Finanzmarktkrise

Amerikanische Notenbanker schlagen Alarm

09. April 2008 Die Immobilien- und Finanzmarktkrise könnte die amerikanische Wirtschaft nach Ansicht von Spitzenvertretern der amerikanischen Notenbank in einen kräftigen Abwärtsstrudel ziehen. Die Fed erwartet, dass die Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr schrumpft und erst danach wieder leicht steigt, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Protokoll der Fed-Sitzung von Mitte März hervorgeht.

Einige Mitglieder des Gremiums befürchteten außerdem, „dass ein länger andauernder und ernsthafter Wirtschaftsabschwung nicht ausgeschlossen werden kann“, heißt es in dem Papier weiter. Das Wort Rezession wurde in dem Protokoll nicht verwendet.

Finanzmärkte werten Ausblick als Zeichen für weitere Zinssenkung

Diesen eher düsteren Ausblick werteten die Finanzmärkte als Zeichen, dass die Notenbank ihre Geldpolitik weiter lockern wird. Die Zinsfutures an der Wall Street signalisierten, dass die Chance auf eine Zinssenkung auf 1,75 Prozent bis Juni nun bei 90 Prozent liegt.

Die Federal Reserve hatte bei ihrer Sitzung am 18. März den Leitzins von 3,0 auf 2,25 Prozent gesenkt, um der schwächelnden Wirtschaft mit billigerem Geld unter die Arme zu greifen. Notenbank-Chef Ben Bernanke hat zuletzt aber nicht ausgeschlossen, dass die größte Volkswirtschaft der Welt in eine Rezession rutschen könnte und dabei weitgehend das im Protokoll beschriebene Szenario dargestellt. Für die zweite Jahreshälfte rechnet er wieder mit einer leichten Erholung.

„Etwas negativer als wir gedacht hätten“

Die Teilnehmer der Sitzung hätten sich zudem besorgt über die Inflation geäußert, hieß es. Mehrere Indikatoren für die Inflationserwartungen deuteten nach oben. Während manche Beobachter keine Überraschung sahen, zeigte sich Richard Sichel von Philadelphia Trust beunruhigt über die Wortwahl der Notenbanker. „Einige ihrer Gedanken waren vielleicht etwas negativer als wir gedacht hätten.“ Im Protokoll hieß es zu den Äußerungen der Fed-Banker: „Einige gingen davon aus, dass ein längerer und starker wirtschaftlicher Abschwung nicht ausgeschlossen werden könnte.“ Grund dafür sei der erschwerte Zugang zu Krediten und die anhaltende Schwäche am Immobilienmarkt.

Seit Mitte September hat die Notenbank ihren Leitzins mehr als halbiert, um die Folgen der Immobilien- und Finanzkrise abzumildern. Die kräftige Zinssenkung vom März stieß aber auf die Ablehnung von zwei Mitgliedern im geldpolitischen Entscheidungsgremium der Fed: Charles Plosser und Richard Fisher votierten für einen geringeren Schritt. Beide hatten zuletzt darauf verwiesen, die Fed dürfe in ihrem Kampf gegen die Wirtschaftsflaute die Inflation nicht aus den Augen verlieren.

Greenspan: Amerikanische Wirtschaft in der Rezession

Unterdessen sagte der ehemalige Notenbankchef Alan Greenspan in einem Interview, die amerikanische Wirtschaft befinde sich bereits in einer Rezession. Es sei allerdings schwer zu sagen, wie schwer und tief diese noch werde, sagte Greenspan am Dienstag dem amerikanischen Wirtschaftssender CNBC. Er wisse jedoch nicht, wie lange dieser Zustand anhalten werde und wie tief es die Wirtschaft treffen werde, sagte Greenspan. „Wir haben die heftigen Schmerzen einer Rezession“, sagte er.

Greenspan bereue jedoch nichts in Bezug auf seine einstige Rolle am Steuer der Notenbank. Greenspan sagte, er könne zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, ob die Rezession heftig ausfalle. Er widersprach Vorwürfen, dass seine geldpolitischen Maßnahmen als Notenbank-Chef zur derzeitigen Situation beigetragen hätten, indem sie die Kreditblase aufblähten.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

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