die Eltern sich regelmäßige Wohnungsbegehungen durch das Jugendamt wünschen.
Wie lange wird uns dauern, bis die FAZ aufzeigt, die Unternehmen würden um die Einrichtung einer Antidiskriminierungsstelle im Unternehmen bitten?
Noch was:
Kennen Sie nur einen Bäcker, der seine Brötchen nicht an Leute mit dunkler Hautfarbe verkauft?
Nein?
Aber Frau Köppen kennt einen. Yeah.
Die Diskriminierung von Blondinen ist also nur eine (strafbare?) Beleidigung, während die Diskriminierung von Menschen mit anderen körperlichen Merkmalen (schwarze Haut - oder sogar dunkle?) "an die Menschenwürde geht."
Ich fasse es nicht.
Diesen ganzen Schwachsinn finanziere ich also mit meinem Geld über Steuern, derweil die eigene Familie am Existenzminimum knappst. Wir fühlen uns auch diskriminiert, weil wir z.B. über Umsatz- und Verbrauchssteuern bezahlen müssen, obwohl unsere Kinder nicht arbeiten und dadurch nichts verdienen dürfen. Im Ergebnis zahlt man also Steuern, ohne entsprechendes Einkommen zu erzielen. Das ist bloße Existenzbesteuerung. Statt sich bilden zu können, zwingt man die Kinder in staatlich regulierte Schulen, damit Sie lernen, daß ein solcher Unfug kein Unfug, sondern "gerecht" ist.
Das sind die Sachen, die wir als Beleidigung empfinden.
Das ist allerdings nicht einklagbar, denn Justitia haben die vom Staat ja schon vor längerer Zeit kassiert und monopolisiert. Und auch diese Dreistheit ist eine Beleidigung.
Die Tendenz ist ganz eindeutig: Das Privatrecht wird verdrängt und inzwischen bis in die letzten Ecken menschlicher Handlungen durch ein angebliches demokratisches "öffentliches Recht" ersetzt.