Arbeitsmarkt

Beschäftigung auf Rekordniveau

Von Sven Astheimer

02. Januar 2008 Im abgelaufenen Jahr sind in Deutschland so viele Menschen einer Erwerbstätigkeit nachgegangen wie seit Anfang der neunziger Jahre nicht. Im Durchschnitt gab es 2007 rund 39,7 Millionen Erwerbstätige, wie aus vorläufigen Berechnungen hervorgeht, die das Statistische Bundesamt am Mittwoch veröffentlichte. Das entspricht einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von knapp 650 000 Personen oder 1,7 Prozent. Im Jahr 2006, als die Belebung am Arbeitsmarkt einsetzte, hatte das Plus im Vorjahresvergleich noch 0,6 Prozent betragen. Im September 2007 war erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik in einem Monat die Marke von 40 Millionen übersprungen worden.

Erste Hochrechnungen für den November veröffentlicht die Behörde an diesem Donnerstag. Außerdem gibt die Bundesagentur für Arbeit (BA) die Arbeitslosenzahlen für den Dezember bekannt. Am Mittwoch teilte die BA schon mit, dass der Beschäftigungsaufbau auch in diesem Jahr trotz der gesenkten Konjunkturprognosen andauern dürfte: „Die Einstellungsbereitschaft der deutschen Wirtschaft bewegt sich auf sehr hohem Niveau.“ Den Anstieg der Erwerbstätigenzahl im vergangenen Jahr führte das Statistische Bundesamt vor allem auf die gute konjunkturelle Entwicklung und den daraus resultierenden Bedarf an Arbeitskräften zurück. Außerdem könnten der milde Winter und das zu Jahresbeginn 2007 eingeführte Kurzarbeitergeld in der Bauwirtschaft dazu geführt haben, dass die sonst übliche Saisonarbeitslosigkeit in der Branche wesentlich geringer ausgefallen ist.

4,4 Millionen Selbständige in Deutschland

Elf Jahre in Folge wurden in der Baubranche nur Jobs abgebaut: 2007 arbeiteten erstmals wieder mehr Menschen auf dem Bau

Elf Jahre in Folge wurden in der Baubranche nur Jobs abgebaut: 2007 arbeiteten erstmals wieder mehr Menschen auf dem Bau

Das Konzept der Erwerbstätigen umfasst sowohl die Arbeitnehmer als auch die Selbstständigen. Beide Gruppen legten im abgelaufenen Jahr zu. Die Zahl der Arbeitnehmer wuchs um fast 600.000 oder 1,7 Prozent auf 35,3 Millionen Beschäftigte, die der Selbständigen legte um 54.000 oder 1,2 Prozent auf etwa 4,4 Millionen zu.

Innerhalb der Arbeitnehmerschaft ist die Gruppe der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Abstand am größten. Der wirtschaftliche Aufschwung habe vor allem diese Personen erreicht, schreibt das Statistische Bundesamt. Konkrete Jahreszahlen liegen noch nicht vor. Während der ersten neun Monate stieg ihre Zahl nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit um rund eine auf 27,5 Millionen. Auch geringfügig Beschäftigte - so genannte Minijobber - sowie Beamte, Soldaten und Zivildienstleistende werden als Arbeitnehmer erfasst. Im dritten Quartal 2007 waren nach Angaben der Minijob-Zentrale rund 6,6 Millionen Minijobber registriert, das war rund eine Viertelmillion mehr als im entsprechenden Vorjahresquartal.

Erstmals seit Jahren neue Stellen auf dem Bau

Die positive Beschäftigungsentwicklung verteilt sich erstmals seit der Wiedervereinigung auf alle Wirtschaftsbereiche, wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt. Allerdings verläuft die Entwicklung in den Dienstleistungsbereichen am dynamischsten. In dieser Kategorie, die unter anderem den Handel, das Gastgewerbe, den Finanzsektor und Unternehmensdienstleister wie Zeitarbeit- und Logistikanbieter umfasst, stieg die Beschäftigtenzahl gegenüber 2006 um ein halbe Million oder 1,8 Prozent. Das Baugewerbe hat nach mehr als einem Jahrzehnt des Beschäftigungsabbaus erstmals wieder zulegen können (plus 1,9 Prozent), die Land- und Forstwirtschaft erstmals seit acht Jahren (plus 1,1 Prozent) und das produzierende Gewerbe zählte erstmals seit fünf Jahren wieder mehr Arbeitnehmer (plus 1,2 Prozent). Mittlerweile üben fast drei Viertel aller Erwerbstätigen eine Dienstleistung aus. Unmittelbar nach der Wiedervereinigung waren es noch 60 Prozent gewesen.

Text: Reuters
Bildmaterial: AP, F.A.Z.

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