08. Mai 2008 Die Europäische Zentralbank (EZB) denkt ungeachtet zunehmender Anzeichen für eine Abkühlung der Konjunktur offenbar weiter nicht an eine Änderung ihres Kurses. Wir glauben, dass unsere derzeitige Geldpolitik dazu beiträgt, unser Ziel Preisstabilität zu erreichen, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Athen nach einer Sitzung des EZB-Rats. Allerdings bleibe die Notenbank wegen der hohen Inflation und der anhaltenden Krise an den Finanzmärkten weiter in ständiger Alarmbereitschaft.
Die rasanten Preisanstiege bei Energie und Nahrungsmitteln in der jüngsten Vergangenheit würden nicht nur kurzfristig für einen enormen Inflationsdruck sorgen, begründete Trichet die Haltung der Währungshüter. Die Risiken für den mittelfristigen Inflationsausblick bleiben klar nach oben gerichtet. Deshalb habe die Eindämmung der langfristigen Inflationserwartungen auch höchste Priorität. Die EZB müsse auf jeden Fall sicherstellen, dass die hohe Inflation ein vorübergehendes Phänomen sei. Der marginale Rückgang der Teuerung im April habe keinen Einfluss auf die Entscheidung der Notenbank gehabt, sagte Trichet. Unsere Einschätzung der Inflationsrisiken ist dieselbe wie vor einem Monat.
Fundamentaldaten der Euro-Zone sind robust
Gleichzeitig deuteten die jüngsten Wirtschaftsdaten auf ein anhaltendes und robustes Wirtschaftswachstum in den Ländern der Währungsunion hin. Die ökonomischen Fundamentaldaten der Euro-Zone sind robust. Dennoch ist die Unsicherheit, die durch die Finanzkrise kommt, ungewöhnlich hoch, sagte Trichet.
Am frühen Nachmittag hatte die Notenbank den Leitzins für die Euro-Zone wie an den Finanzmärkten erwartet bei vier Prozent belassen. Er liegt dort seit Juni vergangenen Jahres. Analysten rechnen nach dieser Entscheidung auf kurze Sicht nicht mit einer Änderung der Zinsen.
Zinssenkung erst zum Jahresende?
Ein Richtungsschwenk ist nicht in Sicht. Die EZB dürfte ihren Leitzins in den kommenden Monaten stabil halten. Eine Änderung ihrer abwartenden Haltung hätte sie verbal angekündigt. Das ist ausgeblieben, sagte Antje Hansen von HSBC Trinkaus. Sie rechnet erst am Jahresende mit einer Zinssenkung: Weil bis dahin die Konjunkturabschwächung in den USA deutlicher auf die Euro-Zone übertragen wird und damit auch der Preisdruck abnimmt.
Die EZB steckt seit Monaten im Dilemma zwischen steigender Inflation und ersten Anzeichen einer Konjunkturabkühlung in Folge der Finanzkrise. Zuletzt hatten widersprüchliche Stimmen aus dem EZB-Rat über die zukünftige Geldpolitik die Märkte verunsichert.
Die Folgen der Finanzmarktkrise und der starke Euro belasten die europäische Wirtschaft und sprechen für Zinssenkungen, die Kredite für Unternehmen und Verbraucher verbilligen. Die anhaltend hohe Inflation steht aber sinkenden Zinsen entgegen. Die Teuerungsrate in den 15 Euro-Ländern hatte sich im April zwar etwas von 3,6 auf 3,3 Prozent abgeschwächt, liegt aber weiterhin über dem Zielniveau von knapp 2,0 Prozent, bei dem die EZB Preisstabilität als gewahrt ansieht.
Im Gegensatz zur Europäischen Zentralbank senkte die amerikanische Notenbank Fed den Leitzins wegen der Konjunkturschwäche infolge der Immobilienkrise von 5,25 drastisch auf inzwischen 2,0 Prozent. Die Bank of England ließ ihren Leitzins am Donnerstag ebenfalls unverändert bei 5,0 Prozent.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.
Horst Köhler bezeichnet das Finanzsystem als Monster. Hat er Recht?
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 7.156,55 | +1,07 |
| TecDax | 866,04 | +0,54 |
| DowJones | 12.986,80 | -0,05 |
| Nasdaq | 2.528,85 | -0,19 |
| STOXX 50 | 3.862,91 | +0,21 |
| Nikkei 225 | 14.219,48 | -0,23 |
| S&P 500 Zert. | 14,25 | +1,28 |
| Euro/Dollar | 1,56 | +0,00 |
| Bund Future | 113,46 | -0,09 |
| Gold | 902,30 | +0,27 |
| Öl | 124,13 | +0,99 |
