Beruf und Familie

Ganztagsschulen erleichtern Frauen das Erwerbsleben

Die Zahl der Ganztagsschulen sollte zunehmen

Die Zahl der Ganztagsschulen sollte zunehmen

08. Januar 2006 Eine bessere Versorgung mit Ganztagsschulen würde den Konflikt einer Entscheidung zwischen Familie und Beruf deutlich entschärfen und die Erwerbsbeteiligung von Frauen spürbar steigern. Dies weisen Wissenschaftler vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer neuen Studie nach.

Wenn es für 30 Prozent der Kinder in ganz Deutschland einen Ganztagsschulplatz gäbe, wie es die Bundesregierung mit dem Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“ mittelbar anstrebe, schreiben die Wissenschaftler Miriam Beblo, Charlotte Lauer und Katharina Wrohlich, dann würde sich die Partizipationsquote der Frauen in Westdeutschland immerhin schon um knapp einen Prozentpunkt erhöhen, und die durchschnittliche Arbeitszeit würde um 4 Prozent steigen. In Ostdeutschland wäre der Effekt mit 2 Prozent nicht ganz so hoch; dort ist die Ausstattung mit Ganztagsschulen schon heute besser als im Westen.

15 Milliarden Investitionskosten

Wenn es sogar eine flächendeckende Vollversorgung mit Plätzen in Ganztagsschulen gäbe, bei der die Eltern keinerlei Kosten für die Betreuung von Kindern zwischen sieben und zehn Jahren tragen müßten, könnte die Erwerbsbeteiligung von Frauen (derzeit 59 Prozent) nach den Berechnungen der Wissenschaftler um 4 Prozentpunkte im Westen und um einen Prozentpunkt im Osten steigen. Die durchschnittliche Arbeitszeit würde in Westdeutschland um mehr als 16 Prozent und in Ostdeutschland um 5 Prozent zunehmen.

Die Kosten dafür beziffert das DIW auf rund 4 Milliarden Euro im Jahr an laufenden Kosten und rund 15 Milliarden Euro an Investitionskosten. Bei Vollzeit-Erwerbstätigkeit der Mütter gewännen Haushalte in Ostdeutschland durch diese Reform im Durchschnitt 130 Euro monatlich, in Westdeutschland 399 Euro.

Am wenigsten Ganztagsschulen in Bayern

Wie das DIW belegt, sind kostengünstige Angebote zur Nachmittagsbetreuung von Schulkindern zumindest in Westdeutschland derzeit nur in geringem Umfang vorhanden. Dabei variiert die Verfügbarkeit von Plätzen in Ganztagsschulen stark. Insgesamt sind nur knapp 10 Prozent der Schüler an den deutschen allgemeinbildenden Schulen Ganztagsschüler. Die wenigsten Ganztagsplätze gibt es in Bayern (2,3 Prozent aller Schüler), die meisten in Sachsen, Berlin und Thüringen (mehr als 20 Prozent aller Schüler). Dabei sind die Ganztagsschulen in Sachsen, Thüringen und Hessen vorwiegend so ausgestaltet, daß die Teilnahme am Ganztagsangebot freiwillig ist und oftmals in Kooperation mit anderen Trägern erfolgt, während in Berlin und Nordrhein-Westfalen vor allem Schulen zu finden sind, in denen die Schüler verpflichtet sind, am Ganztagsangebot teilzunehmen.

Auch die Schulform spielt offenbar eine differenzierende Rolle: Am höchsten ist der Anteil der Ganztagsschüler an integrierten Gesamtschulen - mit insgesamt zwei Dritteln der Schüler. In Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind es sogar 90 Prozent. Auch an den Haupt- und Sonderschulen ist das Angebot an Ganztagsplätzen überdurchschnittlich hoch, im Gegensatz zu den Realschulen und Gymnasien, die am wenigsten Plätze anbieten (weniger als 4 Prozent). Für Grundschüler stünden im Bundesdurchschnitt nur rund 4 Prozent aller Schulplätze als Ganztagsangebot zur Verfügung. Auch die Versorgung mit Hortplätzen, die eine weitere Lösung zur Nachmittagsbetreuung von Schulkindern darstellen, ist nach Angaben des DIW zu dürftig. Während in den meisten ostdeutschen Ländern mehr als 50 Plätze je 100 Kinder zur Verfügung stehen, sind es im Westen zumeist weniger als zehn.

45 Prozent der Mütter von Grundschulkindern gehen arbeiten

Aus dem Sozioökonomischen Panel - einer vom DIW und Infratest gemeinsam durchgeführten repräsentativen jährlichen Befragung privater Haushalte - ergibt sich, daß rund 45 Prozent aller Kinder im Grundschulalter erwerbstätige Mütter haben und 14 Prozent sogar in Vollzeit erwerbstätige Mütter. In Ostdeutschland besuchen 56 Prozent aller Kinder mit vollzeiterwerbstätigen Müttern entweder einen Hort oder eine Ganztagsschule. In Westdeutschland trifft dies nur für weniger als ein Fünftel dieser Kinder zu.

Rund 7 Prozent der Kinder in Ostdeutschland und 9 Prozent der Kinder in Westdeutschland mit vollzeiterwerbstätigen Müttern werden nachmittags von bezahlten Tagesmüttern oder Babysittern betreut. Bei mindestens 9 Prozent aller Kinder mit vollzeiterwerbstätigen Müttern ist nach Einschätzung des DIW davon auszugehen, daß sie entweder sich selbst oder allenfalls älteren Geschwistern überlassen bleiben.

Text: orn. / F.A.Z., 09.01.2006, Nr. 7 / Seite 11
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Sie möchten Zuschuss zur Ihrer neuen Brille? Vergleichen Sie jetzt online einfach und bequem verschiedene Krankenzusatzversicherungen und sparen Sie bares Geld!

Dax
Tec
Dow
Nas
13.11.2009 | 17:45
Dax 5.686,83
+0,40 %
 
        Vortag
13.11.2009 | 23:59
Name Kurs in %
DAX 5.686,83 +0,40%
TecDAX 761,43 −0,15%
MDAX 7.311,23 +0,19%
SDAX 3.503,06 +0,39%
REX 373,92 +0,06%
Eurostoxx 50 2.883,04 +0,21%
Dow Jones 10.270,50 +0,72%
Nasdaq 100 1.788,61 +0,44%
S&P500 1.093,48 +0,57%
Nikkei225 9.770,31 −0,35%
EUR/USD 1,4902 +0,37%
Rohöl Brent Crude 76,46 $ −0,40%
Gold 1.107,50 $ −0,65%
Bund Future 121,42 € −0,04%
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche