Studie

Der Mythos „Generation Praktikum“

Von Sven Astheimer

Studie: Der Mythos „Generation Praktikum“
12. April 2007 

Der Begriff „Generation Praktikum“ ist mit Blick auf den Verbleib von Akademikern nach Abschluss ihres Studiums nicht gerechtfertigt. Nur etwa jeder achte Absolvent eines Fachhochschulstudiengangs (FH) und jeder siebte Akademiker mit einem universitären Abschluss hat anschließend ein Praktikum angetreten. In 84 Prozent der Fälle dauerte das Verhältnis nicht länger als ein halbes Jahr. Das geht aus einer Umfrage unter mehr als 10.000 Absolventen des Jahrgangs 2005 hervor, die die Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) in Hannover durchgeführt hat.

Zwar konstatieren die Autoren, dass in einigen Bereichen eine Zunahme von Praktika zu verzeichnen sei, dass es sich dabei aber „gegenwärtig nicht um ein Massenphänomen handelt und der Begriff ,Generation Praktikum‘ mit Blick auf den beruflichen Verbleib von Hochschulabsolventen nicht gerechtfertigt sei.“ Außerdem hätten die meisten Befragten ihr Praktikum als positiv eingestuft und nicht als Ausbeutung empfunden.

Kaum Praktika in technischen Berufen

Praktika sind besser als ihr Ruf

Praktika sind besser als ihr Ruf

In den technischen sowie den meisten naturwissenschaftlichen Studiengängen sind Praktika laut HIS vor dem Berufseinstieg seltene Ausnahmen. Am häufigsten kommen Praktika noch in den Fachrichtungen Architektur, Biologie, Psychologie und Wirtschaftswissenschaften vor, wo rund jeder Fünfte mindestens ein Praktikum absolviert. Bei Sprach- und Kulturwissenschaftlern ist es sogar jeder vierte Absolvent.

Die Ergebnisse aus Hannover widerlegen die vor allem vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) vorgebrachte Behauptung, Absolventen würden mittlerweile regelrechte Praktikumskarrieren durchlaufen. Solche Kettenpraktika seien eine „Randerscheinung“, heißt es bei HIS. In den meisten Fällen bleibt es bei einem Praktikum vor dem Berufseinstieg. Der DGB hatte sich bei seinen Aussagen im Februar auf eine Umfrage unter lediglich rund 500 Absolventen in Berlin und Köln gestützt und daraus die Forderung nach einer gesetzlichen Regelung für Praktika abgeleitet. Diese sollten unter anderem als Lernverhältnis definiert und auf drei Monate begrenzt werden. Außerdem sollten bei Studienabsolventen Praktika durch Berufseinstiegsprogramme mit existenzsichernder Vergütung ersetzt werden.

Arbeitgeber reden von 'Panikmache'

Scharfe Kritik an den Gewerkschaften äußern nun die Arbeitgeber. Es dränge sich der Verdacht auf, dass die Panikmache nur als Vorwand für unnötige neue Regulierungen, die offenbar auch im Bundesarbeitsministerium erwogen wurden, genutzt wird, sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. „Falschmeldungen über angebliche Missstände dürfen nicht länger Zukunftsängste von jungen Menschen schüren.“ Praktika hülfen Absolventen wie Unternehmen, sich kennenzulernen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Hochschulinformationszentrum, picture-alliance/ dpa

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