Neues Al-Qaida-Video

Sorge vor erhöhter Terror-Gefahr

Bekkay Harrach, genannt Abu Talha: immer wieder Drohungen im Internet

Bekkay Harrach, genannt Abu Talha: immer wieder Drohungen im Internet

18. September 2009 Gut eine Woche vor der Bundestagswahl ist ein gegen Deutschland gerichtetes Drohvideo der islamistischen Terrororganisation Al Qaida aufgetaucht. In der Internet-Botschaft wird nach Angaben der ARD ein sofortiger Abzug deutscher Soldaten aus Afghanistan gefordert. Anderenfalls drohe Deutschland nach der Wahl am 27. September „ein böses Erwachen“. Deutsche Sicherheitskreise bestätigten der Deutschen Presse-Agentur dpa am Freitagabend die Existenz des Videos. „Das fügt sich ein in die allgemein gestiegene Gefährdungslage vor der Bundestagswahl“, hieß es. Das Video werde nach einer ersten Prüfung als echt eingestuft.

Unterdessen wurden an Flughäfen und auf Bahnhöfen die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. „Die seit Jahresbeginn verstärkt auch unmittelbar gegen Deutschland gerichteten Drohungen von Al Qaida und anderen islamistischen Organisationen erreichen eine neue Qualität“, stellte die Bundespolizei in Potsdam fest. Auf allen Flughäfen und an einigen Bahnhöfen patrouillieren seit Freitag Bundespolizisten mit schweren Schutzwesten und Maschinenpistolen. „Es geht um die Präsenz, wir wollen den Reisenden Sicherheit geben“, sagte eine Sprecherin des Bundespolizeipräsidiums. Die Anweisung für die Bundespolizisten auf Streife gilt demnach zunächst unbefristet.

Abzug aus Afghanistan gefordert

Kein Unbekannter: der Bonner Islamist Bekkay Harrach, der sich Abu Talha nennt

Kein Unbekannter: der Bonner Islamist Bekkay Harrach, der sich Abu Talha nennt

Der Sprecher in dem der ARD vorliegenden neuen Video ist nach Angaben des Senders erneut der Bonner Islamist Bekkay Harrach, der sich Abu Talha nennt. Über seinen Aufenthaltsort gibt es keine
Angaben. Auf Deutsch sagt er mit Blick auf die Wahl am 27. September: „Entscheidet das Volk sich (...) für eine Fortsetzung des Krieges, hat es sein eigenes Urteil gefällt. Die Bundestagswahl ist die einzige Möglichkeit des Volkes, die Politik des Landes zu gestalten.“ Weiter heißt es in dem Drohvideo: „Mit Abzug des letzten deutschen Soldaten wird auch der letzte Mudschahedin aus Deutschland abgezogen.“

Harrach, ein Deutscher marokkanischer Herkunft, ist für die Sicherheitsbehörden kein Unbekannter. Er trat bereits in mehreren Propagandavideos von Al Qaida auf, die seit Anfang des Jahres im Internet veröffentlicht wurden. Harrach riet in dem neuen Drohvideo laut ARD den Muslimen in Deutschland, sich zwei Wochen nach der Wahl aus der Öffentlichkeit weitgehend fernzuhalten. Der Türke Ömer Ö., der derzeit wegen seiner mutmaßlichen Al-Qaida-Mitgliedschaft in Koblenz vor Gericht steht, soll nach früheren Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft Harrach als Al-Qaida-Terrorist angeworben haben.

Sicherheitsmaßnahmen verschärft

Die Sicherheitsbehörden beobachten seit Monaten verstärkte Aktivitäten und Reisebewegungen von verdächtigen Personen. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte erst am vergangenen Dienstag auf einer Sicherheitskonferenz in Berlin auf die Gefahr von Terroranschlägen vor der Wahl hingewiesen. Allerdings bekräftigte er auch, es gebe keine Erkenntnisse über konkrete Anschlagsplanungen, aber Drohungen im Internet und Hinweise der Nachrichtendienste. Nach Feststellung des Bundesinnenministeriums bietet die Wahl einen besonderen Ansatz für propagandistische und operative Ziele terroristischer Gruppen. „Die Sicherheitsbehörden gehen daher von einer erhöhten Gefährdungslage aus, der sie mit lageangepassten Sicherheitsmaßnahmen insbesondere an den Flughäfen und auf Bahnhöfen Rechnung tragen.“

In Berlin wurden die Sicherheitsmaßnahmen gegen mögliche Terroranschläge weiter verschärft. Die Hauptstadt folgt damit einer Lageeinschätzung des Bundes, wie Innensenator Ehrhart Körting (SPD) mitteilte. Einzelheiten nannte Körting nicht. Auch die amerikanische Botschaft veröffentlichte am Freitag einen Warnhinweis an in Deutschland lebenden Bürger. „Es gibt vor den Wahlen am 27. September eine erhöhte Terrorgefahr in Deutschland“, teilte die Botschaft mit. Sie appellierte an amerikanische Bürger, vorsichtig zu sein und Maßnahmen für ihre persönliche Sicherheit zu ergreifen.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, dpa

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2010.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Suchen Sie einen Spezialisten? Krebs, Herz, Orthopädie, Plastische Chirurgie, Neurologie, Gastrologie, u.a. Hier Informieren!

09.02.2010 13:06

Hamdani muss warten

09.02.2010 20:28

Zermatt sucht die Gipfelzone

09.02.2010 10:40

Ex-Armeechef Nef hat wieder einen Job

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche