Monopolkommission

Verbundene Unternehmen werden immer mächtiger

Von Kerstin Schwenn

09. Juli 2008 In der deutschen Wirtschaft wächst die Bedeutung von vertraglich oder kapitalmäßig verbundenen Unternehmen. Zu diesem Schluss kommt die Monopolkommission in ihrem neuen Gutachten. Solche Verflechtungen werden demnach auch über Branchen und nationale Grenzen hinaus gebildet. Diese Entwicklung ist vor allem für kleine und mittlere Unternehmen ein Problem. Denn die Verflechtungen könnten die Kapitalbasis der in Gruppen organisierten Unternehmen so steigern, dass diese die Konkurrenz mittel- oder langfristig verdrängen könnten.

Die Monopolkommission, die die wettbewerbliche Entwicklung in Deutschland beobachtet, hat ihr neues Hauptgutachten am Mittwoch in Berlin Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) übergeben. Nach den Erkenntnissen der Kommission gehören 6,3 Prozent der Unternehmen in Deutschland einer Gruppe an. Das hört sich auf den ersten Blick wenig an, doch diese vereinten zwei Drittel der Umsätze und mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Beschäftigten auf sich. Der scheidende Kommissionsvorsitzende Jürgen Basedow verwies darauf, dass die Verteilung der Beschäftigten nichts darüber aussage, ob in diesen Unternehmen auch die meisten Arbeitsplätze entständen.

Anteil der hundert größten Unternehmen an der Nettowertschöpfung höher

Besonders hoch sind die Anteile der Unternehmensgruppen im Bergbau, im Verarbeitenden Gewerbe, in der Energie- und Wasserversorgung sowie in der Verkehrsbranche und Nachrichtenübermittlung. Deutsche Unternehmen mit einem ausländischen Mutterunternehmen machen zwar nur 0,7 Prozent aller Unternehmen aus, haben jedoch einen Umsatzanteil von rund 19 Prozent und einen Beschäftigtenanteil von 10 Prozent. Die höchsten Umsatzanteile haben dabei die Mutterunternehmen aus den Vereinigten Staaten, vor denen aus Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich und der Schweiz.

Der Anteil der hundert größten Unternehmen an der Nettowertschöpfung aller Unternehmen in Deutschland erhöhte sich in der Berichtszeit (von 2004 bis 2006) auf 18 Prozent, den höchsten Wert seit dem Jahr 2000. „Tendenziell rückläufig“ sind nach Erkenntnissen der Kommission die Kapitalbeteiligungen sowie die personellen Verflechtungen unter den 100 größten deutschen Unternehmen. „Die alte Deutschland AG schwächelt“, sagte Basedow.

Konzentration nur ein Indikator

Die Kommission ergänzt ihre Aussagen durch die Bemerkung, dass heutzutage eine auf Deutschland beschränkte Sicht zu kurz greife. „Wenn nationale Märkte zu einem globalen Markt zusammenwachsen, gibt die Entwicklung der nationalen Angebotskonzentration ein verzerrtes Bild ab.“ Überdies könne die Konzentration nur ein Indikator zur Feststellung der Wettbewerbsintensität in einem Markt sein.

In ihrem Bericht stützt sich die Monopolkommission erstmals auf das statistische Unternehmensregister, das die deutsche Unternehmenslandschaft weitgehend abdeckt. Anstelle der bisher betrachteten Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten im Bergbau, Verarbeitenden Gewerbe und Baugewerbe mit insgesamt rund 51.000 Einheiten werden nun mehr als 3 Millionen Unternehmen mit mehr als 17.500 Euro Jahresumsatz oder mit mindestens einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus nahezu allen Wirtschaftsbereichen erfasst. Alle Daten stammen aus dem Jahr 2005, neuere amtliche Daten liegen noch nicht vor.

Zur Jahresmitte sind aus der Monopolkommission der Vorsitzende, Rechtsprofessor Jürgen Basedow, sowie die Unternehmer Katharina Trebitsch und Jörn Aldag mit Ablauf ihrer zweiten Amtsperiode ausgeschieden. Neu berufen wurden die Unternehmerin Angelika Westerwelle und der Bonner Rechtsprofessor Daniel Zimmer. Die Berufung eines weiteren Mitglieds steht noch aus. Die Amtszeiten des Wirtschaftsprofessors Justus Haucap und des ehemaligen Veba-Vorstands Peter-Michael Preusker enden am 30. Juni 2010.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ZB

 
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